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Augsburg

05.03.2016

Coffee To Go: Verdrängen eigene Tassen bald Einwegbecher?

Kaffee in den mitgebrachten Becher, das geht im Samocca. Ursacherin der grünen Wende ist Julia Post mit ihrer Initiative "Coffee To Go Again".
Bild: Ulrich Wagner

Eine Initiative macht gegen umweltschädliche Einwegbecher mobil. Auch in Augsburg schenken jetzt erste Geschäfte Kaffee in mitgebrachte Becher aus. Das hat nicht nur Vorteile.

Jede Stunde landen in Deutschland 320.000 Kaffeebecher im Müll. Würde man sie aneinanderreihen, könnte man fast die gesamte Distanz von Augsburg nach München mit Müll auskleiden. Den umgekehrten Weg geht zur Zeit eine Initiative, die sich den Kampf gegen eben diesen Müll auf die Fahnen geschrieben hat.

Initiative "Coffee To Go Again": Eigener Becher, Kaffee marsch!

Die Münchner Studentin Julia Post möchte mit dem Projekt „Coffee To Go Again“ auf die Umweltsünde Einwegbecher aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr sucht sie Partnerläden, die Kaffee zum Mitnehmen auch in mitgebrachte Tassen einschenken. Als Zeichen klebt dann das Logo der Initiative an den Türen. In der Landeshauptstadt sind es schon 46, in Augsburg bisher drei. Es sollen aber bald mehr werden, hofft Julia Post. „Es wenden sich zur Zeit sehr viele Betriebe, Cafés und Bäckereien aus eigenem Antrieb an mich. Ich bin überzeugt, dass es bald schon deutlich mehr Unterstützer sein werden.“ Sie stemmt die Initiative weitgehend alleine. Weil sie als berufstätige Studentin außerhalb Münchens nicht persönlich um Unterstützer werben und vor Ort betreuen kann, verschickt sie Anfragen per E-Mail. Das sei bisher eher mühsam. Sie könne sich aber vorstellen, mit engagierten Helfern in anderen Städten zusammenzuarbeiten.

Eines der teilnehmenden Cafés in Augsburg ist das Samocca. Seit einem halben Jahr klebt hier der „Coffee To Go Again“-Aufkleber an der Tür. Das Angebot nähmen aber nur wenige Kunden wahr, sagt Teamleiter Stephan Eser. „Wir sind nicht der klassische To-Go-Laden. Monatlich sind das nur 100 bis 200 Becher.“ Die Aktion an sich findet er gut. „Ich habe selbst einen schönen Becher aus Keramik. Warum sollte man da die Umwelt unnötig belasten?“ Er könnte sich vorstellen, auch mit dem Café am Milchberg mitzumachen. Es gehört, wie das Samocca, zur Caritas. Für ihn sei das wenig Aufwand: Einfach den Aufkleber an die Tür pappen und den Mitarbeitern Bescheid geben.

Hygienische Bedenken: Im Notfall haftet der Cafébetreiber

Aber ist das Einschenken in fremde Becher überhaupt erlaubt? Eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Da der Verkäufer den Hygienestatus des vom Verbraucher mitgebrachten Behältnisses nicht kennt, geht er ein für ihn nicht bestimmbares hygienisches Risiko ein. Es liegt im Ermessen des Betriebes, welchem Risiko er sich aussetzt oder nicht.“ Das heißt im Klartext: Kaffee in mitgebrachte Becher zu schenken, ist zwar nicht verboten. Holt sich aber ein Kunde durch seine eigene verunreinigte Tasse etwa eine Lebensmittelvergiftung, haftet der Cafébetreiber.

In der Praxis könne man mit der Vorschrift gelassen umgehen, sagt Stephan Eser vom Samocca. „Ich appelliere da bei Mitarbeitern und Kunden an den gesunden Menschenverstand. Sie werden den Kaffee nicht in einen total verdreckten Becher schenken.“ Zur Not habe auch jeder Wirt eine Spülmaschine an der Theke.

Auch Julia Post findet hygienische Bedenken unbegründet. Ihre Vision ist es, dass Kunden irgendwann deutschlandweit umweltfreundliche Mehrwegbecher in einem einheitlichen Pfandsystem bekommen. Das würde Einwegbecher überflüssig machen, man müsste sein Gefäß aber auch nicht selbst mitbringen.

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