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Augsburg

30.01.2021

Corona-Ausbruch: Albaretto-Chef bleibt bei Kritik an FFP2-Masken

In der Seniorenresidenz Albaretto in Augsburg sind mehrere Bewohner und Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus In der Augsburger Seniorenresidenz Albaretto gibt es einen Corona-Ausbruch. Das sagt der Geschäftsführer zum Vorwurf, er gehe mit den Risiken des Virus zu lax um.

Auch nach dem Corona-Ausbruch in der Seniorenwohnanlage Albaretto lehnt deren Geschäftsführer die neu eingeführte FFP2-Maskenpflicht für Pflegekräfte ab. Albaretto-Chef Bernhard Spielberger sagt, Pflegekräfte, die sich um die Corona-Infizierten kümmern, würden einen Schutzanzug und die FFP2-Masken freiwillig tragen. Ansonsten bleibe er dabei, dass er seine Mitarbeiter für die Pflege der Bewohner nur dazu anweise, normale medizinische Masken – bekannt als OP-Masken – zu tragen. Der Chef der Seniorenresidenz glaubt nicht an den Nutzen der FFP2-Masken und verweist auf mögliche Gesundheitsgefahren, weil man durch diese Masken schlechter atmen könne. Aktuell sind im Albaretto 28 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden, 22 Bewohner und sechs Pflegekräfte. Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg geht davon aus, dass in den nächsten Tagen "mit weiteren Fällen zu rechnen" sei.

Das sieht auch Bernhard Spielberger so. In einem Rundbrief an Bewohner und deren Angehörige schreibt er, dass man versuche, alle infizierten Bewohner so gut wie möglich von den anderen Bewohnern zu isolieren. Auch negativ getestete Bewohner würden auf eigenen Wunsch ausschließlich in ihrem jeweiligen Apartment versorgt. Er stellt aber auch fest: "Aus den Erfahrungen aus anderen Einrichtungen und Anlagen des betreuten Wohnens werden die Hygienemaßnahmen jedoch eine weitere Ausbreitung des Virus nicht verhindern können." Angehörige von einigen Bewohnern vermuten, dass Spielbergers Skepsis gegenüber FFP2-Masken verantwortlich ist für den aktuellen Corona-Ausbruch. Immerhin habe er auch in Rundschreiben an die Bewohner vor den FFP2-Masken gewarnt und "dringend abgeraten", sie zu tragen.

Corona-Regeln: Bayern schreibt FFP2-Masken für Pflegekräfte vor

Seit Kurzem sind FFP2-Masken in Bayern für Pflegekräfte vorgeschrieben. Thomas Wibmer, der kommissarische Leiter des Augsburger Gesundheitsamtes, sagt auf Anfrage, seinem Amt lägen Beschwerden über Verstöße gegen die Maskenpflicht im Albaretto vor. "Das Gesundheitsamt geht diesen nach und hat den Pflegedienst aufgefordert, die bestehenden Vorschriften einzuhalten", so Wibmer. "Weitere Ermittlungen laufen." Spielberger allerdings argumentiert mit den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Das RKI rät wegen des "erhöhten Atemwiderstands" zu einer "arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung", bevor Mitarbeiter eine FFP2-Maske tragen. Der Albaretto-Chef erklärt, er habe mit seinem Betriebsarzt darüber gesprochen. Der wiederum habe dazu geraten, die Mitarbeiter von einem Lungenfacharzt untersuchen zu lassen. Bei um die 100 Mitarbeitern und der gegenwärtigen Lage ließe sich das auf die Schnelle aber nicht umsetzen.

 

Die Heimerer-Schulen, die in Augsburg Pflegekräfte ausbilden, sehen das Vorgehen des Albaretto-Geschäftsführers kritisch. Schulleiter Wolfgang Schwarz sagt, den vier Pflegeschülern, die im Albaretto arbeiten, sei zunächst gesagt worden, dass sie die FFP2-Masken nicht tragen sollen. Nach mehreren Gesprächen dürften die Schüler jetzt die FFP2-Masken tragen, allerdings müssten sie die Masken selbst besorgen und bekämen sie, anders als in anderen Einrichtungen, nicht gestellt. Bernhard Spielberger argumentiert auch hier mit gesundheitlichen Bedenken und seiner Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter. Der Schulleiter allerdings ist der Meinung, dass man eine Abwägung von Risiko und Nutzen treffen müssen – und der Nutzen angesichts des Risikos einer Corona-Infektion überwiege.

Rund 600 Menschen wohnen in der Seniorenresidenz Albaretto in Augsburg

In der Albaretto-Seniorenresidenz im Augsburger Stadtteil Kriegshaber leben in mehreren großen Häusern rund 600 ältere Menschen. Es handelt sich um kein klassisches Seniorenheim, sondern um ein betreutes Wohnen. Viele leben in Apartments, teils werden sie von ambulanten Pflegediensten betreut. Eine Ausnahme ist das Haus 4, hier leben besonders pflegebedürftige, teils auch demente Menschen – mit einer Betreuung rund um die Uhr durch einen Pflegedienst. Rein rechtlich ist aber auch dieses Haus kein Heim, sondern ein betreutes Wohnen. Hier gab es nun den Ausbruch.

Bernhard Spielberger ist Geschäftsführer der Seniorenresidenz Albaretto in Augsburg.
Foto: Michael Hochgemuth

Spielberger sagt, obwohl er die Corona-Maßnahmen in Bayern und Deutschland teils für überzogen halte, habe er den Schutz der Bewohner sehr ernst genommen. Seit Beginn der Pandemie seien bis zum Ausbruch jetzt nur einzelne Bewohner positiv getestet worden. Diese seien sofort in Quarantäne gekommen, auch die Kontaktpersonen habe man schnell informiert und getestet. Der Ausbruch jetzt, ist er überzeugt, sei von der Tagespflege ausgegangen, die ihre Räume in seiner Wohnanlage hat, aber von einem anderen Betreiber geführt wird. Dort gelte eine FFP2-Pflicht – und dennoch habe sich das Virus verbreiten können.

Über eine Klage Spielbergs gegen die Stadt hat das Verwaltungsgericht indes noch nicht entschieden. Der Albaretto-Chef ist der Ansicht, dass das Gesundheitsamt Mitarbeiter fälschlicherweise als sogenannte "Kontaktpersonen 1" eingestuft und in Quarantäne geschickt habe. Er befürchtete deshalb, die Betreuung der Bewohner nicht mehr gewährleisten zu können. Diese Gefahr sei aber aufs erste abgewendet, so Spielberger, da sich inzwischen mehrere freiberufliche Pflegekräfte bei ihm gemeldet hätten.

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