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Augsburg

07.08.2020

Corona: Halten sich die Augsburger noch an die Maskenpflicht?

In Augsburgs Straßenbahnen und Bussen tragen die Menschen weiter ihren Mundschutz. Unter freiem Himmel sieht es anders aus. Zumindest lässt sich dort besser Abstand halten.
Bild: Max Kramer

Plus Ohne Mund- und Nasenschutz darf niemand in Geschäfte oder Straßenbahnen. Doch nicht jeder kann sich damit anfreunden. So geht Augsburg mit der Maskenpflicht um.

Sie fahren wieder, die Straßenbahnen – wenn auch nicht in dem Takt, in dem sich das so mancher Augsburger wünschen würde. Und klar, viele wären auch gerne ohne Maske unterwegs. Aber es klappt doch recht gut mit der Disziplin im ÖPNV. Ein Nachmittag in der Tram, es ist die Einser. Sie ist ziemlich voll, an manchen Plätzen sitzen Fremde Schulter an Schulter nebeneinander. Menschen unterhalten sich über die Köpfe anderer hinweg. Lautstark, die Maske dämmt ja, also muss man die Stimme anheben. Der Mundschutz wird auch mal kurz heruntergezogen, damit man mehr versteht. Aber im Großen und Ganzen tragen die Fahrgäste den Mundschutz. Und was man da nicht alles sieht … OP-Masken, selbst genähte Stoffmasken in allen Farben und Mustern, FCA-Fanclub-Masken („stay safe“), vor den Mund gehaltene Schals, Tücher oder Papiertüten, Plastikvisiere, FFP-Masken …

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Es ist ein heißer Tag. In den Häuserschluchten der Innenstadt verursacht fast jede Bewegung Schweißtropfen. Die Menschen suchen Zuflucht – einige im Schatten der Bäume am Kö-Park. Dort tummeln sich an diesem Nachmittag ganz unterschiedliche Menschen: Gruppen von Trinkern, Familien mit Kinderwagen, Jugendliche mit Musikboxen. Masken? Nahezu Fehlanzeige.

Corona-Regeln in Augsburg: Viele Menschen achten nicht auf Abstand

Auf nur einer Parkbank wird auf die Corona-Abstände geachtet, davon abgesehen quetschen sich die Menschen auf Bänke und steinerne Fassungen der Bepflanzungen eng nebeneinander. Schatten ist knapp.

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Einige Polizisten kommen vorbei – und können gar nicht immer Abstand halten. Ein Pärchen schlendert in Richtung Parkanlage, als innerhalb einer Minute zwei Polizeiautos, ein Fahrrad-Polizist und ein Mann, wahrscheinlich ist es ein Ladendetektiv, das Paar umzingeln. Rucksack runter, Rucksack auf, mutmaßlich geklaute BHs und Höschen raus. Die fünf Polizisten halten weder untereinander noch zu den drei anderen Beteiligten Abstand. Wie auch in dieser Situation?

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Auf den vorgegebenen Mindestabstand achten bei weitem nicht alle Augsburger.
Bild: Max Kramer

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Besuch in einer Metzgerei. Der Kunde mit Maske, die Verkäuferin hinter Plexiglas. Sie schauen sich an, die Verkäuferin legt los: „Sie müssen schon lauter sprechen!“ Der Kunde ist verwundert. „Ich habe doch noch gar nichts gesagt.“ Die anderen Kunden müssen lachen, die Verkäuferin auch. Masken machen die Kommunikation nicht leichter.

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Wer von Königsplatz über Annastraße, Steingasse und den Rathausplatz bis zum Drei Mohren schlendert, merkt schnell: Sobald die Menschen irgendwo sitzen, werden Masken, bis auf wenige Ausnahmen, in Hosen- und Umhängetaschen verstaut. Ist im Lokal ja auch erlaubt. Aber jeder scheint auch froh zu sein, wenn er den Mund-Nasen-Schutz absetzen kann.

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An den Eisdielen klappt das Schlangestehen recht gut. Niemand rückt jemandem auf die Pelle, die Verkäuferinnen sind hinter Plexiglasscheiben gut geschützt. Masken trägt niemand, auch beim Anstehen nicht. Das gleiche Bild bietet sich an den Essensständen am Moritzplatz.

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Die höchste Maskendichte bietet in diesen Tagen wohl das Klimacamp am Fischmarkt neben dem Rathaus. Die Umweltaktivisten nehmen den Mundschutz offenbar nur zum Essen und Schlafen ab.

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Wenn man schon Maske tragen muss, dann richtig, scheinen sich einige zu denken. Und so wird der Schutz zum Accessoire. Manchen Frauenarm ziert das Teil wie ein Armreif. Andere hängen sich die Maske einfach um den Hals. Sehr selten sieht man jemanden, der sie auch auf der Straße trägt.

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Nochmal ein Ausflug mit der Tram. Zwei Männer verweigern sich diesmal dem Mundschutz total. Der eine: groß, tätowiert, breite Oberarme und gerader Blick. Besser nicht ansprechen. Der andere: klein, rund, fährt sich mit der Hand durchs Gesicht, die Maske hängt als drittes Kinn um seinen Hals. Die Maske setzt er erst auf, nachdem böse Blicke der Umstehenden nicht mehr zu ignorieren sind.

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Streift man durch die Geschäfte, sieht man immer wieder Kunden, die die Maske nicht so ganz richtig tragen. Manche bedecken ihre Nase nicht, eine ältere Dame, die „nur mal schnell“ ein Buch zurückgeben will, verzichtet ganz auf den Schutz. Abstände einzuhalten fällt in vielen Geschäften sehr leicht – weil sie groß sind und der Kundenandrang recht verhalten.

Ohne Maske in Geschäfte - nicht alle halten sich an Corona-Regeln

Auch achten Kunden aufeinander, manche schlagen regelrecht Bögen um andere. Aber auch hier gibt es sie: die in den Nacken-Atmer und die Direkt-Neben-Einem-Ansteher.

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Vor einer Drogeriemarkt-Filiale steht ein Mann, mundschutzlos, schaut kurz hinein, schüttelt den Kopf und geht wieder. Maske vergessen oder Unmut über die Regeln, die Corona diktiert?

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Klar, diesen Unmut gibt es. In der Sparkassenfiliale am Rathausplatz überwacht seit einiger Zeit ein Sicherheitsdienst die Einhaltung der Regeln. Kunden, die keine Maske tragen, lässt er nicht hinein, doch jedes Mal entschuldigt er sich fast: „Ich kann auch nichts dafür, ich darf sie halt nicht reinlassen.“ Eine ältere Dame versteht ihn, mag die Maske aber trotzdem nicht aufsetzen. „Dann gehst du halt allein rein“, sagt sie zu ihrem Mann, und wartet draußen. Maskenlos.

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Am Abend sind die Innenräume von Cafés und Restaurants gut gefüllt. Je nach Größe des Ladens erlauben auch die Corona-Regeln eine stattliche Anzahl an Gästen. Manchmal ist zu beobachten wie jemand vom Tisch aufsteht und nach den ersten Schritten umdreht. Mundschutz vergessen. Alle Lokale achten darauf. Sie haben die Tische weiter auseinander gestellt oder einige ganz abgebaut. Die meisten Wirte sind froh, dass sie überhaupt wieder öffnen dürfen.

Alle Informationen zum Coronavirus in Augsburg finden Sie in unserem Live-Blog.

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