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Augsburg

28.08.2020

Corona-Krise führt viele Patienten mit psychischen Problemen ins BKH

Im Bezirkskrankenhaus Augsburg werden seit Monaten viele Patienten behandelt, die aufgrund der Corona-Krise psychische Probleme haben.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Plus Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie greifen die Psyche an. Am BKH in Augsburg werden seelische Leiden behandelt. So ist dort die Lage.

Es gibt Krankenhäuser, gerade Fachkliniken, die seit Beginn der Corona-Krise deutlich weniger Patienten verzeichnen als üblich. Viele von ihnen haben sogar Kurzarbeit angemeldet. Etwa, weil aufschiebbare Therapien abgesagt wurden, um die Behandlung von Menschen sicherzustellen, die sich mit dem Virus infiziert haben – oder weil Patienten aus Angst vor dem Virus nicht mehr zum Arzt gingen. Im Augsburger Bezirkskrankenhaus, wo Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt werden, war und ist die Lage eine andere.

Die Zahl der Patienten in den vergangenen Monaten, sagt der Ärztliche Direktor Alkomiet Hasan, sei jedenfalls nicht niedriger als in den vergangenen Jahren. Kurzarbeit hat die Klinik nicht angemeldet, dazu gäbe es auch keinen Grund. Nachdem die strikten Einschränkungen zu Beginn der Krise im Frühjahr von der Staatsregierung abgeschwächt und etwa die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben wurden, habe man etwa einen "deutlichen Anstieg an Akutaufnahmen" gesehen, sagt der Mediziner, der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist. Hasan hatte bereits im März gegenüber unserer Redaktion prognostiziert, dass die damaligen eher niedrigen Patientenzahlen nur eine Momentaufnahme seien und deutlich steigen würden. Hasan sagte damals, er halte die Maßnahmen des Freistaates aus medizinischer Sicht angesichts der Situation für richtig, aber es sei natürlich eine Extremsituation, die gerade Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen in eine psychische Ausnahmesituation bringen könne.

BKH Augsburg: Corona wirkt sich auf die Psyche vieler Menschen aus

Nach Auskunft des Mediziners waren in den vergangenen Monaten viele Patienten im BKH, die sich zuvor nie wegen psychischer Probleme in Behandlung begeben hatten, nun aber Angststörungen, Depressionen oder andere Erkrankungen entwickelten. Es habe aber auch eine Welle von Patienten gegeben, die schon länger unter psychischen Erkrankungen litten und aufgrund der Corona-Krise erheblich belastet gewesen seien. Corona betreffe als Faktor "einen Großteil unserer Patienten, die akut kommen", sagt Hasan.

Größter Faktor sei die Einsamkeit und die Isolation gewesen. Bei einigen Patienten spiele aber auch ein durch die Corona-Krise hervorgerufener Arbeitsplatzverlust eine große Rolle. Aktuell würden viele Patienten mit einer Suchterkrankung kommen. Hilfsmodelle und Aufenthaltsangebote für Süchtige in der Region waren teils deutlich eingeschränkt. Nach Auskunft von Experten der Drogenhilfe Schwaben war es für Drogenabhängige teils auch komplizierter, eine Substitution zu bekommen, also eine Behandlung mit Drogenersatzstoffe.

Während der Corona-Krise ist die Zahl der psychischen Erkrankungen gestiegen

Wie die Krankenkasse KKH zuletzt mitteilte, sei die Zahl der psychischen Erkrankungen unter ihren Versicherten während der Corona-Krise deutlich gestiegen. Demnach habe die Versicherung im ersten Halbjahr 2020 rund 26.700 Krankmeldungen wegen seelischer Leiden unter ihren etwa 1,7 Millionen Versicherten verzeichnet, ein Plus von rund 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es sei "denkbar, dass viele Menschen aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit, der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen nicht zurechtkamen und deshalb bereits während der Pandemie einen Arzt aufsuchten", teilte die Krankenkasse mit. Die Krankenkasse DAK vermeldet für das erste Halbjahr 2020 zwar deutschlandweit einen insgesamt stabilen Krankenstand, bei psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, habe es aber einen Anstieg von sieben Prozent gegeben.

Einen drastischen Anstieg der Patientenzahlen im Vergleich zu Vorjahren kann man beim Bezirkskrankenhaus nicht feststellen, die Gesamtbewegung sei ähnlich wie immer, heißt es. Im Bezirkskrankenhaus werden im Normalfall bis zu maximal 350 Patienten stationär versorgt, aktuell sind es trotz Sommerferien nur etwas weniger, um die 335. Ob es in der Region durch die Corona-Krise deutlich mehr Menschen psychisch erkrankt seien, könne man noch nicht seriös feststellen, sagt Alkomiet Hasan. Zumal die Krise ja noch andauere. Es lasse sich erst nach einem längeren Zeitraum sagen. Größere Krisen und Akutereignisse führten aber tendenziell immer zu einem Anstieg psychischer Erkrankungen.

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