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Augsburg

12.01.2021

Corona: Studenten der Hochschule sind empört über Präsenzprüfungen

Trotz strenger Corona-Kontaktbeschränkungen sollen Studenten ihre schriftlichen Prüfungen weiter in Präsenz schreiben. (Symbolbild)
Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Plus Obwohl der Freistaat den Lockdown verschärft hat, sollen Studierende für die schriftlichen Prüfungen in der Hochschule Augsburg zusammenkommen. Das sorgt bei vielen Betroffenen für Ärger und Ängste.

An der Hochschule Augsburg sind viele Studenten stocksauer. Obwohl der Freistaat die Corona-Kontaktregeln gerade bis Ende Januar weiter verschärft hat, sollen die 6700 Studierenden ab kommender Woche auf dem Campus zusammenkommen, um dort ihre schriftlichen Prüfungen abzulegen. "Das hat wahnsinnig viele bei uns aufgeregt", beschreibt Maschinenbaustudent Jonas Holm die Stimmung. Der Unmut ist so groß, dass die Hochschulleitung nun Zugeständnisse macht.

Die Prüfungen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (früher Fachhochschule) laufen vom 18. Januar bis zum 5. Februar. Es werden zusätzlich zwei Messezelte aufgebaut, damit die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können. Diese Zelte kamen bereits im Sommersemester zum Einsatz. Viele Studenten waren mit der Lösung damals sehr zufrieden. Sie fühlten sich trotz Corona in den traditionellen Präsenzprüfungen wohler als bei Onlineprüfungen. Mittlerweile hat sich die Stimmung offenkundig komplett gedreht.

Viele Studenten denken über Corona jetzt anders

"Bei den Meinungen über Corona hat sich viel getan", sagt Maschinenbaustudent Jonas Holm. Mehr junge Leute haben Bedenken, dass sie sich mit Covid-19 anstecken könnten. Holm sagt: "Allein in meinem Bekanntenkreis hat es drei Leute heftig erwischt." Deshalb werden die geplanten Präsenzprüfungen an der Hochschule von vielen Studierenden inzwischen als problematisch angesehen.

Räume, in denen bis zu 150 Menschen zusammenkommen, seien ein "komplett unangemessenes Prüfungsumfeld", schreibt ein Betroffener. Andere glauben, dass Prüfungen mit Corona-Maske sehr unangenehm werden könnten, insbesondere für Brillenträger. Studenten, die sich im mittlerweile zweiten Onlinesemester bei ihren Eltern außerhalb von Augsburg aufhalten, fragen sich, ob man aus einem Corona-Hotspot überhaupt nach Augsburg anreisen darf.

Aus Ärger bildet sich Studentenbewegung 2021

Sehr viele Betroffene ärgern sich vor allem, dass sie sehr kurzfristig über die aktuellen Prüfungsregeln informiert worden seien – nämlich am vergangenen Donnerstag. Danach war die Stimmung derartig geladen, dass sich spontan die "Augsburger Studentenbewegung 2021" an der Hochschule gründete, die an die Öffentlichkeit ging. Sie beanstandet vor allem eine aus ihrer Sicht schlechte Vorbereitung der Hochschulleitung auf die Prüfungsphase.

Was sagt die Hochschulleitung zur Kritik? Wird bei den Prüfungen nachgesteuert? "Wir haben die Bedenken, die bei uns eingingen, sehr ernst genommen und haben alle Schreiben bisher persönlich beantwortet", sagt Professor László Kovács, Vizepräsident für Studium und Lehre. Von der studentischen Vertretung sei am Freitagabend kurzfristig eine Videokonferenz organisiert worden, an der 220 Studierende teilnahmen. Das Präsidium habe früher informiert als noch zum Jahresende angekündigt.

Kovács verweist darauf, dass Präsenzprüfungen auch jetzt noch unter strengen Auflagen durch das Wissenschaftsministerium erlaubt seien. "Wie alle anderen bayerischen Hochschulen werden wir deshalb Präsenzprüfungen anbieten." In Augsburg werde man jedoch mehr tun, als nur die Vorschriften zu erfüllen.


An der Hochschule Augsburg liefen die Massenprüfungen schon im Sommer in Zelten. Jetzt werden die Zelte wieder aufgebaut.
Bild: Jan-Luc Treumann (Archivfoto)

In den beiden Prüfungszelten auf dem Campus am Roten Tor können nach seinen Angaben mehr als die üblichen eineinhalb Meter Abstand zu Personen eingehalten werden. Der Abstand zwischen den Prüflingen soll im Vergleich zum vergangenen Sommer noch mehr vergrößert werden: Statt 100 bis 150 Studenten, je nach Zelt, sollen es jetzt maximal 80 bis 90 gleichzeitig sein. Die Zelte werden auf Zimmertemperatur beheizt. Nach der Prüfung werden die Arbeitsflächen desinfiziert und die Zelte gelüftet. Zusätzlich sollen die Studierenden während der Klausur eine FFP2-Maske tragen.

Hochschule Augsburg will weitere Räume anmieten


Um die Teilnehmerzahl bei Prüfungen zusätzlich zu entzerren, hat die Hochschule jetzt kurzfristig im Glaspalast eine weitere große Fläche angemietet. Die Anmietung weiterer Räume stehe zur Diskussion, so der Vizepräsident. Für Studierende, die einer Risikogruppe angehören, sollen individuelle Lösungen angeboten werden. Sie können zeitgleich ihre Klausur in einem gesonderten Raum schreiben.

Der Vizepräsident nennt auch noch weitere wichtige Corona-Regelungen: So sei die Teilnahme an den Prüfungen freiwillig. Studierende könnten sie ohne Nachteile auf ein späteres Semester verlegen. Dafür hätten der Gesetzgeber und die Prüfungskommission der Hochschule die Wege geebnet. Es liege jedoch im Ermessen der Studierenden, ob sie im kommenden Semester den Mehraufwand an Klausuren leisten können.


Warum hat die Hochschule die Prüfungen nicht bis nach dem Lockdown verschoben? Kovács sagt, man wolle Studierenden fristgerechte Noten ermöglichen, um das Studium planbar zu machen – etwa wenn es um Auslandsaufenthalte, Praktika oder Nebenjobs geht.

So läuft es an der Universität Augsburg

Präsenzprüfungen sind allerdings nicht mehr die einzige Option. In Bayern hat das Wissenschaftsministerium an Hochschulen und Universitäten inzwischen Onlineprüfungen zugelassen. An der Hochschule Augsburg entwickelt man dafür gerade neue Formate. Die schriftlichen Prüfungen sollen in diesem Semester jedoch noch zu 80 Prozent in Präsenz laufen. Etliche Professoren haben Sorge vor Schummeleien im Internet, andere vor technischen Problemen. Der Vizepräsident sagt auch, dass Onlineklausuren nur auf freiwilliger Basis angeboten werden dürfen. Studierende, die das nicht wollen, müssen termingleich die Möglichkeit bekommen, die Prüfung in Präsenz zu schreiben.

An der Uni Augsburg mit knapp 20.000 Studierenden startet die heiße Prüfungsphase erst später, wenn der aktuelle Lockdown eigentlich vorbei sein sollte. Pressesprecherin Manuela Rutsatz erklärt, wie es dort laufen soll. Der Hauptzeitraum für die Klausuren beginne Mitte Februar. "Wir werden unsere entsprechenden Hygienekonzepte, die im Sommersemester sehr erfolgreich waren, vor dem Hintergrund der jeweils aktuellen Infektionszahlen regelmäßig prüfen und gegebenenfalls anpassen." An der Uni geht man davon aus, dass rund 95 Prozent der Prüfungen in Präsenz stattfinden werden.

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