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Augsburg

20.03.2020

Coronavirus-Kontrollen: Polizei stößt nicht immer auf Verständnis

Kontrolle in der Wertachstraße: Die Polizei ging am Mittwoch von Imbiss zu Imbiss und überprüfte, ob die Corona-Regeln eingehalten werden.
Bild: Daniel Biskup

Plus Die Polizei hat personell aufgestockt und achtet auf Verstöße. Haben die Augsburger den Ernst der Lage wegen der Ausbreitung des Coronavirus begriffen?

In der Jakobervorstadt feierten Jugendliche Mittwochnacht offenbar eine Party. Nachbarn riefen irgendwann die Polizei – auch wegen des Lärms. Wohl aus Rache für den Polizeieinsatz fanden die Hausbewohner Erzählungen zufolge am nächsten Morgen gebrauchte Taschentücher an ihren Wohnungstürgriffen.

Die Behörden finden dies nicht lustig. Die Polizei schreitet nicht nur bei sogenannten „Corona-Partys“ ein. Seit Mittwoch kontrolliert sie auch Spielplätze, Parks und öffentliche Plätze. Die Menschen sollen Abstand halten. Auch Geschäfte, Restaurants und Bars werden jetzt überprüft. Mit eingebunden ist der städtische Ordnungsdienst. Erste Bilanz: Beamte und Ordnungsdienst haben jede Menge Arbeit und mitunter auch Ärger mit Personen, die kontrolliert werden. (siehe auch: Coronavirus: So arbeitet der Krisenstab in Augsburg)

Der Augsburger Rathausplatz ist in diesen Tagen verwaist - meistens.
Bild: Silvio Wyszengrad

Vor allem junge Leute treffen sich an Ufern von Wertach und Lech oder sitzen in Gruppen auf dem Rathausplatz beisammen. Solche Zusammenkünfte sind seit Mittwoch untersagt, weil der Katastrophenfall in Bayern gilt. Der Freistaat hat die Regelung angeordnet. Die Einschränkungen im Alltag aufgrund der Corona-Pandemie sind massiv. Gastronomien dürfen nur bis 15 Uhr geöffnet haben, danach können sie Speisen lediglich zur Mitnahme anbieten. Geschäfte, die nicht zur lebensnotwendigen Versorgung gezählt werden, mussten schließen.

40 Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes sowie Polizisten vom Wach- und Streifendienst, der aufgestockt wurde, kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben. „Die Gefahrenabwehr steht im Mittelpunkt“, unterstreicht Polizeisprecher Michael Jakob. Die Beamten, die durch Innenstadt und Stadtteile ziehen, werden von der bayerischen Bereitschaftspolizei unterstützt. Wie etwa am Mittwoch in Oberhausen.

Augsburg: Polizisten gehen von Imbiss zu Imbiss

Nach 16 Uhr gehen uniformierte Einsatzkräfte dort von Imbiss zu Imbiss. Sie überprüfen, ob sich noch Gäste in den Lokalen aufhalten. Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Schwaben Nord wurden bislang über 1900 Objekte und Freiflächen kontrolliert. Nach Angaben der Polizei waren in knapp 300 Fällen gewerbliche Betriebe entgegen der Verfügung geöffnet oder es hielten sich Menschen in den Grünanlagen auf. Polizei und Ordnungsdienst betonen, dass man anfangs die Menschen vor allem auf die nun geltenden Anordnungen sensibilisieren wolle. „Wir gehen dabei mit Augenmaß vor und pochen auf Einsicht“, betonte Polizei-Vizepräsident Markus Trebes am Donnerstag.

Gebe es tatsächlich eklatante Vergehen nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG), wäre dies laut Polizeisprecher Michael Jakob eine Straftat, die dann bei der Staatsanwaltschaft lande. Die Polizei stellt auf ihren Rundgängen bislang fest, dass viele Menschen noch nicht ausreichend über die aktuelle Situation informiert sind. „Sie zeigen sich in vielen aufklärenden Gesprächen einsichtig.“

Eigentlich sind Spielplätze derzeit auch gesperrt. Nicht alle Eltern halten sich mit ihren Kindern daran.
Bild: Gunter Oley


Augsburg: Beamte sprechen Eltern auf Spielplätzen an

Beamte müssen auch immer wieder auf Spielplätzen Eltern ansprechen, die sich dort nach wie vor mit ihren Kindern aufhalten. Manchmal stoßen die Einsatzkräfte auf Unverständnis. Wie etwa im Fall einer Augsburger Bäckerei. Hier musste die Polizei gegen zwei Gäste Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten. Die beiden 24- und 34-Jährigen saßen weiterhin im bewirteten Außenbereich, obwohl der Betrieb um 15 Uhr eingestellt worden war. Wie die Polizei berichtet, weigerten sich die Café-Gäste allerdings zu gehen. „Sie zeigten sich völlig uneinsichtig.“ Neben einer Strafanzeige erhielten sie vom Betreiber zusätzlich Hausverbot. Die Behörden machen ernst.

Oberbürgermeister Kurt Gribl sagte am Donnerstag, „dass wir mit den Kontrollen nicht überall sein können“. Insofern appelliere er noch einmal, dass sich auch junge Menschen an die Vorgaben halten müssen, jetzt keine große Versammlungen zu organisieren.

Ein Bier in der Sonne auf dem Rathausplatz

Martina Koch und Tim Köhler sitzen am Donnerstagnachmittag mit einem Bier auf dem Rathausplatz in der Sonne. Sie sehen das zwiegespalten. Was das Treffen junger Menschen untereinander angeht, sagt der 30-jährige Köhler, sei er hin- und hergerissen. „Wenn es tatsächlich junge, gesunde Leute sind, kann jeder tun und lassen, wie er will – solange sie nicht in Kontakt mit Risikogruppen treten“, sagt er schließlich. Seine Bekannte sieht das ähnlich. Sie treffe sich weiterhin mit einzelnen Freunden. "Aber ich besuche derzeit nicht meinen Vater, da er schon älter und herzkrank ist. Und obwohl er heute Geburtstag hat, gehe ich nicht zu ihm."

Haben die Augsburger den Ernst der Lage wegen der Ausbreitung des Coronavirus begriffen? OB Kurt Gribl meinte, dass es darauf keine allgemeine Antwort gebe. Die Ordnungsbehörden lassen aber keinen Zweifel daran, dass auf die Umsetzung streng geachtet werde. Im äußersten Fall, das klang am Donnerstag durch, könnte die Stadt selbst eine Ausgangssperre erlassen, wie dies in anderen Städten geschehen ist. „Über eine mögliche Ausgangssperre diskutieren wir im Krisenstab“, so Gribl.

34 Coronavirus-Fälle in Augsburg

Die Rahmenbedingungen seien bekannt: „Dies passiert dann, wenn es eine konzentrierte Entwicklung mit Personen gibt, die mit dem Coronavirus infiziert sind.“ Aktuell sind in Augsburg 34 Covid-19-Fälle bestätigt. Im Uniklinikum Augsburg wurden am Donnerstag acht Corona-Patienten behandelt, drei davon mussten ans Beatmungsgerät.

Eine Ausgangssperre ist laut Gribl auch dann denkbar, wenn wenn Verordnungen überhaupt nicht eingehalten würden: „Wenn keine Einsicht besteht, bleibt nur die Ausgangssperre.“ Von diesem Instrument werde aber sicherlich keiner gerne Gebrauch machen.

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20.03.2020

Was heißt, der Rathausplatz ist verwaist? Die Leute sitzen in Scharen an der Tischen der umliegenden Cafés etc.... Genau das soll ja wohl auch vermieden werden.

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20.03.2020

Webcam Rathausplatz Augsburg. Der Rathausplatz ist verwaist !

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20.03.2020

Herr Peter P. ,

es ist aber in der Tat so , daß gerade die Jugendlichen ,aber auch die Alterklasse bis 55 kaum mehr Respekt "vor staatlichen/behördlichen Anordnungen" haben .

Diese werden mit dem gesamten Register a la "Beamten-Spaßverderber" , "Obrigkeitsstaat", "Blockwartementalität,"Bullenstaat" bis hin zu Nazi-Vorwürfen abgetan und -natürlich-auch nicht befolgt .

Das entsprechende Klientel empfindet es sogar als gezeigte "Heldenhaftigkeit" , "dem Staat zu widerstehen,zu widersprechen" !!!

In der Krise fällt dies jetzt eben sehr auf - war aber schon sehr lange so .

Man darf über die Gründe nachdenken :

Diese gehen bis zu den 68ern zurück - welche ja glaubten , einen vermeintlich und nur eingebildeten "gerechten Kampf gegen den kapitalistischen "Bullen-,Nazi- und Vorschriftsstaat" führen "zu dürfen/müssen" und wurden von unserer linken Gesellschaft , gewissen Medien , SPD und Grünen (den Kommunistrn sowieso) bis zum "Geht-Nicht-Mehr" kultiviert .

Heute findet man das dann eben bei den einschlägigen Gruppen im Fußballstadium ebenso wie bei Partygängern , welche glauben , sich nicht an Alkoholverbote (zB in Augsburg in der Maximilianstraße) halten zu müssen -.

Es geht durch die ganze Geselkschaft und findet ihren letztendlichen Orgasmus bei den Verschwörungs-Gläubigen,Reichsbürgern etc .

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20.03.2020

Ja, lieber Freunde treffen und dafür die ach so große Rücksicht gegenüber dem Vater.

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20.03.2020

Die Heranwachsenden und die U30-Fraktion hat es nicht verstanden. Die Ausgangssperre muß kommen und eine Erweiterung / Umgestaltung der Maßnahmen bei Verstößen.
Viel wirksamer als Bußgelder wären hierzu bei der U30-Partygeneration:
-Smartphone konfiszieren für die Dauer der Ausgangssperre
-Räderkralle am Auto (ihr wisst wen ich meine)
-Ggf. Sozialarbeit im Krankenhaus mit nem Besuch bei beatmeten Patienten

Seit Abschaffung der Wehrpflicht (Zivildienst) hat sich die juvenile Gesellschaft in einigen Teilen noch mehr zur Party-Ellenbogengesellschaft entwickelt.
Empathie, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme sind auch keine Themen die gut zur Musik dieser Generation passt.

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20.03.2020

Leider pauschalisieren Sie zu viel.
Auch Menschen Ü30 oder gar im Rentenalter verhalten sich häufig alles andere als rücksichtsvoll, hamstern wie verrückt und sind - unabhängig von der jetzigen Situation - unfreundlich. Das zieht sich durch alle Altersklassen.
Jegliches Fehlverhalten auf das Alter zu reduzieren ist hier absolut nicht zielführend.
Zudem gibt es keine Bußgelder - wie im Artikel beschrieben ist der Verstoß gegen diese Verfügung eine Straftat.
Ebenso ist das Thema Musik hier fehl am Platze. Meine Großeltern haben sich über die Musik meiner Eltern beschwert, meine Eltern über meine Musik und so weiter und so weiter...Musik ist nun Mal Kunst und Schönheit liegt im Auge (in diesem Fall im Ohr) des Betrachters bzw. Hörers.
Wo Sie Recht haben ist der Punkt, dass viele Leute die Situation noch nicht verstanden haben und den Ernst der Lage verkennen.

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20.03.2020

>> Aber ich besuche derzeit nicht meinen Vater, da er schon älter und herzkrank ist. Und obwohl er heute Geburtstag hat, gehe ich nicht zu ihm. <<

Über 2 bis 3 Meter kann man mit dem ohne eigene Symptome ohne aufgeregt feuchte Aussprache schon reden...

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