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Augsburg

12.03.2020

Coronavirus: Plärrer-Absage trifft Festwirte und Schausteller hart

Volle Zelte wie hier beim Herbstplärrer gibt es an Ostern nun nicht. Mehrere Großveranstaltungen wurden in Augsburg abgesagt.
Bild: D'Arcangelo Valterio

Plus Das Gögginger Frühlingsfest und der Osterplärrer finden wegen des Coronavirus definitiv nicht statt. Für Wirte und Schausteller kommt dies einer Katastrophe gleich.

„Das schaut nicht gut aus“, meint Dieter Held. Der Plärrer-Festwirt, seine Kollegen sowie Schausteller machen nach der Pressekonferenz der Stadt Augsburg einen geknickten Eindruck. Soeben hatte Ordnungsreferent Dirk Wurm bestätigt, dass das Gögginger Frühlingsfest und der Osterplärrer wegen des Coronavirus abgesagt werden. Für die Betroffenen kommt dies einer Katastrophe gleich.

Wirte hoffen noch auf Ersatztermin für Augsburger Osterplärrer

Am Freitag nächster Woche sollte eigentlich das Gögginger Frühlingsfest starten. Das Festzelt von Thomas Kempter, in das 2000 Menschen passen, steht freilich schon längst. Er kann es nun unverrichteter Dinge wieder abbauen. „Wenn nur das ausfällt, wäre es noch zu ertragen. Aber auch noch der Plärrer“, meinte der 31-Jährige ratlos. Beide Veranstaltungen würden knapp 50 Prozent seines Gesamtjahresumsatzes ausmachen, so der Junior-Chef des Binswanger-Zeltes. Noch hoffen er und seine Kollegen aus der Branche, dass ein Ersatztermin für den Osterplärrer gefunden wird.

Doch die Hoffnung der Festwirte, die sich im Anschluss der Pressekonferenz noch mit Ordnungsreferent Dirk Wurm ( SPD) zusammensetzen wollten, ist gering. Schließlich wüsste man auch nicht, wie lange die jetzige Situation anhalte, so der Tenor. Auch Wurm wollte sich während der Pressekonferenz nicht darauf festnageln lassen, ob es einen Ersatztermin für den Plärrer in naher Zukunft gibt. Denkverbote gebe es hier keine, Entscheidungen aber auch noch nicht, sagte er. Die Festwirte und die Schausteller trifft die Vorgabe des Freistaates Bayern, Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern abzusagen, hart.

Angespannte Mienen bei (von links) Schausteller Josef Diebold, Ordnungsreferent Dirk Wurm und den Festwirten Dieter Held und Rainer Kempter.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plärrer-Absage wegen Coronavirus hat für Wirte viele Folgen

Schon jetzt haben sie, wie manche erzählen, viel Geld investiert. Die Festzelt-Betreiber etwa haben längst Verträge mit Bands für Auftritte abgeschlossen. Auch wisse man nicht, wie man mit den Mitarbeitern verfahren soll. Dieter Held etwa, Betreiber des Schaller-Zeltes auf dem Plärrer, hat nach eigenen Angaben viele Festangestellte. Ihn hat das Coronavirus bislang sowieso schon brutal getroffen, erzählt er. Denn Held kümmert sich auch um das Catering an der Augsburger Messe. Auch hier wurden bereits etliche Veranstaltungen gestrichen beziehungsweise verlegt. „Bis zum Herbst brechen mir jetzt alle Einnahmen weg.“

Dirk Wurm äußert sich am Rande der Pressekonferenz zur Plärrer-Absage.
Video: Ina Marks

Umso mehr hat sich der 68-Jährige über einen Ausspruch des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geärgert. „Er sagte, die Mass Starkbier könne man auch noch im Mai trinken. Das ist eine große Frechheit. Denn er denkt überhaupt nicht darüber nach, was für ein Rattenschwanz solche Absagen nach sich ziehen“, empört sich Held. So wisse er momentan etwa gar nicht, wie er mit den gebuchten Bands, die im Schallerzelt aufgetreten wären, umgehen soll. „Es wird wahrscheinlich alles Verhandlung sein, ob man sie trotzdem bezahlen muss. Ich habe noch keine Ahnung. Schließlich gibt es keine Versicherung gegen das Coronavirus.“

Was passiert mit der Augsburger Osterdult?

Laut Held hängen Existenzen an der Plärrer-Absage. Mit solchen und anderen Fragen wird auch Josef Diebold konfrontiert. Seit Tagen schon, so berichtet der Vorsitzende des Schwäbischen Schaustellerverbandes, klingle bei ihm das Telefon. Es sind Anrufe besorgter Kollegen. „Wir überbrücken den Winter mit den Einnahmen aus der jetzigen Saison“, erklärt er. „Wenn jetzt kein Geld reinkommt, dann dreht die Bank am Rad.“ Seit 140 Jahren sei der Plärrer ein eigenständiges Fest. Es habe einen Grund, warum er zwei Mal im Jahr jeweils zwei Wochen stattfinde. Einziger Hoffnungsschimmer wäre für Diebold noch ein Ersatztermin am 24. April nach den Osterferien.

Danach kämen bereits Vatertag und Pfingsten, wo schon wieder anderweitig Volksfeste stattfänden. Dieter Held sagt, man sei auf eine verbindliche Zusage wegen eines Nachholtermins angewiesen, um entsprechend reagieren zu können. „Doch das wird zum jetzigen Zeitpunkt kein Politiker tun können.“ Unklar ist bislang auch noch, ob die Osterdult stattfindet. Hier ist in den nächsten Tagen eine Entscheidung angekündigt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.03.2020

"Danach kämen bereits Vatertag und Pfingsten, wo schon wieder anderweitig Volksfeste stattfänden"

Wenn das ähnlich wie in anderen Ländern verläuft wird bis August gar nix stattfinden.
Und wenn die Leute selber nicht vernünftig damit umgehen wird es immer mehr Einschränkungen geben müssen.

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12.03.2020

>> So wisse er momentan etwa gar nicht, wie er mit den gebuchten Bands, die im Schallerzelt aufgetreten wären, umgehen soll. <<

Schriftliche Verträge sind nicht nur Unterlage für die Maß Bier...

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12.03.2020

"Das ist eine große Frechheit. Denn er denkt überhaupt nicht darüber nach, was für ein Rattenschwanz solche Absagen nach sich ziehen“!
Lieber Herr Held, es ist legitim sich über sein Einkommen Gedanken zu machen. Aber hier geht es um die Gesundheit und auch um das Leben der Menschen bei solchen Veranstaltungen während so einer Krise. Und das muss an erster Stelle stehen.Hier hat Söder recht! Jetzt über ein Verlegung des Osterplärrers nachzudenken ist absurd, da voraussichtlich sich die Lage in den nächsten Wochen/Monate noch verschärfen wird. Man kann nur hoffen, dass der Plärrer im Sommer stattfinden kann.

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