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Augsburger Geschichte

20.06.2019

Dachreiter erinnert noch heute ans Hochablass-Gasthaus

Dieser ersten bunten Postkarte von der 1914 eingeweihten Gaststätte am neuen Hochablasswehr sollten noch viele Grußkarten folgen.
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Dieser ersten bunten Postkarte von der 1914 eingeweihten Gaststätte am neuen Hochablasswehr sollten noch viele Grußkarten folgen.
Bild: Sammlung Häußler

Vor 40 Jahren wurde die Gastwirtschaft beim Hochablass-Wehr abgebrochen. An der Kanu-Slalom-Strecke und am Kuhsee gibt es heute eine Nachfolge-Gastronomie.

Vor 40 Jahren verschwand die große Gaststätte beim Hochablasswehr. Am 24. April 1979 fuhren die Bagger auf, ein paar Tage später war das Abbruchmaterial abgefahren. Jetzt steht ein Wald auf dem Areal der Ausflugsgaststätte. Von ihr nahmen die Augsburger in den 1970er Jahren in Etappen Abschied. Renovierungs- und Modernisierungsbedarf wurde schon ab 1960 angemeldet, doch die Entscheidung zum Investieren oftmals vertagt. Das große Gebäude war zur städtischen Problem-Immobilie geworden.

Gastronomie als Gefahr fürs Trinkwasser?

Um 1970 kam als Alternative zum Sanieren der Abbruch ins Gespräch. Der Grund: Durch den Gastronomiebetrieb könnten die nahen Trinkwasserbrunnen bakteriell verseucht werden. 1973 endete die Dauerbewirtschaftung. An schönen Sommersonntagen fand noch einige Jahre Biergartenbetrieb statt. Heftige Bürgerproteste gegen die Stilllegung und den Abbruch waren vergeblich – der Stadtrat entschied sich zum Abriss.

Das Türmchen vom Dach war beim Abbruch abgenommen und über ein Jahrzehnt in einem städtischen Depot gelagert worden. Bei den Bürgerfesten 1991 und 1994 restaurierten die „historischen“ Handwerker den einstigen Dachreiter in ihren Schauwerkstätten. Es dauerte, ehe er einen offenen Unterbau erhielt und als Pavillon am Zugang zur Wehranlage aufgestellt wurde. Seine Kuppel ist vor Ort das einzige Überbleibsel von der Hochablass-Gaststätte. Bei manchen Ur-Augsburger Senioren weckt dieses Überbleibsel Erinnerungen an die große Gaststätte, darin erlebte Ballnächte und Familienfeste sowie an Terrassenbesuche bei Ausflügen zum Hochablass und an den Kuhsee.

Dachreiter erinnert noch heute ans Hochablass-Gasthaus

Lange Tradition der Hochablass-Gastronomie

Gastronomie am Hochablass hat eine lange Tradition. Anno 1683 erhielt der Ablässer“, der in städtischen Diensten stehende Schleusenwärter, offiziell eine Schankerlaubnis. Er war die höchste städtische Amtsperson am Hochablass. In seiner Verantwortung lag die Schleusung der Flöße in der Wehranlage. Sie konnten durch die Floßgasse entweder auf dem Lech weiterfahren oder durch Schleusen in Kanäle und darauf in die Stadt gelangen. Der „Ablässer“ regelte die Wasserführung und kassierte von den Flößern im Auftrag der Stadt fällige Gebühren.

Neben diesen dienstlichen Aufgaben bekam er 1683 die „Schankgerechtigkeit“. Das heißt: Er durfte Speisen und Getränke verabreichen. 1788 vermerkt ein Stadtführer: „Auf dem hohen Ablaß am Lech sind bey dem Abläßer oder Ballier Erfrischungen zu haben.“ Anno 1827 heißt es: „Unter einer hohen Linde genießt man allda die entzückendste Aussicht dem Lechstrome aufwärts.“ 1828: „Der Ablaß am Lechstrome, ebenso angenehm wegen seiner Lage und den vorbeifahrenden Flößen als merkwürdig wegen dem großen Wasserbau, wodurch von dem Lechstrome Wasser in die abgegrabenen Kanäle geleitet und der Stadt zugebracht wird.“

Eine Beschreibung der Lokalitäten im Jahre 1850: „Auf östlicher und zum Teil auf westlicher Seite der Floßdurchfahrt schließen den Hof des Ablasses freundliche, gegen Wind und Regen schützende Hallen, Lauben, Baumgänge und Gebüsche ein, ferner ein gefälliges Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die nördliche Seite ist der Ökonomieeinrichtung gewidmet; auch findet man daselbst eine in besserem Baustile errichtete Kellnerei.“

Oberschleusenwärter bekam Konzession für Gastwirtschaft

Ab 1. Januar 1870 bestellte die Stadt Michael Scheigele zum Oberschleusenwärter am Hochablass. Zwei Wochen nach Dienstantritt bekam er die „Konzession zum Betrieb einer Wirtschaft mit der Befugnis zum Ausschank von geistigen Getränken und von Kaffee und zur Beherbergung der zufahrenden Flößer“.

Die Bierumsätze musste er der Stadt melden. Die Abrechnungen sind im Stadtarchiv erhalten. Anno 1873 wurden 60537 Maß Bier verkauft, 1876 waren es 76381 Liter. Am 1. Januar 1876 lösten Mark und Pfennig Gulden und Kreuzer ab. Statt acht Kreuzer kostete der Liter Bier nun 23 Pfennig. In den Jahren 1878 und 1879 schnellten die Bierumsätze auf 144000 beziehungsweise 136000 Liter hoch. Pro Tag wurden also 370 bis 400 Maß getrunken. Das ist nicht verwunderlich, denn Anfang 1878 begann in nächster Nähe der Bau des Wasserwerkes. Da waren viele Bauarbeiter im Einsatz. 1898/99 errichtete die Stadt eine neue Wirtschaft „an des Augsburgers allerliebstem Ausflugsort“, wie es in einem Stadtführer heißt.

Dieses Gebäude fiel dem Jahrhunderthochwasser 1910 zum Opfer. Es wurde unterspült und versank in den reißenden Fluten. Eine „gemütlich eingerichtete und vorzüglich bewirtschaftete Bretterbude“ diene als Übergangslösung, war 1912 zu lesen. 1913 wurde der Grundstein für eine großzügige „Restauration“ gelegt; am 11. Juli 1914 fand die Einweihung statt.

1000 Gäste in der Hochablass-Gaststätte

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg überbaute die Stadt die offene Veranda im Obergeschoss, um mehr überdachte Nutzfläche zu schaffen. Der Grund: Die Hochablass-Gaststätte beherbergte von Juli 1946 bis Frühjahr 1949 die städtische Kunstschule. Danach stand sie wieder ganz als Bier-, Kaffee- und Brotzeitoase, Faschingshochburg und Feierstätte für alle Gelegenheiten zur Verfügung. Über 1000 Gäste füllten bei Bällen die Räume, mehrere Kapellen spielten zum Tanz auf. Solche Nächte blieben manchen aus der heutigen Seniorengeneration in Erinnerung.

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