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Medizin 

22.01.2013

Damit schwerkranke Kinder zu Hause sterben dürfen

Prof. Frühwald von der Kinderklinik Augsburg stellt das Konzept für die Palliativversorgung schwerstkranker Kinder in ihrem Zuhause vor.
Bild: Alexander Kaya

Kassen finanzieren ambulante Palliativversorgung für Kinder. Diese haben Bunter Kreis und Klinikum Augsburg eingerichtet.

 Manchmal bleiben den Familien nur noch wenige Tage, manchmal zieht sich das Leiden Jahre hin: In Bayern wird bei etwa 500 Kindern pro Jahr eine unheilbare Krankheit oder eine tödliche Fehlbildung diagnostiziert. In Schwaben dürfte es etwa 60 bis 70 Fälle pro Jahr geben, schätzt Professor Michael Frühwald, Chefarzt der Kinderklinik I am Augsburger Klinikum. In mehr als einem Drittel der Fälle sind es Neugeborene, die in den ersten vier Wochen ihres kurzen Lebens sterben.

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Für die betroffenen Familien ist nach der Diagnose jeder Moment kostbar. In der Regel werden die Kinder palliativmedizinisch betreut, sie bekommen Schmerzmittel und Behandlungen, die ihr Leiden lindern. Bislang war das meist nur stationär möglich. „Die Familien wollen ihre Kinder aber bei sich haben“, weiß Frühwald, „sie wollen, dass sie zu Hause sterben dürfen.“ Seit diesem Jahr gibt es in der Region ein von den gesetzlichen Krankenkassen finanziertes Angebot, das das ermöglicht. Am Klinikum wurde in Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein „Bunter Kreis“ eine ambulante Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Bislang gab es das nur in München, Erlangen und Nürnberg. Neben Augsburg hat auch Amberg zum Jahresbeginn ein solches Palliativteam bekommen.

Von Augsburg aus werden derzeit acht kleine Patienten in ganz Schwaben und im angrenzenden Oberbayern ambulant betreut. Sie können in dieser Zeit zu Hause bei ihren Familien bleiben. Langfristig will man sich laut Frühwald um bis zu 25 Kinder und Jugendliche kümmern. Geleitet wird das Team, bestehend aus Pflegekräften und sechs Medizinern, von Dorothe Carrle. Stützpunkte gibt es auch in Memmingen, Kempten und Ingolstadt.

Der Augsburger Chefarzt Frühwald ist froh, dass die ambulante Versorgung der todkranken Kinder in Schwaben nun endlich auf eine professionelle Basis gestellt wurde. Bislang hatten Ärzte und Pfleger mithilfe von Spendengeldern die Versorgung ehrenamtlich organisiert – oft nach Dienstschluss in ihrer Freizeit.

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