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Theater

14.01.2019

Das Augsburger Gaswerk im Check: Wie gut ist die neue Brechtbühne?

Im Gaswerk hat die neue Brechtbühne eröffnet. Wie kommt sie bei Besuchern an?
Bild: AZ

Plus Im Gaswerk hat die neue Brechtbühne eröffnet. Wie kommt sie bei Besuchern an, was sagen sie zu Catering, Akustik, Erreichbarkeit und anderen Kategorien?

Die neue Brechtbühne im Gaswerk ist seit Freitag offiziell eröffnet. Neben dem Martinipark im Augsburger Textilviertel gilt sie als zweite große Übergangsspielstätte des Staatstheater. Mindestens bis 2024 werden die Sparten Musiktheater, Ballett und Schauspiel an diesen beiden Standorten zuhause sein. Erst wenn das Große Haus saniert und dahinter ein Neubau entstanden ist, ziehen die 380 Mitarbeiter des Kulturhauses zurück an ihren angestammten Standort in der Augsburger Innenstadt.

Bei der Premiere von "Europe Central" am Samstag sprachen wir mit Besuchern über die neue Spielstätte im Gaswerk. Sie beurteilten für uns fünf Kategorien. Auch die Redaktion gibt am Ende dieses Artikels ihre Einschätzung.

Das sagt Thomas Weckback, 62, Anwalt und leidenschaftlicher Theatergänger:

Thomas Weckbach aus Augsburg sagt: "Das Haus ist wunderbar geworden."
Bild: Michael Hochgemuth


Sicht und Akustik:
Das Haus ist wunderbar geworden. Ein sehr ansprechendes Ambiente. Hier hört man sogar gut, wenn man auf einem Außenplatz weit hinten sitzt. Es ist viel zu sehen, durch die große Steigung der einzelnen Reihen gibt es keinerlei Sichtprobleme.

Erreichbarkeit: Meine Familie lebt in Hochzoll, wir fahren neun Kilometer. Aber das Parkhaus ist perfekt. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es noch schwierig, herzukommen. Aber das dürfte sich dann irgendwann auch noch ändern.

Catering: Einfach gut. Ich bin jetzt zum zweiten Mal da und kann überhaupt nichts bemängeln. Das Angebot ist groß, das Personal sehr freundlich, die Einrichtung ansprechend. Die Location könnte für die Stadt eine ganz besondere an einem besonderen Ort werden.

Umfeld: Ein interessantes Viertel, das noch etwas im Dornröschenschlaf liegt. Ein Areal mit Baustellencharme, aber mit großem Potenzial. Die Zukunft hier dürfte richtig spannend werden.

Gesamteindruck: Das Ofenhaus hat eine beeindruckende Architektur mit hohen Decken. Das passt sehr gut als Theater. Im Moment ist das Wetter noch nicht so gut, aber spätestens im Frühjahr wird sich dieses Ensemble für die Bürger dieser Stadt „entfalten“.

Das sagt Ursula Schmid, 57, Theater-Abonnentin und von Beruf Seelsorgerin in einem Palliativteam für Kinder und Jugendliche:

Ursula Schmid aus Augsburg sagt: "Mir gefällt die Positionierung der beiden Theken gut. Die Sitzplätze unten wirken fast wie Lichtinseln."
Bild: Michael Hochgemuth


Sicht und Akustik:
Die Sicht ist ganz gut, das hat mich an die alte Brechtbühne erinnert. Allerdings war die Akustik durch den Gebrauch des Kopfhörers in der ersten Premiere gewöhnungsbedürftig. Ich habe den Eindruck, dass es eine sehr exakte Akustik ist, in der jedes Geräusch zu hören ist.

Erreichbarkeit: Für uns – wir wohnen in Kriegshaber – ist die neue Brechtbühne fußläufig erreichbar. Durch das große Parkhaus müsste die Anfahrt aber auch für andere Besucher kein Problem darstellen. Mühsam kann es allerdings für ältere Menschen werden, die nicht mehr selbst mit dem Auto fahren und mit dem öffentlichen Nahverkehr kommen.

Catering: Das Personal war sehr freundlich und aufmerksam. Mir gefällt die Positionierung der beiden Theken gut. Die Sitzplätze unten wirken fast wie Lichtinseln. Das ist ein Riesenunterschied zur alten Brechtbühne. Und ganz ehrlich: Mir gefällt die Anordnung der Theken hier auch besser als im Martinipark.

Umfeld: Dieses alte Industrieareal finde ich klasse. Schon allein, wie die Fenster im Foyer einen Blick nach außen ermöglichen. Mich erinnert das Gelände zum Beispiel stark an Leipzigs Baumwollspinnerei. Ich wünsche mir, dass jetzt an diesen Ort auch mehr Studenten kommen, die dann das Theater für sich entdecken.

Gesamteindruck: Mein Fazit: Die neue Brechtbühne auf dem Gaswerkareal wirkt auf mich sehr einladend. Sie weckt vor allem auch Neugierde auf das Kommende. Das ist eine Bühne, zu der wir in Zukunft sicher gerne kommen werden.

Das sagt Kristian Fürst, 36, sporadischer Theatergänger:

Kristian Fürst sagt: "Die Sicht in der neuen Brechtbühne ist super."
Bild: Michael Hochgemuth


Sicht und Akustik:
Die Sicht in der neuen Brechtbühne ist super. Wir saßen in Reihe 9. Anfangs haben wir uns sogar überlegt, Karten in der letzten Reihe zu kaufen. Selbst von dort hätte man aber gut gesehen. In der Premiere von „Europe Central“ war die Akustik speziell, aber das lag sicher auch an dem Kopfhörer, der zusätzlich verwendet wurde.

Erreichbarkeit: Ich wohne in Pfersee. Erst wollten wir mit dem Bus und Shuttle-Service kommen, dann haben wir doch das Auto genommen. Wir wurden gut geführt. Das nächste Mal wird dann der Bus benutzt.

Catering: Ich fand es super bei der Eröffnung, dass auch etwas als Geschenk zum Essen angeboten worden ist. Der Service war sehr gut, zum Trinken haben wir immer alles schnell bekommen. Von den Räumlichkeiten finde ich auch die Galerie im ersten Stock interessant.

Umfeld: Es ist spannend, dass ein Theater aus dem Stadtzentrum herausgeholt wird. Man hat ja schon fast das Gefühl, dass das Gaswerk-Areal auf der grünen Wiese liegt, weil es drum herum so wenig anderes gibt. Ich finde es gut, dass in dem alten Industrieareal jetzt etwas Neues gemacht wird, dass es also recycelt wird. Das tut der Stadt Augsburg gut.

Gesamteindruck: Mein erster Eindruck fällt positiv aus. Das ist ein Ort, der Platz für spannende Veranstaltungen schafft. Alles wirkt sehr modern, das ist gerade in Augsburg mit seiner langen Historie, die ja immer wieder im Vordergrund steht, ein gutes Gegengewicht.

Das sagt Gertrud Bauer, 62, Augenoptikerin und regelmäßige Theaterbesucherin:

Gertrud Bauer aus Neusäß sagt: "Kurz und gut: Es gibt viel zu entdecken, nicht nur im Ofenhaus."
Bild: Michael Hochgemuth

Sicht und Akustik: Ich saß in der ersten Reihe. Mit dem Kopfhörer habe ich alles gut gehört, auch die leisesten Töne. Ich habe auch alles gut gesehen. Ein lebendiger Abend, der nachwirken wird.

Erreichbarkeit: Ich komme mit dem Auto, mit dem Parkhaus auf dem Gelände geht das sehr gut. Es ist beleuchtet, den Eingang findet man gut. Auch die Fackeln zum Start waren schön und das Parkhaus ist hell, da kann ich auch als Frau beruhigt hineinfahren. Und der Tarif mit drei Euro für den Theaterabend ist angemessen.

Catering: Ich habe eine Kartoffelsuppe gratis bekommen, die war lecker. Alles sah gut aus, das Personal hinter der Theke war sehr freundlich. Der Loungebereich ist gut gemacht, wie eine Insel, wo kein Durchlaufverkehr ist. Es ist angenehm zu sitzen.

Umfeld: Ich war sehr gespannt, wie die alte Brechtbühne sich verändert. Vom Haus her ist es zwar ein großer Raum, der aber gut aufgeteilt wurde. Das übrige Gelände lag in tiefstem Dunkel und ich freue mich auf den Sommer, wenn man mehr von diesem Areal sehen kann. Es hat derzeit keinen Sinn, im Schnee auf die Pirsch zu gehen.

Gesamteindruck: Es ist ein Haus, in das ich gerne wieder gehe und es ist gut, dass die Mitarbeiter endlich Räume mit Fenstern haben und eine anständige Heizung. Kurz und gut: Es gibt viel zu entdecken, nicht nur im Ofenhaus.

Das sagt Hans Marquart, 72, seit Kurzem Augsburger und Theaterfan:

Hans Marquart aus Augsburg sagt: "Das Gebäude ist wirklich beeindruckend, die Macher haben sich viel einfallen lassen."
Bild: Michael Hochgemuth

Sicht und Akustik: Das Gebäude ist wirklich beeindruckend, die Macher haben sich viel einfallen lassen. Ich habe mich wohlgefühlt – bis auf die Sitze, die sind mir zu weich, ich liebe härtere Bänke. Die Sicht war sehr gut, die Akustik ebenfalls. Nur manchmal war es sehr leise, aber mit den Kopfhörern ging das.

Erreichbarkeit: Wir sind mit dem Auto hergefahren. Hätten wir kein Auto, wären wir mit dem Shuttle gekommen. Aber das Wetter war zu schlecht und wir wollten es bequem. Das Parkhaus ist gut gemacht und der Preis ist auch in Ordnung.

Catering: Das Catering war nett gemacht und aufmerksam, die Leute waren freundlich. Allerdings könnte man vom Parktheater im Kurhaus in Sachen Pausenbewirtung noch was lernen. Dort kann man Getränke und Snacks im Vorfeld bestellen.

Umfeld: Vom Umfeld hat man nichts gesehen, es war ja völlig dunkel. Aber wir waren schon mal im Kesselhaus nebenan. Sobald das Wetter besser ist, werden meine Frau und ich das Gelände mit dem Rad genauestens erkunden.

Gesamteindruck: Der war bei meiner Frau und mir im Großen und Ganzen gut. Ein etwas kürzeres Stück wäre besser gewesen, um sich nach der Vorstellung in der Gastro noch mit anderen Besuchern unterhalten zu können. Das wäre uns lieber gewesen.

Mit der Eröffnung am Freitagabend kann der Spielbetrieb auf der Brechtbühne im Ofenhaus beginnen.
41 Bilder
Die ersten Bilder der neuen Brechtbühne im Ofenhaus
Bild: Michael Hochgemuth

Das sagt die Redaktion der Augsburger Allgemeinen:

Sicht und Akustik: Da ist es wieder, das Brechtbühnen-Feeling: Man sieht sehr gut im Gaswerk, selbst wenn die Vorderleute einen Kopf größer sind, man hört auch gut, wenn man nicht gerade einseitig einen Kopfhörer umgehängt bekommt und noch auf der Suche nach der richtigen Lautstärke ist. Brechtbühnen-Feeling aber auch, wenn der Nachbar einen Sitz weiter unruhig werden sollte. Dann schwingt der eigene Stuhl einfach mit.

Erreichbarkeit: Mit dem Auto ein Kinderspiel, dank des Parkhauses: So nah war noch kein Theaterparkplatz an der Bühne gelegen. Wer mit den Öffentlichen kommt, muss sich gewöhnen: Aus der Innenstadt kommend, muss man am Bärenwirt von der Tram in den Bus umsteigen. Vom Oberhauser Bahnhof fährt ein Shuttle-Bus. Schwierig: Wenn ein Stück so lange ist wie bei der Premiere, wird es um Mitternacht schwer mit den Bus- und Tram-Anschlüssen.

Catering: Noch muss Gastronom Tobias Emminger improvisieren, da seine Küche erst eingebaut wird. Der erste Eindruck bei der Premiere war allerdings gut: Die Servicekräfte sind freundlich und aufmerksam, an der Pause wird man an der Theke schnell bedient. Die Sitzplätze sind hübsch gestaltet – kein Vergleich zur Brechtbühne, die gar keine hatte. Die Theater-Gastronomie könnte ein toller Ort werden – auch für Nicht-Theatergänger.

Umfeld: Das Gaswerk-Areal hat Flair, Charakter und Geschichte. Dass das Gelände nach vielen Jahren Stillstand endlich ein öffentlicher Ort wird, ist ein Gewinn. Drum herum merkt man allerdings, dass die Stadt noch nicht von allen Seiten mit ihrem Leben und ihren Wohnhäusern an dieses Quartier herangezogen ist. Aber auch das hat ja Charme: Eine Industriebrache kann nicht von heute auf morgen zum In-Ort werden.

In knapp anderthalb Jahren ist die neue Brechtbühne auf dem Gaswerk-Areal entstanden. Endlich bekommt das alte Industrieareal in Oberhausen eine neue Nutzung. Selbst im Winter hat das Gelände Charme. Die Videokolumne "Theatergeflüster" haben wir dieses Mal in einer Sonderausgabe direkt in der neuen Spielstätte aufgenommen, am Abend der offiziellen Eröffnung.
Video: Richard Mayr

Gesamteindruck: Bei verbesserungswürdiger Anbindung durch den Bus, bei etwas nüchternem Umfeld zwischen Parkplatz und Parkhaus ist der erste Eindruck beim Betreten: Wow, das irrsinnig hohe, ansprechend eingerichtete Foyer mit seinen top sanierten Fenstern hat (Industrie-)Charme! Die Treppe zur Brechtbühne: etwas schmal. Der Eingang zum Zuschauerraum auch. Das alles aber trübt den Gesamteindruck nicht: Ein toller Ort.

Lesen Sie dazu auch: Umzug abgeschlossen - Wo das Theater künftig für sein Publikum spielt

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