07.05.2013

Das Diadem der Jugend

Münchner Hochschule mit Bachs Hoher Messe in evang. St. Ulrich

Kurzerhand hinweggefegt hat Thomaskantor Johann Sebastian Bach in seiner h-Moll-Messe den kirchlich liturgischen Rahmen, um sein Visier auf Gott höchstpersönlich zu richten. Das erklärt jene erhabene Größe, als wolle er ein allgemeingültiges, Zeiten überdauerndes Monument errichten.

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Diese Dimensionen auszuloten forderte den rassigen Madrigalchor, das präsente Kammerorchester und die taufrischen Solisten der Münchener Musikhochschule voll heraus, die am Sonntag in der evangelischen St.-Ulrichs-Kirche gastierten. Es galt nicht nur den historischen Ansatz zu fokussieren (barocke Instrumente, tiefere Stimmung, Darmbesaitung, spezielle Spieltechnik) – nein, auch die Leitung lag in Händen zweier Diplomprüflinge. Imponderabilien, die sich voller Verve auflösen sollten, zeitigten doch die Missa-Wechsel zwischen Bitte, Bekenntnis und Lobpreisung freskohaften Schwung wie jugendfrische Ausstrahlung.

Funken der Freude schlagen aus dem Gloria

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Den Weg vom Kyrie zum Gloria wies Elisabeth Löffler am Pult voller Anmut in dezenter Körpersprache. In den Mittelpunkt rückten die Stimmen: chorisch ebenso schlank geführt wie leicht und natürlich ansprechend; solistisch ohne Talmi-Glanz und Stimmkosmetik fein wie Diademe aufleuchtend. Weit schritt die fünfstimmige Kyrie-Fuge aus, Licht ins Dunkel brachte das Sopran-Duett „Christe eleison“ von Marie-Sophie Pollack und Ulrike Malotta subtil gestaltet. Zuversicht im abschließendenStile-antico-Satz!

Funken der Freude dagegen schlugen temperamentvoll aus dem Gloria-Satz von Pauken wie kernigen Barocktrompeten überglänzt. Der solistischen Barockvioline fehlte in der Laudamus-Arie jener Schuss „Filigranti“, um die Geigenfiorituren den Sopranfinessen Florence Losseaus’ anzupassen. Das Domine-Deus-Duett berührte tief: Von den Leuchtspuren der Traversflöte umspielt, gingen Maria Pitschs Sopranfiligran und Michael Birgmeiers Tenorhelle kanonisch Hand in Hand. In mystische Dämmerung gerückt die Qui-tollis-Chorfuge, ehe Benedikt Eder und Corno da caccia voll gefordert waren, die diffizile Quoniam-Bass-Arie zu realisieren. Voller Rasanz schäumten nun die vielstimmigen Chorkoloraturen im „Cum sancto spirito“ auf.

Eine mächtige Auferstehungsverheißung

Credo, Sanctus und Agnus Dei riefen Thomas Hefele auf den Plan, der viriler leitete. Harmonische Spannungen beschwor das gottesfürchtige Credo-Bekenntnis. Chorisch schaukelte sich der gregorianische Beginn energievoll im „Patrem omnipotentem“ auf, bevor im Sopran-Alt-Duett „Et in unum Dominum“ Anna Karmasin und Ulrike Malotta in stimmiger Einheit verschmolzen. Bizarr und unerbittlich vollzog sich das „Cruzifixus“, aus dem vehement der Resurrexit-Ruf hervorbrach. In feiner Noblesse gestaltete Ludwig Mittelhammer die Spiritum-sanctum-Bassarie und führte über zur mächtigen Resurrectionem-Verheißung.

Der sechsstimmige Sanctus-Chor wies himmelwärts und kulminierte achtstimmig im „Osanna“, gebrochen vom beeindruckenden Tenor- Benedictus, in dem Sung Min Song nicht mit der Solo-Violine, sondern mit der Travers-Flöte bestens harmonierte. Berührend zeichnete Stefanie Täschners Alt das „Agnus Dei“ fein, der Kreis schloss sich, bekräftigte doch das „Dona nobis“ das „Gratias agimus“. Jubel und Freude in der St.-Ulrichs-Kirche.

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