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Kulturpark West

21.09.2012

„Das Ding könnte sich selbst tragen“

Die drei ehemaligen Kasernengebäude Sommestraße 38, 40 und 50 sind ein kreatives Labor der Stadt geworden. Und sie haben dabei ihren herben, architektonischen Charme nicht verloren.
Bild: Ulrich Wagner

Vor fünf Jahren wurde das Projekt ins Leben gerufen. Genauso lange läuft der Vertrag für das Areal noch. Peter Bommas und Thomas Lindner ziehen Bilanz

Ihr Konzept geht auf. Thomas Lindner und Peter Bommas, die beiden Geschäftsführer des Kulturpark West, blicken zufrieden auf ihr Vorzeigeprojekt. Rund 6000 Quadratmeter Nutzfläche sind vermietet, an Künstler, Bands, private und städtische Initiativen, Bildungs- und Kulturprojekte sowie kleinere Start-ups. Was in anderen Städten von kommunaler Seite in kleinerem Umfang betrieben wird, läuft in Augsburg unter Federführung einer gemeinnützigen GmbH wie von selbst. Die Warteliste für die Räume ist lang. Die kreative Szene Augsburgs hat das Projekt an der Sommestraße angenommen. „Wir hatten von Anfang an Vollauslastung“, sagt Bommas.

Genauso wichtig ist den beiden Geschäftsführern, dass der Kulturpark West solide finanziert ist. Der Kredit über 360000 Euro (für den die Stadt eine Bürgschaft von 248000 Euro übernommen hat) wird 2015 zurückgezahlt sein. Der Betriebskostenzuschuss der Stadt Augsburg, der derzeit noch 40000 Euro beträgt, wird bis 2015 jährlich um 10000 Euro gesenkt. Die Stadt muss dann für den Kulturpark West nicht mehr haften. Und die Mietpreise für die Nutzflächen belaufen sich seit der Gründung trotzdem auf unter sechs Euro für den Quadratmeter.

Die Förderung der kreativen Szene kann kostendeckend betrieben werden. „Das Ding könnte sich selbst tragen“, sagt Lindner. Aber der Nutzungsvertrag für das Gelände ist mit der Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung (AGS) auf zehn Jahre festgelegt und läuft damit 2017 aus. Und wie es nach Ablauf dieser Zeit mit dem Kulturpark West weitergehen wird, steht bislang noch nicht fest.

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Der Impuls ging von der Basis aus

„Anfangs wusste ja niemand, ob das Konzept aufgehen wird“, sagt Bommas. Heute könne man sagen, dass es eine nachhaltige Geschichte sei. Die große Nachfrage nach Räumen führte dazu, dass 2009 mit der Stadt über eine Nutzung der Ballonfabrik verhandelt wurde, die 2010 für zehn Jahre gepachtet wurde und im Frühjahr 2011 eröffnet wurde.

Eine europaweite Fachkonferenz in Essen zum Thema Kreativwirtschaft, zu der auch der Kulturpark West eingeladen wurde, war für Lindner und Bommas dann ein Aha-Erlebnis. Im Vergleich zu ähnlichen europaweiten Projekten gehörte Augsburg zu den größten. Gleichzeitig war es das einzige Projekt, das nicht von oben nach unten entwickelt worden ist. Andernorts sind es die Städte, die Brachflächen für die Kreativwirtschaft erschließen und damit aufwerten wollen. In Augsburg ging der Impuls dazu von der Basis selbst aus, weil ein Bedarf nach solchen Räumen vorhanden war. Der Nachteil dieses Prozesses allerdings sei, dass der Kulturpark bei der Stadtpolitik noch nicht richtig angekommen ist, sagt Bommas.

Nachdem in den Anfangsjahren für die Macher des Kulturparks vor allem im Mittelpunkt stand, das Projekt am Laufen zu halten und die Infrastruktur sicherzustellen, können sie nun auch beginnen, inhaltliche Akzente zu setzen. Allerdings wollen Bommas und Lindner dabei ihren Mietern im Kulturpark nicht irgendwelche Ideen überstülpen. Vielmehr verstehen sie sich als Moderatoren der Szene, die bei ihnen ihre Heimat gefunden hat. „Wir sind die Lobbyisten unserer Klientel und konziliante Kümmerer“, sagt Lindner.

Gemeinsam mit der IHK wird der Kulturpark eine Tagung auf die Wege bringen, bei der Mittelständler auf Kreative treffen können. Kontakte zur Wirtschaft sollen so erleichtert und ermöglicht werden.

Peter Bommas und Thomas Lindner eilen in Gedanken schon in die Zukunft. Der Vertrag für den Kulturpark West läuft 2017 aus. Wenn es nach ihnen ginge, würden sie das Projekt am liebsten in den drei ehemaligen Kasernengebäuden der Sommestraße 38, 40 und 50 fortsetzen. Beide sehen aber auch, dass der Verwertungsdruck auf das Areal wächst. Grundsätzlich könnten sie sich auch einen Umzug zum Beispiel auf das Gelände beim Oberhauser Gaskessel vorstellen. „Bedingung hierbei ist aber, dass der Umfang der Nutzfläche ähnlich groß ist“, sagt Lindner. Für die Synergieeffekte eines Areals benötige man eine größere Menge an Beteiligten.

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