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Prozess in Augsburg

04.04.2008

Das Drogenkind vom Königsplatz heißt Julia und ist erst 13

Bild: Silvio Wyszengrad

Christiane F. aus Berlin wurde das "Mädchen vom Bahnhof Zoo" genannt u Und ihre Lebensgeschichte schockierte im Jahre 1978 ganz Deutschland. Sie war 13 und schon heroinsüchtig. Auch in Augsburg könnte es ein solches Drogenkind geben. Es soll "Julia" heißen, und ihre Mutter schrieb an die Polizei. Von Klaus Utzni

Von Klaus Utzni

Sie wurde das "Mädchen vom Bahnhof Zoo" genannt. Und ihre Lebensgeschichte schockierte im Jahre 1978 ganz Deutschland. Christiane F. aus Berlin war 13 und schon heroinsüchtig.

Auch in Augsburg könnte es ein solches Drogenkind geben. Es soll "Julia" heißen. Ihre Identität konnte bisher zwar nicht geklärt werden, aber es gibt zwei anonyme Briefe an die Polizei, in denen ihre Mutter um Hilfe bittet und den Namen der Drogendealerin nennt, die ihrer Tochter Heroin und Kokain besorgt. Diese Dealerin sitzt nun vor Gericht und hat alles gestanden. Doch "Julia", die Kronzeugin, fehlt.

Der rätselhafte Fall aus dem Drogenmilieu am Königsplatz beginnt am 15. März 2007. An diesem Tag geht bei der Kripo ein anonymer Brief ein, in dem eine "verzweifelte Mutter" um das Leben ihrer 13-jährigen Tochter Julia bangt. Ihr Kind, so schreibt die Frau, werde von einer namentlich genannten Dealerin mit Kokain und Heroin versorgt. Und die drohe, Julia umzubringen, wenn sie nicht ihre Schulden auf dem Strich abarbeite.

Das Drogenkind vom Königsplatz heißt Julia und ist erst 13

Ein zweiter Brief erreicht die Ermittlungsbehörden am 9. Juni 2007. Die angebliche Mutter beklagt sich, dass die Polizei nichts tue. Sie, die Mutter, habe im Kinderzimmer von Julia fünf Gramm Kokain gefunden sowie einen Zettel mit der Anweisung der Dealerin, Julia solle am Augsburger Hauptbahnhof 25 Portionen Koks für 500 Euro verkaufen. Julia, so schreibt die Mutter, mache inzwischen eine Therapie. Den Zettel der Dealerin legte sie ihrem Brief bei.

Drei Tage später wird die heute 36 Jahre alte Dealerin festgenommen - wegen anderer Fälle des Drogenhandels - und im Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilt. Jetzt sitzt die Frau (Verteidigerin: Cornelia McCready) wieder vor Gericht. Diesmal geht es um "Julia". Ja, sagt die Angeklagte, alles, was Staatsanwalt Dr. Andreas Dobler ihr vorgeworfen habe, nämlich in 14 Fällen Heroin und Kokain an eine "Julia" verkauft zu haben, stimme. Sie habe das Mädchen, dessen Alter sie damals allerdings auf "über 18" geschätzt habe, in einem Lokal am Kö kennengelernt.

"Hast du was?", habe es gefragt. "Und ich habe ihr Drogen gegeben. Weil sie später bei mir Schulden hatte, sollte sie Heroin und Kokain für mich verkaufen", belastet sich die Angeklagte selbst.

Dass "Julia" erst 13 war, habe sie erst "ganz am Schluss, kurz vor meiner Verhaftung" erfahren. "Wenn ich gewusst hätte, wie alt sie erst war, hätte ich das nicht getan", beteuert die Dealerin. Und der Zettel mit der Verkaufsanweisung, der jetzt auf dem Richtertisch liegt, ja, der stamme tatsächlich von ihr.

Für das Schöffengericht unter Vorsitz von Roland Fink ist es mit dem Geständnis allein nicht getan. Der Richter diktiert der Angeklagten jetzt den Text, der auf dem Zettel steht. Die Dealerin schreibt. Das Gericht vergleicht. Das Schriftbild stimmt überein.

Doch existiert Julia wirklich? Oder heißt sie anders? Und war sie tatsächlich erst 13? Bei der Fahndung nach dem mysteriösen Drogenkind hat sich die Kripo viel Mühe gemacht. Insgesamt 157 (!) Mädchen namens Julia im Alter von 13 und 14 Jahren aus dem Augsburger Raum und ihre Mütter seien persönlich überprüft worden, berichtet ein Drogenfahnder als Zeuge. Ohne Erfolg. "Wir haben alles versucht, es war alles umsonst", bedauert der Beamte.

Man glaube aber aufgrund der zahlreichen Details in den Briefen, dass die Sache stimmt. "Aber wir können Julia nicht ausfindig machen." Weil Fragen über Fragen bleiben, unterbricht das Gericht den Prozess auf unbestimmte Zeit. Noch einmal wird die Suche nach dem mysteriösen Drogenkind "Julia" aufgenommen.

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