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Augsburger Geschichten

18.07.2018

Das Ende des Königreichs Bayern

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Am 9. November 1918 verkündeten Abendausgaben und Extrablätter Berliner Zeitungen die Abdankung des Kaisers.

Im November 1918 wird der „Freie Volksstaat“ ausgerufen. König Ludwig III. verlässt München. In Augsburg übernimmt ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Trotzdem feierte am 20. Februar 1918 das bayerische Königspaar goldene Hochzeit. Danach bedankte sich König Ludwig III. beim bayerischen Volk, „das in überwältigender Weise Liebe und Treue bekundet“ habe. Er schrieb von „Lasten, die der Vernichtungswille der Gegner heraufbeschworen hat“ und schloss seinen Dank, offenbar völlig der Wirklichkeit entrückt, mit dem langen Satz: „Möge die Sonne des Friedens, deren erste Strahlen im Osten vor wenigen Tagen das immer noch dräuende dunkle Gewölk durchbrochen haben, bald siegreich leuchten über den Völkern, möge sie erwärmen und befruchten, was der Krieg in Reif und Frost geschlagen hat, möge aus Not und Tod neues, dauerndes Leben erstehen zum Heile des deutschen Vaterlandes, zum Segen des teueren Bayernvolkes!“

Mit „erste Strahlen im Osten“ verwies Ludwig III. auf die Verhandlungen mit Russland in Brest-Litowsk, wo am 3. März 1918 ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Dokumente belegen, dass Bayerns König schon Mitte 1916 klar war, Deutschland würde nie als Sieger aus dem Krieg hervorgehen. 1918 war die Lage entschieden prekärer. Wider besseres Wissen behauptete Ludwig III. in dem in allen bayerischen Zeitungen gedruckten Appell vom 28. Juli 1918 „An Meine Bayern!“: „Kein Deutscher denkt an einen schimpflichen Frieden!“ und „Ich weiß Mich eins mit Meinem Volke, daß es König und Vaterland nicht verlassen, daß es durchhalten wird bis zum glücklichen Frieden. Das walte Gott!“

Unter den Soldaten rumorte es gegen die Kriegsführung, den Kaiser und gegen Ludwig III

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Das Volk hungerte, es ersehnte Frieden und unter den Soldaten rumorte es gegen die Kriegsführung, den Kaiser und gegen Ludwig III. Das war dem König bekannt. Offiziell ignorierte er die Vorzeichen für das Ende der Monarchie. Um wenigstens die Staatsbediensteten bei der Stange zu halten, gab es ab März 1918 in Augsburg auf deren Gehälter eine zwanzigprozentige „Kriegssteuerungszulage wegen besonders teurer Lebensverhältnisse“. Am 24. Oktober 1918 wurden die Zulagen in weiteren bayerischen Städten gewährt.

Zwei Wochen später waren König Ludwig III. und seine Minister nicht mehr im Amt: Am 7. November 1918 übernahm in München ein provisorischer „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat“ unter Vorsitz von Kurt Eisner die Macht. Er rief den „Freien Volksstaat Bayern“ aus. „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“ verkündeten am 8. November in München Plakate und Extrablätter. Der König wurde von seiner Absetzung völlig überrascht. Minister drängten ihn zum sofortigen Verlassen Münchens. Am späten Abend des 7. November verließ die königliche Familie in zwei Autos die Residenz. Sie gelangte unbehelligt zum Schloss Wildenwart am Chiemsee.

Der revolutionäre Funke sprang sofort nach Augsburg über. Am Morgen des 8. November streikten Arbeiter der MAN, am Abend strömten Arbeiter und Soldaten zum Ludwigsbau und wählten einen Arbeiter- und Soldatenrat für Augsburg. Vorsitzender wurde der Redakteur der „Schwäbischen Volkszeitung“, Ernst Niekisch. Noch in derselben Nacht traf sich dieser mit der Stadtregierung. Man einigte sich auf eine friedliche Übernahme der Macht durch die Revolutionäre. Oberbürgermeister Georg von Wolfram unterzeichnete die Erklärung. Sie wurde am nächsten Tag in den Augsburger Zeitungen verbreitet. In der ersten Anordnung des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrats heißt es: „Unter keinen Umständen werden Ausschreitungen zugelassen. Gegen Plündernde und Raubende wird mit den schwersten Strafen eingeschritten. Die Sicherheit der Personen und des Eigentums wird verbürgt.“ Der Machtübergang verlief in Augsburg friedlich. Die gesamte städtische Verwaltung blieb im Amt. Sie versuchte, in dem Wirrwarr die Probleme in der Versorgung der Bevölkerung im Griff zu halten.

Am 9. November entsagte der kaiser und König dem Thron

Am Abend des 9. November – es war ein Samstag – kam aus Berlin die telegrafische Nachricht: „Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen.“ Zwei Tage später, am 11. November 1918, endete der Erste Weltkrieg. Deutschland und Bayern waren Republiken. Die „Regierung des Volksstaates Bayern“ unter Ministerpräsident Kurt Eisner hatte das Sagen.

Ihre Erlasse verbreitete die neue bayerische Regierung weiterhin im gewohnten „Gesetz- und Verordnungs-Blatt“. Nur im Titel war „Königreich“ durch „Volksstaat“ ersetzt. Der heute gebräuchliche Name „Freistaat Bayern“ kam erst im Mai 1919 in Gebrauch. Auf Briefmarken ist der Namenswandel vom „Königreich“ zum „Volksstaat“ und einige Monate später zum „Freistaat“ mit Verzögerung zu verfolgen. Der Vorrat an „Königs-Marken“ war so groß, dass man sich zum Überdrucken des Porträts entschloss.

Damit ließ man sich jedoch Zeit: Es dauerte bis 1. März 1919, ehe die erste Serie von Altmarken mit dem Überdruck „Volksstaat Bayern“ an die Postschalter kam. Ab 6. August 1919 gab es Marken mit „Freistaat Bayern“. Am 1. April 1920 verlor Bayern das Postmonopol an das Deutsche Reich. Von diesem Zeitpunkt an gab es keine Bayern-Briefmarken mehr.

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