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Augsburg

23.03.2020

Das Gaswerk in Oberhausen verwandelt sich in ein Museum

Das Gaswerk wird inzwischen auch vom Staatstheater genutzt. Zudem haben Künstler dort ihre Ateliers eingerichtet.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Ein Verein erhält die Geschichte des Oberhauser Gaswerks am Leben. Die Mitglieder haben spannende Gegenstände gesammelt – von Aktenordnern bis hin zu einem U-Boot-Motor.

Im Jahr 2003 erhielt Oliver Frühschütz einen Anruf der damaligen Kultur-Bürgermeisterin Eva Leipprand. Er habe doch einen Schlüssel und kenne sich auf dem Gelände des Alten Gaswerkes an der August-Wessels-Straße in Augsburg-Oberhausen aus. Es bestehe großes Interesse an einer Führung, so Leipprand. 250 Menschen kamen zu dieser ersten inoffiziellen Besichtigung auf das Gelände, das bis dahin für Außenstehende völlig unzugänglich war.

So begann eine neue Ära für das Gaswerk-Areal, aus der Erinnerung von Oliver Frühschütz. Im Jahr 2005 gründete er mit anderen Interessierten den „Verein Gaswerksfreunde Augsburg“. Frühschütz ließ sich bei den Stadtwerken als Elektriker ausbilden und arbeitete dort, wo sich heute das Museum der Gaswerksfreunde befindet, als Betriebselektriker. „1993 habe ich meine Ausbildung begonnen und am 31. März 2001 war ich fast der Letzte, der hier das Licht ausmachte“, sagt Frühschütz.

Oliver Frühschütz (rechts) und Stefan Zaum von den Gaswerksfreunden befinden sich vor einem U-Boot-Motor der MAN, der als Energieversorgungsmaschine im Gaswerk in Betrieb war.
Bild: Bernd Hohlen

„Und der das Licht wieder anmachte“, sagt Stefan Zaum. Er ist der zweite Vorsitzende des Vereins, der in der nahen Zollernstraße aufwuchs und sich schon als Kind für das Gelände, besonders für die Gastanks, begeisterte. Gemeinsam mit 50 anderen Vereinsmitgliedern sammeln die beiden Aktiven Dokumente und Fotos zur Gaswerksgeschichte, veranstalten Führungen und möchten das Gaswerk noch mehr ins öffentliche Interesse rücken. Denn dieses Areal ist reich an Geschichte und Geschichten.

Augsburg: Ein Museum entsteht im Gaswerk

Doch so weit war man damals noch nicht. „Als ich damals fragte, was macht man jetzt mit all den alten Unterlagen, Bauzeichnungen und Fotos zum Gaswerk, war die Antwort: Da kommt ein Container, wir machen das Fenster auf und werfen all den Krempel hinein. Dann gründe ich besser einen Verein,“ dachte sich Frühschütz. Das war der Moment, als das Licht wieder anging, wie Stefan Zaum sagt. „Was der Trupp der ,Ein-Euro-Jobber‘ tagsüber in den Container zum Entsorgen warf, haben wir abends wieder herausgeholt“, sagt Frühschütz. Eine Weitsicht, die sich auszahlte. In dem Museum ist fast alles, was zur Gasversorgung und zur Gasnutzung benötigt wird, zu besichtigen. Sogar ein alter U-Boot-Motor, der im Werk zur Stromversorgung diente, ist zu bestaunen.

Während seiner Zeit als Betriebselektriker bei den Stadtwerken war das „Ofenhaus“ für Frühschütz nur das „Kulissenlager des Theaters“. „Dass es überhaupt noch steht, ist letztlich ein Verdienst des Theaters. Es wäre genau wie das Kohlenlager abgerissen worden, wenn das Theater 1969 nicht einen Ort für seine Kulissen benötigt hätte. So schließt sich heute wieder der Kreis“, sagt Oliver Frühschütz. Mittlerweile ist das ehemalige Kulissenlager wegen des Umbaus des Staatstheaters am Kennedy-Platz sogar quicklebendiger Theaterraum geworden. „Das Bewusstsein in der Bevölkerung im Umgang mit der Vergangenheit hat sich spürbar verändert“, sagt er.

Erst seit dem Jahr 1973 gibt es in Bayern ein Gesetz zum Denkmalschutz und ein Abriss des Ofenhauses wäre gewiss gewesen. Es kam anders und 1984 wurde das Gaswerk-Areal unter Ensemble-Schutz gestellt. Bis ins Jahr 1946 zurück gehen die Erinnerungen von Artur Stadler. Seit 15 Jahren lebt er in Plauen und war zu einem Kurzbesuch in seiner Heimat Augsburg. Er wohnte mit seinen Eltern im Torhaus des Gaswerkes, denn sein Vater Josef war Betriebsmeister bis ins Jahr 1969.

Mit Helmut Haller auf dem Gaswerk-Areal Fußball gespielt

Im Museum befindet sich ein lebensgroßes Bild von ihm. „Wir haben auf dem ganzen Gelände herumtoben können. Und mit Helmut Haller, der drei Jahre älter war als ich, haben wir auf dem freien Gelände Fußball gespielt. Sogar auf den Gastanks sind wir herumgeturnt“, erzählt Stadler. Der Erhalt der Gastanks liegt Frühschütz und Zaum besonders am Herzen. „Sie sind weltweit die letzten Teleskop- und Scheibengasbehälter und haben wie durch ein Wunder den Krieg ohne Schaden überstanden. Sie zu erhalten wäre geradezu eine Pflicht“, sagt Stefan Zaum. Zu Schaden aber kamen kurz vor dem Kriegsende 15 Tonnen Aktienpapiere aus Frankfurt.

Ein Blick in das Gaswerksmuseum auf dem Gelände in Oberhausen. Es befindet sich in der früheren Elektro-Zentrale.
Bild: Bernd Hohlen

Diese umgerechnet acht Milliarden Reichsmark, adressiert an Hitlers Alpenfestung, waren auf einem Lastkraftwagen geladen, der in Augsburg tanken sollte. „Als nicht kriegswichtig wurde das Betanken des Fahrzeuges abgelehnt und die ganze Aktienfracht landete kurzerhand im Ofen des Gaswerkes. „Acht Milliarden Reichsmark ergaben zwei Tage Stadtgas für Augsburg“, erzählt Oliver Frühschütz nicht ohne Freude.

Mitstreiter für Museum werden gesucht

Um diese Geschichten weiterzutragen, suchen die Gaswerksfreunde noch Mitstreiter, die selbst solche Geschichten entdecken und erzählen möchten. „Mit dem Theater, den Künstlerateliers und unserem Museum befinden wir uns im Zentrum einer ganz neuen Stadtentwicklung. Für kultur- und für technikbegeisterte Menschen ist das eine interessante Aufgabe“, sagt Frühschütz.

Was mit einem Telefonat im Jahre 2003 begann, kann mit weiteren Telefonaten bei Oliver Frühschütz im Jahr 2020 fortgeschrieben werden. Denn Organisatorisches kann auch während der mindestens bis 19. April andauernden Corona-Zwangspause für Führungen erledigt werden.

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