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Das Gaswerkareal hat das Zeug zum Vorzeigeprojekt

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Kommentar Von Richard Mayr
26.01.2019

Die neue Brechtbühne im Ofenhaus ist ein Hingucker. Trotzdem wird die neue Spielstätte kein Selbstläufer. Das Quartier allerdings kann deutlich gewinnen.

Was für ein Ort! Allein schon dieses Gebäude auf dem Gaswerkareal ist einen Besuch wert. Die neue Brechtbühne dort umgibt eine Aura. Das alte Ofenhaus wirkt wie eine Kathedrale des Industriezeitalters. Das ist sehenswert, spektakulär, vor allem in dem weiten und hohen Foyer. Kein Vergleich zu der Enge, die in der alten Brechtbühne herrschte. Jetzt endlich hat das Publikum ausreichend Platz. Endlich ist das Staatstheater Augsburg für mehrere Jahre in seinen beiden Ausweichspielstätten angekommen. Jetzt kann die Generalsanierung des Großen Hauses und der Neubau der Büro-, Proben- und Werkstatträume volle Fahrt aufnehmen.

Für die Mitarbeiter des Staatstheaters Augsburg dürfte sich die Situation verbessert haben

Gut zweieinhalb Jahre hat diese Umzugsphase gedauert, so lange mussten erst der Martinipark und parallel und länger das Ofenhaus für den Theaterbetrieb hergerichtet werden. Dort mussten nicht nur Bühne und Zuschauerraum, sondern Probenräume, Büros und Werkstätten geschaffen werden. Ein Kraftakt für die Stadt Augsburg und die Stadtwerke, die das planten, vor allem aber für das Theater selbst mit seinen mehr als 300 Mitarbeitern. Jeder weiß, wie lästig und aufwendig Umzüge sind. Einen Betrieb mit so vielen Mitarbeitern und einer ausgeklügelten Logistik künftig an zwei Orten und nicht mehr an einem zentralen unterzubringen, ist ja schon eine ziemliche Herausforderung. Dem Theater gelang es, das alles im laufenden Spielbetrieb zu bewerkstelligen, eine Bravourleistung, die hinter der Bühne stattfand und von der das Publikum nichts mitbekam.

So lästig Ausweichlösungen im Allgemeinen sein können, für die Mitarbeiter des Staatstheaters dürfte sich, was die Arbeitsräume angeht, die Situation verbessert haben. Endlich entsprechen sie normalen Standards. Von dem Intendanzgebäude an der Kasernstraße und den kleineren Gebäuden und Werkstatt- und Proberäumen dahinter sowie den Räumen im Großen Haus konnte das schon lange nicht mehr gesagt werden. Wer jetzt an der Kasernstraße vorbeigeht, bekommt hat den Eindruck, vor den Kulissen eines Katastrophenfilms zu stehen – nach dem großen Knall.

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Der Run auf die neue Spielstätte setzt erst ein

Allerdings beginnt für das Staatstheater nun gleich die nächste Herausforderung. Die beiden Hauptspielstätten des Theaters liegen nun nicht mehr zentral in der Stadt. Und selbstverständlich ist es nicht, dass das Publikum den Umzug klaglos mitmacht. Die Hoffnung, dass der Martinipark, der ja deutlich kleiner als das Große Haus ist, regelmäßig ausverkauft ist, hat sich nach der ersten Saison dort als trügerisch erwiesen. Obwohl die Spielstätte gut 300 Plätze weniger als das Große Haus hat, war sie nicht automatisch gefüllt. Das hing stark von den einzelnen Produktionen ab.

Gleiches gilt jetzt auch für die neue Brechtbühne. Für die ersten beiden Vorstellungen von „Europe Central“ nach der Premiere gab es noch viele freie Plätze. Der „Run“ auf die neue Brechtbühne im Ofenhaus setzt erst mit der Ballettproduktion „Missing Link“ ein, für die es so gut wie keine Karten mehr gibt – eine Woche vor der Premiere. Ob das künftig der Standard sein wird oder einfach der großen Popularität des Balletts geschuldet ist? Letzteres wird richtig sein.

Auf eines hat das Staatstheater mit seinen neuen Spielstätten ja keinen Einfluss: die Umgebung. Mitten in der Stadt gab es rund um das Theater jede Menge Restaurants und Bars, also viel mehr Infrastruktur für die Besucher. Dieses Mehr an Möglichkeiten fällt für die Zuschauer jetzt weg. Für das Staatstheater wird dieser dezentrale Standort der neuen Bühne eine Herausforderung.

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41 Bilder
Die ersten Bilder der neuen Brechtbühne im Ofenhaus
Bild: Michael Hochgemuth

Andersherum allerdings ist diese Liaison geradezu ein Segen. Mehr als ein Jahrzehnt war nicht klar, was aus dem Gelände im Westen Oberhausens werden soll. Und niemand kann sicher sagen, ob dieses Gebäudeensemble heute noch stehen würde, wenn es nicht unter Denkmalschutz gestellt worden wäre. Neues Bauland für neue Wohnungen wird ja händeringend gesucht. Und die einfachste Lösung für so ein großes Areal lautet immer: alles abreißen und neu bebauen. Bestes Beispiel sind die Augsburger Textilfabriken, von denen nur noch Reste übrig geblieben sind.

Vom Gaswerkareal könnte ein Impuls ausgehen

Schon lange kursierte für das Gaswerkareal die Idee, es als Kreativquartier zu entwickeln. Nur war nie klar, wie sich das rechnen sollte. Mit dem Staatstheater haben die die Stadtwerke Augsburg nun den idealen ersten Partner für das Areal gefunden. Und die Stadt hat gleichzeitig noch ein zweites Projekt angestoßen. Dort wird auch Ersatz für die Atelier- und Bandproberäume geschaffen, die bislang der Kulturpark West auf dem Reeseareal Kreativen zur Verfügung gestellt hat.

Wenn es tatsächlich gelingt, zusätzlich Kreativ-Start-Ups zu gewinnen, könnte von dem Gaswerkareal ein Impuls ausgehen, der in die Umgegend abstrahlt. Aus einem verlassenen Areal im Dornröschenschlaf würde ein Vorzeigeprojekt der Stadt: Die alte Bausubstanz und damit verbunden die Geschichte werden bewahrt, die Künste gefördert und ein Viertel abseits der Innenstadt belebt.

Lesen Sie dazu auch: Das Augsburger Gaswerk im Check: Wie gut ist die neue Brechtbühne?

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