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08.07.2010

Das Gemüseparadies

Bärenkeller Der Laden von Renate Schmid ist ganze 30 Quadratmeter groß. In bunten Farben leuchtet das Gemüse aus braunen Plastikboxen. Es duftet nach frischen Paprika, Salat, Radieschen. "Die neue Lieferung ist gerade angekommen", sagt sie. Die Gemüsehändlerin steht mit einer grünen Schürze hinter einem schweren Holztresen, rückt hier ein paar Tomaten zurecht, zupft da ein paar Blätter weg. Man sieht, sie liebt ihren Job. Bis vor Kurzem kam ihr gesamtes Sortiment aus der eigenen Gärtnerei.

"Mein Mann hat bis letztes Jahr die Gärtnerei gemacht, ich hab das Gemüse hier verkauft", erzählt die 61-Jährige. Ein bisschen stolz hebt sie den Kopf. Ihre beiden Söhne, Wolfgang und Benjamin, halfen oft mit - beim Gurkenziehen oder Paprikaputzen. Ein echtes Familienunternehmen. 62 Jahre gibt es das Geschäft. Ihre Schwiegereltern bauten es kurz nach dem Krieg auf. 20 Jahre später heiratete Renate Schmid in die Familie ein. Ihr Mann Walter und sie gründeten eine eigene Gärtnerei. "1968 haben wir dann den Gemüseladen übernommen", erzählt sie.

Kein Wasser, keine Kühlung

Heute ist er der älteste Laden im Bärenkeller und wahrscheinlich das letzte Gemüsegeschäft ohne Belüftungssystem und Bewässerungsanlage. Nicht mal einen Kühlschrank gibt es. "Dafür kommt alles frisch vom Baum", erklärt Schmid. Jeden Tag. Handgepflückt.

Das Gemüseparadies

Gabriele Kammer kauft seit über 40 Jahren hier ein, dreimal die Woche. Manchmal kommt sie aber auch nur zum Ratschen. "Dann tauschen wir Kochrezepte aus", sagt Kammer. Und auch der Rentner Josef Hace kommt nicht nur wegen des Gemüses. "Renate Schmid kennt sich gut mit Fußball aus", sagt er und lächelt. Die Mutter des berühmten Bayern-München-Torwarts Raimond Aumann arbeitete mehr als 20 Jahre bei Renate Schmid als Verkäuferin. "Da kriegt man ein bisschen was mit", erklärt sie.

Beinahe alles vorbei

Renate Schmid ist mehr als eine Gemüsehändlerin. Sie nimmt sich Zeit für ihre Kunden, hört ihnen zu. "Mein Laden ist meine kleine Welt, und meine Kunden sind meine Familie", sagt die Verkäuferin. Dabei glänzen ihre Augen ein bisschen.

Doch fast wäre in diesem Jahr alles vorbei gewesen. Ihr Mann Walter wurde schwer krank: die Bandscheiben. Seitdem kann er nicht mehr arbeiten. Die Gärtnerei musste die Familie aufgeben. "Das war sehr schlimm für uns", sagt Renate Schmid und senkt den Kopf. Sie streicht mit der rechten Hand vorsichtig über die Ladentheke. Aufgeben will sie nicht. "Ich mach weiter", sagt sie entschlossen und verschränkt die Arme. Eine Lösung haben sie und ihr Mann inzwischen gefunden: Die Gärtnerei hat das Ehepaar an einen Biobauern verpachtet. Von dort bezieht Renate Schmid jetzt ihr Gemüse.

Mindestens vier Jahre will sie auf jeden Fall noch arbeiten. Einen Nachfolger für den Laden gibt es nicht. Ihre beiden Söhne haben sich inzwischen für andere Berufe entschieden. Wenn Renate Schmid aufhört, endet wahrscheinlich auch die Geschichte des ältesten Gemüsegeschäfts im Bärenkeller. Bis dahin wird sie weiter jeden Morgen hinter der Theke stehen und nicht daran denken, dass dieses kleine Paradies vielleicht einmal vergeht.

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