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28.11.2017

Das Genie als Mittel zur Wellness

Nina Hoger trägt Rainer Maria Rilke vor.
Bild: Fred Schöllhorn

Das Rilke Projekt trat in Gersthofen auf

Die Gedichte und Briefe von Rainer Maria Rilke zählen zu den großen literarischen Werken. Diesen Texten widmete sich das „Rilke Projekt“, das vor bescheidener Zuhörerschaft in der Stadthalle Gersthofen gastierte. Eingefleischte Rilke Fans wurden dabei eher enttäuscht, neue auch nicht hinzugewonnen. Von jener innovativen und erschütternden Kraft Rilkes war bei diesem Literatur-Projekt sehr wenig zu spüren.

Im Hintergrund saß in nahezu stoischer Ruhe die Rilke Projekt Live Band an Flügel, Keyboard, Gitarren und Drums. Die Bühne war in dämmeriges Licht getaucht. Im Vordergrund zwei Mikrofone und ein Tischchen mit Leselampe. Dort trugen abwechselnd die beiden Fernsehschauspieler Nina Hoger und Sebastian Urzendowsky sowie der Sänger Edo Zanki Texte vor, meist abgelesen, rezitiert oder in vertonter Form.

Von Beginn an war eine Unkonzentriertheit zu spüren, fehlerhafte Text- und Toneinsätze irritierten ebenso wie die Qualität des Gesangs. Von Beginn an war alles beherrscht von einer Monotonie im Gewand des Geheimnisvollen, der Vortrag sollte bedeutungsschwanger klingen, die Verse vermittelten aber nichts. Mehr und mehr wurde das Ganze zur Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch, wobei allzu oft in Richtung Kitsch abgeglitten wurde. Rilkes kunstvolle Reime mit ihren fließenden Rhythmen kamen wie ein Klangteppich, eine inhaltsleere Wellness-Behandlung daher.

Das wäre nur halb so schlimm, hätten die Macher und Komponisten des Projekts, Richard Schönherz und Angelica Fleer, nicht behauptet, dass ein außergewöhnliches, gar das erfolgreichste Lyrikprojekt des Jahrhunderts präsentiert würde. Nein, das war nicht der Fall. Aber womöglich wurde der ein oder andere Zuschauer dennoch angeregt, sich wieder einmal Rilkes Lyrik zur Hand zu nehmen.

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