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Augsburg

28.01.2019

Das Herrchen stirbt – und plötzlich sind zwei alte, schwache Hunde allein

Malteser-Hündchen Filou (links) und Yorkshire Sario haben ihr Zuhause verloren. Tierpflegerin Joana Müller und das Team im Tierheim Augsburg wollen einen Platz für sie finden.
Bild: Bernd Hohlen

Die beiden kleinen Hunde Sario und Filou haben ein trauriges Schicksal. Warum sie für das Augsburger Tierheim ein besonders schwieriger Vermittlungsfall sind.

Die beiden kleinen Hunde Sario und Filou haben ein trauriges Schicksal: Mit 14 Jahren sind sie schon sehr alt und gesundheitlich angeschlagen. Nun stehen sie auch noch ohne ihr Herrchen da. „Nach dem Tod des Besitzers wurden die beiden von den Erben im Tierheim abgegeben“, sagt die Geschäftsführerin des Augsburger Tierschutzvereins, Sabina Gaßner. Solche Fälle kommen nach ihren Angaben öfter vor. Sie stellen das Tierheim vor große Herausforderungen. Dort sind Sario und Filou nun ein besonders schwieriger Vermittlungsfall.

Yorkshire-Terrier Sario und Malteser Filou sind das, was man vierbeinige Senioren nennen könnte. In Menschenjahren gerechnet, wäre jedes der beiden Hündchen inzwischen über 80 Jahre alt. „Beide haben keine Zähne mehr und sind etwas inkontinent“, beschreiben Tierpfleger den schwierigen gesundheitlichen Zustand ihrer Schützlinge. Sario muss auch noch regelmäßig Tabletten gegen Epilepsie einnehmen. Das alles schränkt die Möglichkeiten für eine Vermittlung sehr ein.

Gaßner sagt, dass die beiden schon seit August auf ein neues Zuhause warten. Wünschenswert wäre aus ihrer Sicht ein Pflegeplatz bei tierlieben älteren Leuten, die ein Heim mit Garten haben und die sich zutrauen, die beiden Hunde-Senioren gut zu versorgen. Der Tierschutzverein würde im Gegenzug die Tierarztbehandlungen und Medikamente übernehmen, so Gaßner. In anderen, ähnlich gelagerten Fällen habe diese Lösung schon funktioniert.

"Wir sind mit unvorstellbarem Tierleid konfrontiert"

Sario und Filou sind nicht die einzigen, die der Tierschutzverein Augsburg und Umgebung mit großem Aufwand und erheblichem Kostenaufwand betreut. „Wir sind immer wieder mit unvorstellbarem Tierleid konfrontiert“, sagt Vorsitzender Heinz Paula. Ein schwieriger Fall war zuletzt auch Dobermann-Rüde Oscar, der übers Internet verkauft worden war. Wohlmeinende Tierfreunde aus Augsburg hätten den Hund, der offenbar aus einer rumänischen Haltung stammt, zu einem günstigen Preis erworben.

Sie wollten Oscar zu einem Arbeitshund im Sicherheitsdienst ausbilden. Doch die Dressur lief offenbar schief. Der Dobermann wurde so aggressiv, dass ihn die überforderten Besitzer laut Tierschutzverein auf einer Polizeidienststelle abgaben. Von dort brachte ihn die Feuerwehr ins Tierheim. Gaßner sagt: „Das hätte böse enden können“. Es seien drei Monate intensiver Arbeit mit einem Tiertrainer nötig gewesen, bis Oscar überhaupt wieder vermittelbar war – und das auch nur an neue Besitzer, die Erfahrung mit dieser Rasse haben und die bereit waren, ihr Haus umzubauen, um Oscar bei sich aufzunehmen.

Harte Kritik an Behörden übt Paula in einem anderen spektakulären Fall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. In der Gemeinde Königsmoos bei Neuburg an der Donau waren Mitte November 134 zum Teil stark verwahrloste und verstörte Hunde in einem Anwesen beschlagnahmt und auf verschiedene Tierheime verteilt worden. Bei den betroffenen Hunden in Neuburg habe das zuständige Veterinäramt viel zu lange tatenlos zugesehen, wodurch nun enorm hohe Kosten für die öffentliche Hand entstanden seien, so Paula. Allein für die Versorgung der beschlagnahmten Tiere veranschlage das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen bislang einen sechsstelligen Betrag.

Happy End für Hundekinder?

Auch in Augsburger Tierheim wurden einige der verwahrlosten Hunde aufgenommen und mühevoll wieder aufgepäppelt. Eine von ihnen ist Terriermischlings-Hündin Jelly Beans. Sie war trächtig und hat inzwischen Nachwuchs bekommen. „Die fünf Welpen sind jetzt sechs Wochen alt und haben sich prächtig entwickelt“ sagt Tierpflegerin Andrea Strauß. Mit etwa zwölf Wochen sollen sie an neue Besitzer vermittelt werden. Im Tierheim geht man davon aus, dass es für den niedlichen Nachwuchs von Jelly Beans viele Interessenten geben wird. Damit werde es immerhin für die Hundekinder ein „Happy End“ geben. Doch nicht nur bei Hunden kann es viel Tierleid geben.

Auch Kaninchen Astrid ist ein aufwendiger Fall fürs Tierheim. Die Besitzer kauften sie als Paar zusammen mit einem weiteren Artgenossen. Was sie nicht wussten: Das zweite Kaninchen war ein Männchen. Astrid wurde innerhalb von nur sechs Monaten zweimal trächtig. Als aus den anfangs zwei Karnickeln 16 geworden waren, gaben die überforderten Besitzer alle im Tierheim ab. Geimpft und kastriert warten sie auf neue artgerechte Plätze, möglichst mit einem Außengehege.

Paula appelliert generell, sich vor dem Kauf eines Haustieres gründlich zu informieren. Die genannten Fälle zeigen aus seiner Sicht aber auch, wie wichtig Tierschutz mit professionell geführten Tierheimen und Auffangstationen ist.

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