1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Das Klinikum spart künftig wohl auch an Ärzten

Augsburg

26.07.2015

Das Klinikum spart künftig wohl auch an Ärzten

Das Augsburger Klinikum als Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe muss sparen – das neue Sparpaket umfasst auch den Wegfall von Stellen im ärztlichen Dienst. Die Pflege soll dafür aufgestockt werden.
Bild: Peter Fastl

Am Klinikum sollen Millionen eingespart werden - unter anderem durch den Wegfall von Ärztestellen. Im Pflegebereich sind dagegen Verbesserungen geplant.

Vorstandsvorsitzender Alexander Schmidtke bestätigte auf Anfrage den Zehn-Jahres-Plan. „Es ist nötig, das Haus perspektivisch gut aufzustellen, und zwar medizinisch wie wirtschaftlich.“ Mit der Uni-Klinik habe dies nur mittelbar zu tun. Stadt und Landkreis Augsburg als Träger hätten das Konzept gewünscht, so Schmidtke. Doch offenbar will auch der Freistaat sehen, wie es weitergeht. 2018 soll das Klinikum den Betreiber wechseln. Bis dahin sollen schon mehrere Millionen in der jährlichen Bilanz gespart sein.

Besonders bei Ärzten und im Medizin-Technik-Bereich (z.B. Labor) sind die Kosten nach einem Gutachten, das den Personalaufwand mit anderen Kliniken vergleicht, demnach zu hoch. Die Rede ist davon, dass es 100 Ärzte zu viel gibt. Allerdings soll es wohl keine Reduzierungen in dieser Größenordnung geben. Wie der Ärztliche Vorstand Prof. Michael Beyer sagt, ist geplant, Klinik für Klinik unter die Lupe zu nehmen. Nicht überall gebe es Luft für Einsparungen beim Personal.

Stationen sollen zusammengelegt werden

Momentan gebe man im Vergleich zu anderen Kliniken und gemessen am Umsatz zehn Millionen Euro jährlich zu viel für Personal aus, heißt es. Dieser Betrag soll eingespart werden, wobei dies nicht nur über Personalabbau läuft. Zu patientenschwachen Zeiten werden Stationen geschlossenen bzw. zusammengelegt. An Weihnachten hatte man dies in größerem Maßstab erprobt, auch in diesem Sommer gibt es entsprechende Zusammenlegungen. Das frei werdende Personal soll dann den Überstundenberg abbauen, der auf vielen Stationen geschoben wird.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Neben der Reduzierung der Personalkosten ist eine Umschichtung geplant. So soll der Pflegebereich künftig mehr Stellen bekommen, nachdem der Krankenhausvergleich ergab, dass das Klinikum für diesen Sektor zu wenig ausgibt. Wie viele Stellen es sein werden, ist noch unklar. Besonders im neuen Kinderkrankenhaus eskalierte die Situation zuletzt offenbar. Ab Herbst will man einige Stationen dort rechnerisch überbesetzen, damit in den vergangenen Monaten aufgelaufene Überstunden abgebaut werden können. Eine Überlastung des Pflegepersonals ist auch auf anderen Stationen ein Thema – dabei haben Schwestern und Pfleger am meisten Kontakt mit den Patienten.

Was sagt der Personalrat?

Beim Personalrat sieht man den Zehn-Jahres-Plan insgesamt kritisch. „Wir können nicht erkennen, wie es möglich sein soll, mit weniger Personal über die Runden zu kommen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Franz Josef Uhlemayr. „Und um neue Konzepte und Prozesse zu erarbeiten, die effizienter sind, bräuchen wir erst einmal einen Personalaufbau.“ Momentan sei im Alltag keine Luft mehr für andere Dinge als die Patientenversorgung. „Und das wird mit der Sanierung bei vollem Betrieb nicht besser.“

Am Klinikum gärt es wegen des permanenten Spar- und Konsolidierungskurses seit Jahren. Die Zahl der Überlastungsanzeigen bei Ärzten und Pflegern stieg. Vor einem Jahr eskalierte die Situation, als Ärzte eine Art Demo abhielten. Schmidtke kündigte damals an, etwas Tempo aus der Konsolidierung herauszunehmen. Jetzt steigt die Schlagzahl offenbar wieder. Allein die jährlichen Lohnsteigerungen sorgten für Verluste, weil die Krankenkassen diese nicht ausgleichen, sagt Schmidtke. In diesem Jahr wird das Klinikum wohl 4,6 Millionen Euro Miese machen. Ursprünglich war ein kleinerer Fehlbetrag vorgesehen, doch Sparvorgaben wie das Schieben von Instandhaltungsmaßnahmen ließen sich nicht umsetzen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren