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Augsburg

16.07.2014

Das Korsett des Lechs wird aufgeschnürt

Der Weitmannsee soll nicht angetastet werden, wenn der Flusslauf verbreitert wird.
Bild: Georg Wengenmayr

Wasserwirtschaftsamt stellt die Kompromisse für den großen Flussumbau vor. Sie wurden im Dialog mit Bürgern gefunden

Fest steht: Der Augsburger Lech soll künftig ganz anders aussehen als heute. Und nun wird auch immer klarer, wie und wo das enge Korsett des stark kanalisierten Flusses aufgeschnürt werden kann. Gestern stellten Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth im Umweltausschuss des Stadtrates die Entwicklungsziele für einen naturnaheren Umbau des Flusslaufs im Naturschutzgebiet Stadtwald vor.

Ein ganzes Jahr lang hatte das Amt in einem aufwendigen Dialog-Prozess mit knapp 7000 Bürgern und rund 60 betroffenen Verbänden, Gruppen, Kommunen und Unternehmen Entwicklungschancen und strittige Fragen diskutiert, um dem geschundenen Fluss eine Zukunft zu geben. Am Ende dieses bayernweit ersten Flussdialoges stellte Wasserwirtschaftsamtsleiter Ralph Neumeier gestern erleichert fest: „Wir haben einen sehr breiten Konsens erreicht.“

Aufreger für Kissinger sind vom Tisch

Ein Aufreger – vor allem für die Kissinger Bevölkerung – ist nun endgültig vom Tisch: Laut Neumeier sollen der Auensee und Weitmannsee nicht angetastet werden, wenn der Flusslauf verbreitert wird. Als mögliche Bereiche für einen naturnaheren und dynamischeren Flusslauf wurden in den Workshops aber folgende Bereiche ausgesucht: das Ostufer des Lechs unmittelbar nach der Staustufe 23, das Westufer gegenüber dem Weitmannsee, Bereiche bei Kissing, die Siebenbrunner Quellflur und der Uferstreifen südlich vom Kuhsee. Die heutigen Deichlinien müssen in diesem Fall zurückverlegt werden, um den Hochwasserschutz zu erhalten und möglichst noch zu verbessern.

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Bei einer weiteren strittigen Frage, den Betonschwellen im Lech, wird es aller Voraussicht nach keine einheitliche Lösung geben. Ziel ist es, zwischen der Lechstaustufe 23 und dem Hochablass möglichst viele der vorhandenen Schwellen im Fluss so zu verändern, dass sie keine Hindernisse mehr für wandernde Fische und Wassertiere darstellen.

Laut Neumeier wird man wohl zwei Schwellen nahe der Staustufe 23 entfernen können. Insbesondere im Bereich von Kissing und nördlich davon wird es aber aus Sicht der Wasserbauexperten aber wegen des großen Gefälles wohl auch künftig Bereiche geben, in denen die Flussohle technisch abgestützt werden muss. Das gilt insbesondere für die umstrittene Schwelle Lindenau bei Kissing, die eine Höhendifferenz von knapp sieben Metern aufweist. Dort soll die Flussohle um etwa einen Meter angehoben werden. Wie insgesamt durchgängigere Lösungen im Detail aussehen könnten, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Lech soll naturnaher und besser zugänglich werden

Auch im Stadtbereich Augsburg soll der Lech naturnaher und besser zugänglich für die Bevölkerung werden. Weil die Bebauung aber nahe an den Fluss heranreicht, kann man ihn in diesem Bereich nicht stärker aufweiten. Viele Details der Planung müssen erst mit der Stadt geklärt werden.

Einen Konsens gibt es laut Neumeier außerdem beim Dauer-Streitthema Wasserkraft im Naturschutzgebiet Stadtwald. Der Konzern Eon werde seine Pläne für ein neues Wasserkraftwerk so lange nicht weiterverfolgen, bis das Konzept „Licca liber“ für den Flussumbau steht. Unklar seit aus heutiger sicht, ob eine Wasserkraftnutzung nach dem Umbau des Flusses noch wirtschaftlich sei.

Und wie geht es weiter mit dem Jahrhundertprojekt? Im Oktober plant das Wasserwirtschaftsamt eine öffentliche Information über die Ergebnisse des Flussdialogs. Danach stehen weitere Untersuchungen zur Umsetzung des Projekts an. Ab Ende 2015 soll dann ein offener Planungsprozess beginnern, ähnlich wie beim Umbau der Wertach.

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