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02.10.2008

Das Krankenhaus war hochmodern

Vor 150 Jahren herrschte emsiges Treiben auf Augsburgs größter Baustelle: Das neue Krankenhaus in der Jakobervorstadt ging seiner Fertigstellung entgegen. Am 16. Mai 1856 war der Grundstein gelegt worden, im August 1859 konnte die Belegung beginnen. 1982 stillgelegt, wurde es jetzt von Stadt an die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul verkauft.

Diese Schwestern sind unter der Bezeichnung "Vinzentinerinnen" besser bekannt als unter ihrem eigentlichen Namen. Sie betreiben die Klinik "Vincentinum" in nächster Nähe des alten "Haupthauses", so die dafür geläufige Kurzbezeichnung.

Trennung nach Konfessionen erfolgte

Die Barmherzigen Schwestern waren schon vor über 150 Jahren ausschlaggebend für die Entscheidung zum Bau des Hauptkrankenhauses. Der Entschluss zum Neubau wurde zwar durch die 1852 erfolgte Stiftung von 100 000 Gulden durch den Rotgerber Georg Henle beflügelt, doch eine der testamentarischen Bestimmungen lautete, dass die Barmherzigen Schwestern die Pflege der katholischen Kranken übernehmen müssten. Das bedeutete eine Trennung nach Konfessionen.

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Trotz starker Bedenken - man war froh, dass die Zeiten auferlegter Parität endlich vorbei waren - ging die Stadt darauf ein, um an die Stiftungsmittel zu kommen. Jene Schwestern-Kongregation, die jetzt den Krankenhauskomplex erwirbt, erfüllte die Forderung des Spenders. Für die evangelischen Patienten taten Diakonissen Dienst. Zu deren Unterstützung kam von der Familie Schaezler eine Stiftung von 10 000 Gulden.

Der Bau eines Kommunalkrankenhauses von derartigen Ausmaßen war für die im Jahre 1858 lediglich 35 000 Einwohner zählende Stadt ein wagemutiger, in die Zukunft gerichteter Kraftakt, der wohl überlegt sein musste. Ein im April 1854 verabschiedetes Elf-Punkte-Programm bildete die Grundlage für die Planungen für ein nach den neuesten Erkenntnissen in baulicher, hygienischer und medizinischer Hinsicht zu errichtendes Krankenhaus für 300 Patienten.

Es war damals dringendst nötig, der äußerst unzulänglichen Krankenversorgung in Augsburg ein Ende zu bereiten. Das bisherige "Allgemeine Krankenhaus" mit 200 Betten war ein 1811 umgebautes ehemaliges Arbeitshaus. Die Zustände müssen zeitgenössischen Schilderungen zufolge miserabel gewesen sein. Dabei stellte die Industrialisierung vor allem die Chirurgen vor unlösbare Aufgaben: An den ungeschützten Maschinen in Spinnereien und Webereien gab es schreckliche Unglücksfälle mit Toten und schwersten Verletzungen, wie man sie bislang nicht kannte.

Höchstens 12 Betten pro Raum

Im April 1854 lag das für die Planungskommission maßgebliche 11-Punkte-Programm vor: Höchstens zwölf Betten pro Raum, eine Aufnahmekapazität von 300, in Notfällen 400 Patienten, sollten der 152 Meter lange, nach Süden gerichtete Hauptbau und die drei nördlichen Seitenflügel aufweisen.

320 "Gelasse" mit 450 Fenstern waren dafür nötig, beleuchtet mit 270 Gasflammen. Mit insgesamt 42300 Kubikmetern Rauminhalt erstand auf den Plänen der dreiflügelige Gebäudekomplex. Paragraf 5 regelte das Verhältnis der Konfessionen: 70 Prozent der Betten für Katholiken, 30 Prozent für Evangelische. Im Tod hörte die konfessionelle Trennung auf: Das Leichenhaus war paritätisch. Der letzte Punkt der Vorgaben lautete: "Der Styl des Hauses sei einfach und würdig."

"Das Gebäude wurde im Jahre 1859 endlich vollendet und am 9. August unter angemessenen Festivitäten sofort seiner Bestimmung übergeben", heißt es in einer Bilanz über die ersten 20 Betriebsjahre. Gebaut für 500 Patienten, habe es sich gut bewährt.

21 Barmherzige Schwestern, unterstützt von insgesamt 25 Kandidatinnen, Küchen-, Haus- und Waschmägden, Krankenwärtern und Laboranten, versorgten den größeren "katholischen" Ostflügel, während 11 Diakonissen mit acht Hilfskräften den "evangelischen" Westteil in ihrer Obhut hatten. Erst 1938 wurde die konfessionelle Trennung der Küchen aufgehoben, 1946 die der Stationen.

Schon um 1900 wurde auf die Notwendigkeit verwiesen, "die Verhältnisse nach den Bedürfnissen der Neuzeit zu ändern". Ein grundlegender Umbau folgte aber erst 1910 bis 1914. Die Abteilungen erhielten neue Bäder und Fußböden, elektrisches statt Gaslicht, Aufzüge und eine Telefonanlage.

Zeit für Neubau war überreif

1936/37 kamen Anbauten dazu. 1944 wurden der Süd- und der Ostteil durch Bomben schwer beschädigt.

Trotz vieler weiterer Umbauten und Modernisierungen nach 1945 war in den 1970er Jahren die Zeit für einen Neubau an anderer Stelle überreif: Nach Fertigstellung des Zentralklinikums hatte das "Haupthaus" nach 123 Dienstjahren 1982 ausgedient.

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