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Augsburger Geschichte

10.10.2018

Das Kulturhaus Kresslesmühle

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3 Bilder
Im Stadtplan von 1626 wird die Kresslesmühle (gelb) durch zwei Wasserräder gekennzeichnet. Links ist die Kirche des Klosters Maria Stern erfasst, ganz rechts die Stadtmetzg.
Bild: Sammlung Häußler

Die „Klessingsmul“ wurde 1276 erstmals erwähnt. Vier Wasserräder trieben drei Mahlgänge und einen Gerbgang an. 1977 wurde der Altbau als Bürgerhaus eröffnet.

Am 18. Februar 1977 fand die Eröffnung der einstigen Kresslesmühle gegenüber der Stadtmetzg als Bürgerhaus statt. Damit wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des historischen Gebäudes Barfüßerstraße 4 aufgeschlagen. Nun haben 40 Jahre vielfältigster Intensivnutzung Spuren hinterlassen, Einrichtung und Technik sind veraltet und die Räumlichkeiten entsprechen nicht mehr heutigen Bedürfnissen. Das „Kulturhaus Kresslesmühle“ muss grundlegend saniert und den derzeitigen Standards für ein stark frequentiertes öffentliches Gebäude angepasst werden.

Neuer Altstadttreff bekam den Namen „Mühle“

Als 1975 der Umbau der Getreidemühle in ein Altstadt-Bürgerzentrum begann, waren dafür 1,2 Millionen D-Mark veranschlagt. Dank hoher Zuschüsse aus einem Konjunktur-Förderprogramm hatte die Stadt davon nur etwa 20 Prozent zu tragen. „Mühle“ wurde der neue Altstadttreff bald genannt. Der Name war passend: Eine Mühle war an dieser Stelle schon vor über 700 Jahren in Betrieb. Im Stadtrechtsbuch von 1276 wird die „Klessingsmul“ bereits aufgeführt. Der Müller Klessing war der erste namentlich bekannte Besitzer.

Danach weist das Hausbesitzerverzeichnis viele Namen auf, doch der Hausname blieb – wenn auch in abgewandelten Formen. Mal heißt die Mühle zwischen dem Vorderen und dem Hinteren Lech Kressersmühl, Kresslis-Mühle, Kretzelsmühle oder Kreßlersmühle. So genau nahm man das nicht. Die ältesten Miniaturabbildungen finden sich in den Stadtplänen von 1521 und 1626.

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Holz aus dem 17. Jahrhundert

Ein Bauamtsprotokoll von 1649 überliefert die technischen Daten: Vier Wasserräder trieben drei Mahlgänge und einen Gerbgang an. Die Bestandsbeschreibung wurde von einem Neubau gefertigt. Das bestätigen im Auftrag der Denkmalschutzbehörde der Stadt Augsburg im Januar 2018 zur Altersbestimmung entnommene Holzproben aus der Kresslesmühle. Von 15 lediglich 6,5 Millimeter dicken Bohrkernen konnten elf sicher datiert werden. Das Holz für Deckenbalken und den Dachstuhl des Hauptgebäudes war großteils im Winter 1646/47 gefällt worden! Damals verbaute man Holz fällfrisch. Demnach erstand der Mühlenbau 1647 oder 1648.

Auf umfangreiche Umbauten im Erdgeschoss – dort liefen die Mahlwerke – im 19. Jahrhundert deutet Holz aus der Tragekonstruktion. Die Fälldaten „1829“ und „1837/38“ lassen das vermuten. Die jüngsten bei der Untersuchung datierten Hölzer sind im Rückgebäude verbaut: Das Holz stammt von Bäumen, die 1868/69 gefällt worden waren.

Einsprüche der Nachbarn

An der Wassertechnik hatte sich um diese Zeit noch kaum etwas geändert: Im Jahr 1850 dienten – wie schon 1649 – vier Wasserräder als Motoren. Der damalige Kretzelsmüller verfügte lediglich über eine Leistung von 32 PS. Als 1891 der Königlich-Bayerische Hoflieferant und Kunstmühlenbesitzer Wilhelm Jauß die Wasserräder durch eine Turbine ersetzen wollte, scheiterte die geplante technische Neuerung lange an Einsprüchen von Nachbarn. Die Wasserräder blieben weitere 24 Jahre in Betrieb.

Der Mühlenbesitzer erstritt 1914/15 die Auswechslung gegen eine 150-PS-Turbine vor Gericht. Die Turbine trieb die Mahlwerke nicht direkt, sondern über einen Stromgenerator an. Elektromotoren bewegten nun die Mühlsteine und den Gerbgang. Lorenz Lichtmannegger war der letzte Müller. Im Adressbuch von 1954 ist die Kreßlesmühle als Sitz der Müller-Innung eingetragen. Mit dem Tod von Lorenz Lichtmannegger in den 1960er-Jahren endete der Mühlenbetrieb. Seine beiden Töchter verkauften am 8. April 1970 die Gebäude an die Stadt. Mit der Beseitigung der Mühleneinrichtung 1971/72 verschwand auch die Turbine.

Nach der Einstellung des Mühlenbetriebs waren bewohnbare Räume einige Jahre an Gastarbeiter vermietet. Der frühere Mehlladen im Parterre diente zeitweise als Modeboutique. 1975 begann der grundlegende Umbau zum Altstadt-Begegnungszentrum und Veranstaltungsgebäude. Wie 2018 die dendrochronologische Holzuntersuchung ergab, war die Kresslesmühle schon vor der Umgestaltung zum Kulturhaus oftmals umgebaut worden. Der einst aufwendig gestaltete Schaugiebel zum Metzgplatz ist nur mehr auf Fotos dokumentiert.

Künftig gibt es einen Fahrstuhl

Zum Zehnjährigen der „neuen Mühle“ schrieb 1987 Oberbürgermeister Hans Breuer: „Die Kreßlesmühle ist längst integrierter und integrierender Bestandteil der Altstadt. Sie ist im sozialen und kulturellen Geschehen des Lechviertels verwurzelt und für diesen Stadtteil unverzichtbar geworden.“ Seither sind über 30 Jahre vergangen. Die anstehende Sanierung und Modernisierung gestaltet sich nicht einfach, zumal auch ein Fahrstuhl eingebaut wird. Das Obergeschoss wird neu aufgeteilt, damit das Gebäude den Anforderungen an ein modernes Bildungs- und Beratungszentrum entspricht.

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