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Augsburg

22.07.2016

Das Leben der anderen

Auch Kelvin Kargbo (von links), Fikret Yakaboylu und Sadat Jalal stehen im Finale des Slams.
Bild: Valterio d’Arcangelo

Mit der Aktion „Augsburg spielt“ treffen Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Am Samstag kommt es zum Finale

In Augsburg sprechen die Menschen 128 Sprachen. Das ist erstaunlich – oder auch nicht. Denn 42 Prozent der Augsburger haben ihre kulturellen und ethnischen Wurzeln nicht in Deutschland. Das Leben in der interkulturellen Stadt spielt sich vielfach innerhalb der Sprachgemeinschaften ab. Wie schafft man es, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen, die im alltäglichen Leben aneinander vorbeigehen?

Die Wirtschaftsjunioren versuchen dies mit dem Projekt „Augsburg spielt“. Sie haben Erfahrung damit, fremde Menschen zusammenbringen, über ihre Aktion „Augsburg liest ein Buch“ sprach im vorigen Jahr die halbe Stadt. Dieses Mal geht es ihnen darum, Begegnungsräume für Bürger mit und ohne Migrationshintergrund zu schaffen.

Nun also „Augsburg spielt“. Die Idee: Interessierte sollen die Sprache und Kultur des anderen in der persönlichen Begegnung besser kennen lernen. Der Kern des Projektes, das unter anderem mit dem Kennenlernen nationaler Küchen begann und sich mit sportlichen Events fortsetzte, ist der „Slam of Nations“, dessen Finale diesen Samstag, 23. Juli, in der Brechtbühne stattfindet. Elf Slamer aus verschiedenen Regionen der Welt tragen selbstverfasste Texte in ihrer Muttersprache vor, unter anderem in Afghanisch, in Persisch oder in Aramäisch.

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Auf Anhieb versteht man nichts

„Die Idee hinter dem Slam ist, dass der Zuhörer auf Anhieb nichts versteht. Man muss sich vollständig auf den Sound und den Rhythmus der unbekannten Sprache einlassen, um der Kultur und somit auch dem Vorgetragenen näher zu kommen. In einem anschließenden Gespräch können Fragen zum Text und zur Herkunft des Slamers gestellt werden,“ erklärt Reto Finger, Moderator und Organisator des „Slam of Nations“. Der Schweizer lebt seit einigen Jahren in Augsburg, wo er als Jurist und Künstler tätig ist. Finger schreibt Texte für die Theater Bochum und Basel.

„Mit Blick auf Nizza oder Würzburg merkt man, dass das interkulturelle, friedliche Mitteinander auf keinen Fall selbstverständlich ist. Es ist an der Zeit ein Zeichen zu setzten, Menschen und Kulturen zu verbinden“, fügt er hinzu. Denn das ist das selbst gesteckte Ziel des Projekts, Menschen und Kulturen zu verbinden. Die Teilnehmer des Slams wurden in Zusammenarbeit mit Gabriele Opas vom Freiwilligenzentrum Augsburg, dem Augsburger Theater und dem Kulturcafé Neruda, in welchem auch die beiden Halbfinale stattfanden, ermittelt.

Im Finale stehen auch Kelvin Kargbo, 21, aus Sierra Leone, Sadadt Sayed Jalal, 36, aus Afghanistan sowie Fikret Yakaboylu, 59, aus der Türkei, welche ohne den Slam wohl niemals miteinander in Kontakt getreten wären: unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Sprachen und unterschiedliche Herkunftsländer. Während Kelvin und Sayed erst seit einigen Jahren in Deutschland sind, ist Fikret schon seit 1980 in Deutschland, in seiner „neuen Heimat“.

Spannung vor dem Finale

Fikret, der Gründer des Kulturcafé Neruda, betont, dass es ihm eine Herzensangelegenheit sei, bei dem Slam mitzumachen, denn es gäbe nichts Schöneres als mit seinen neugewonnenen Freunden Leute in seiner Muttersprache zu unterhalten. Auch Kelvin, der Gewinner des Halbfinales, und Sayed, der mit seinen persischen Texten überzeugte, freuen sich schon sehr auf das Finale. Es ist für alle Beteiligten eine neue und spannende Erfahrung.

Was jedoch alle gemeinsam haben, ist die Flucht aus ihren Heimatländern. „Die Angst vor dem Tod war zu groß“, sagt der erst 21-jährige Kelvin, der mit einer großen Narbe am Kopf nach Deutschland kam. „Es ist eine Tragödie, was vor den Toren Europas passiert, wir müssen uns dem stellen, auch aus ureigenen Interessen. Das schließen der Grenzen ist nur eine Problemverlagerung, keine Lösung“, sagt Reto Finger, der Organisator des Slams.

Der Slam of Nations läuft am Samstag, 23. Juli, um 19 Uhr in der Brechtbühne. Karten kosten an der Abendkasse 5 Euro.

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