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12.06.2009

Das Lechtal war die "Autobahn" der Fugger

Augsburg/Langweid Zum Vortrag "Die Fugger im Lechtal" hatte die Lechwerke AG ins Lechmuseum Bayern nach Langweid eingeladen. Es sprach der Leiter des Fugger-Archivars Franz Karg. Die Themenpalette des Vortrags - ein Programmpunkt des Jubiläumsjahrs "550 Jahre Jakob Fugger" - reichte von der Herkunft der großen schwäbischen Familie aus dem Dorf Graben im Lechtal südlich von Augsburg über die wirtschaftliche Bedeutung des Flusstals für die Fuggerfirma bis zum Erwerb etlicher Herrschaften um Augsburg.

1367 war der begüterte Dorfweber Hans Fugger in die Freie Reichsstadt Augsburg eingewandert. An ihn erinnert seit 1895 ein Denkmal in der Pfarrkirche von Graben. Zwei Generationen später führte Jakob Fugger "der Reiche" die Familienfirma europaweit an die Spitze. Das Lechtal trug zu den guten Voraussetzungen der Augsburger Kaufherrn bei. Die Römerstraße durch das Flusstal - zu Fuß, zu Pferd oder per Karren genutzt - und die Flößerei auf dem Lech ab Füssen machten das Tal, so Karg, zur "Autobahn" der Frühen Neuzeit.

"Sie kauften im Lechtal, was sie bekommen konnten"

Die Fugger profitierten aber nicht nur vom Know-how der Fuhrleute und Flößer, sondern auch von der ausgezeichneten Anbindung Richtung Tirol und Italien. Dadurch wurde der Einstieg der Fugger und weiterer Augsburger Kaufleute in die alpenländische Montanwirtschaft und der Handel mit Venedig erleichtert. Auch in Richtung Donau und von dort bis Wien und Ungarn bot die Lechflößerei einen wirtschaftlichen Handelsweg in Richtung Norden und Osten.

Das Lechtal war die "Autobahn" der Fugger

Die jahrhundertelange Bedeutung des Lechtals als Herrschaftsterritorium der Fugger begann 1514, als Jakob Fugger die Herrschaft Biberbach und Schloss Markt erwarb. Künftig, so Archivar Karg, "kauften die Fugger im Lechtal, was sie bekommen konnten". 1527 erwarb Fuggers Neffe Raymund die Herrschaft Gablingen - und ließ das Schloss und die Kirche über dem Schmuttertal errichten.

1533 erwarben die Fugger lechabwärts die Herrschaft Oberndorf und bauten dort ein mächtiges Schloss. Das heutige Schloss besteht aus ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, da 1632 die Schweden im Dreißigjährigen Krieg das prächtige Schloss Anton Fuggers nach der Schlacht bei Rain verheerten. 1557 erwarben die Fugger Ehingen, 1560 die Herrschaft Nordendorf und die ebenfalls von Schweden niedergebrannte Feste Donnersberg bei Nordendorf. Doch die Fugger erwarben, wie Karg erläuterte, im Lechtal auch einzelne Bauernhöfe, Äcker und Wiesen. Von der Reichspflege Donauwörth an der Mündung des Lechs bis zur Fuggerschen Herrschaft in Hurlach reichten bis 1608 die Erwerbungen, die die Fugger neben den Bischöfen zu den größten Grundbesitzern im (schwäbischen) Lechtal werden ließen.

Wertvolle Quellen für die Geschichtsforschung

Als direkte Anrainer hatten auch die Fugger oft Probleme mit dem reißenden Gebirgsfluss. Da alle Grundherren zur Sicherung der Lechufer verpflichtet waren, kam es zu zahlreichen, oft jahrzehntelangen Prozessen bis zum Reichskammergericht. "Wo gestritten wird, gibt es viel Papier", freute sich Karg. Die Akten seien heute wertvolle Quellen für die Geschichtsforschung am Lech. Damals entstanden auch jene "Augenscheinkarten", auf denen Maler die jeweilige Ufersituation als Entscheidungshilfe für das Gericht festhielten. Denn an den Fluss bemühten sich die Richter nicht . . .

Heute spüren Touristen den Fuggerschen Spuren nach: Neben Burg Markt und der Wallfahrtskirche in Biberbach sind auch Schlösser in Gablingen, Ehingen, Nordendorf, Oberndorf und Hurlach sowie das repräsentative Pfleghaus der Fugger hoch über dem Lechtal in Donauwörth erhalten. Besitzungen der Fugger gebe es bis heute.

Buch Zum 550. Geburtstag Jakob Fuggers hat Martin Kluger einen Reiseführer "Die Fugger. Die deutschen Medici in und um Augsburg" herausgebracht (context verlag Augsburg).

Museum Das Lechmuseum Bayern im Wasserkraftwerk Langweid ist jeden ersten Sonntag im Monat von Mai bis Oktober (10 bis 18 Uhr) geöffnet oder bei angemeldeten Führungen zu besichtigen. E-Mail: julia.steinherr@lew.de, Telefon 08 21/3 28-16 51.

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