1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Das NCR-Hochhaus ist bald Vergangenheit

Augsburg

14.02.2016

Das NCR-Hochhaus ist bald Vergangenheit

Copy%20of%20NCR_1a.tif
2 Bilder
Nur aus der Luft war die gewaltige Ausdehnung der NCR im Jahre 1960 erfassbar. Das elfstöckige Hochhaus fehlt noch, es entstand einige Jahre später.
Bild: Franz Häußler

1946 siedelten sich die „National Registrier Kassen“ in Kriegshaber an. Die verbliebenen Mitarbeiter sind jetzt nach Lechhausen umgezogen.

Das NCR-Hochhaus an der Ulmer Straße war ein Wahrzeichen von Kriegshaber. Es wird derzeit abgetragen. Das Technologieunternehmen NCR verließ Ende 2015 nach fast 70 Jahren den Standort Kriegshaber und übersiedelte ins Industriegebiet Lechhausen-Ost, Steinerne Furt 67, in ein modernes Bürogebäude mit viel Glas.

Darin residierte zuvor „Weltbild“. Das alte NCR-Firmenareal war nicht mehr auslastbar, heißt es. Hier hatte sich 1946 „National Registrier Kassen“ (NRK) in Gebäuden der Michel-Werke angesiedelt. Betriebsbeginn war am 1. Januar 1947. Die Konzernzentrale der „National Cash Registers Company“ (NCR) ist seit dem Gründungsjahr 1884 in Dayton (USA). 1896 wurde die erste deutsche Niederlassung zum Vertrieb von Registrierkassen in Berlin gegründet, 1903 in Berlin die erste Fabrik gebaut. Für diesen Ableger war der Firmenname eingedeutscht worden. Das Kürzel NRK wurde zu einem festen Begriff.

Das Werk in Berlin-Neukölln überstand den Bombenkrieg, wurde aber im Mai 1945 demontiert. In Berlin begann zwar ein Neuaufbau von NRK, doch die Isolierung der Stadt führte zur Suche nach einem anderen Standort. Die Lage in der amerikanischen Besatzungszone und die vorhandene Infrastruktur hatten wohl bei der Prüfung von 60 Objekten und Standorten den Ausschlag für Augsburg gegeben.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Anfänge in Augsburg gestalteten sich schwierig. Nach der Währungsreform (Juni 1948) ging es jedoch steil aufwärts. 1951 verließ die 35000. Registrierkasse die Montagebänder. Am 15. März 1951 erfolgte die Grundsteinlegung für ein sechsstöckiges Verwaltungsgebäude. Am 10. Juni 1953 wurde es in Anwesenheit des NCR-Präsidenten Mr. Allyn eingeweiht. Augsburg besaß am Konzernsitz von NCR in der Industriestadt Dayton im US-Bundesstaat Ohio hohes Ansehen. Von dort kam die Anregung zu einer Städtepartnerschaft. Sie besteht mit Dayton seit 1957.

Saal war gut gebucht

Der Verwaltungsneubau bekam 1953 die Leuchtschrift „National Registrier Kassen“. Daran wurde ein Saalbau mit Bühne angefügt. Er diente nicht nur betriebsinternen Veranstaltungen wie Auftritten des NRK-Orchesters und der NRK-Combo, die zu Faschingsbällen aufspielte. Der hochmoderne NRK-Festsaal war noch in den 1960er-Jahren eine gut gebuchte „Event-Location“ im Konzert-, Schlager- und Showbetrieb, da zu dieser Zeit in Augsburg ein Mangel an großen Sälen bestand.

Die „NRKler“ wurden nicht nur wegen ihres gut bezahlten Arbeitsplatzes beneidet. Unter Direktor Wolfgang L. Rohm genoss die Sportförderung einen hohen Rang. Fußball-, Handball-, Tennis- und Tischtennisabteilungen wurden gegründet und gesponsert, ein Schwimmbad und ein Tennisplatz entstanden auf dem Betriebsareal. Eine Devise von W. L. Rohm lautete: „Wer sich im Sport bewährt, wird auch im Leben nicht versagen.“

Am 4. Dezember 1956 verließ die 100000. mechanische Registrierkasse das Augsburger Werk. Zu diesem Zeitpunkt war der Wandel zur Elektronik bereits im Gange: 1957 kam die erste Elektronen-Rechenanlage von NCR auf den europäischen Markt. Das deutsche Kürzel „NRK“ verschwand, das Firmenlogo „NCR“ galt nun weltweit. Diese drei Buchstaben trugen fortan Buchungs- und Additionsmaschinen, Elektronenanlagen sowie Registrierkassen. 1962 bezeichnete sich NCR als „das einzige Unternehmen der Welt mit vollständigen Systemen von der Datenersterfassung bis zur elektronischen Datenverarbeitung“.

Moderne Großraumbüros

Das Werk Augsburg war technisch wandlungsfähig und erfolgreich. Augsburg wurde zur NCR-Deutschland-Zentrale. In der Jubiläumsschrift „75 Jahre NCR Deutschland“ vom Januar 1971 wird der Standort Augsburg gewürdigt. „Symbolisch für die steile Aufwärtsentwicklung der NCR Deutschland in den letzten Jahren ragt das neue Verwaltungshochhaus, das Anfang des Jahres 1968 seiner Bestimmung übergeben wurde, in Augsburg empor. Der technische Fortschritt sowie die Zweckmäßigkeit neuzeitlicher Architektur werden in diesem modernen elfgeschossigen Bau aus Glas, Beton und Aluminium eindrucksvoll dargestellt. Weithin sichtbar bereichert er die Silhouette der Stadt. Dieses 50 Meter hohe Verwaltungsgebäude, in dem auch das Augsburger Rechenzentrum untergebracht ist, bietet in modernen Großraumbüros Platz für 700 Mitarbeiter.“ Das beschriebene Hochhaus verschwindet nun.

1971 waren bei NCR Deutschland insgesamt 8000 Menschen beschäftigt. Wie viele es zu diesem Zeitpunkt am Standort Augsburg waren, geht nicht aus der damaligen Jubiläumsschrift hervor. Es könnten einige Tausend gewesen sein. 1996 gab es nach der Einstellung der Produktion an der Ulmer Straße 160 noch 1300 Arbeitsplätze. Anfang 2016 verfügt das nunmehrige Software- und Serviceunternehmen in Augsburg über etwa 340 Mitarbeiter.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren