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Augsburg

08.05.2019

Das "Newseum" kommt. Oder?

Das große Vorbild: In Washington steht das „Newseum“, ein interaktives Medienmuseum. Für Augsburg war ein kleineres Projekt vorgesehen, das sich an dem US-Museum orientiert. Doch um diese Idee ist es still geworden.
Bild: Sam Kittner/Newseum

Stadt und Staatsregierung wollten in Augsburg ein besonderes Ausstellungskonzept umsetzen. Seitdem gibt es zum Medienmuseum aber erstaunlich wenige „News“.

Für Augsburg sollte es ein ganz besonderes Ereignis werden: der „Internationale Tag der Pressefreiheit“ am 3. Mai. Die Vorbereitungen der Stadt für den ersten bayernweiten Schülermedientag mit einer großen Veranstaltung in Augsburg und umfangreichem Begleitprogramm liefen seit Wochen. Doch der Veranstalter, die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (blz), teilte der Stadt kurz vor dem avisierten Datum überraschend mit: Kommando zurück, die Veranstaltung werde nun in München stattfinden, „aus organisatorischen Gründen“.

Im Referat von Oberbürgermeister Kurt Gribl läuteten die Alarmglocken. Nicht nur wegen des Schülermedientags, so wichtig dieser ist. Doch die Veranstaltung hätte aus Sicht der Stadt auch als eine Art Startschuss für ein weit größeres Projekt dienen sollen: für die zugesagte Augsburger Außenstelle der Landeszentrale als „bayerisches Bildungszentrum für Neue Medien und Demokratie“.

Das "Newseum" sollte zum bundesweiten Vorzeigeprojekt werden

Ein Projekt, das hohen politischen Stellenwert für den Freistaat hat und sogar bundesweit zu einem Vorzeigeprojekt werden sollte – nämlich auch als Koordinationsstelle für ein hochmodernes Medienmuseum auf knapp 2000 Quadratmetern im Glaspalast. Vorbild: keine geringere Einrichtung als das berühmte „Newseum“, ein interaktives Medienmuseum im Herzen der US-Hauptstadt Washington.

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Für das Projekt, besonders wichtig in Zeiten von „Fake News“, hatte der Oberbürgermeister warme Worte gefunden, auch Ministerpräsident Markus Söder wirkte höchst angetan. Am 25. August twitterte Söder: „Bayern wird in Augsburg eine Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung eröffnen, die sich mit der wichtigen Aufgabe der Medien für unsere Demokratie befassen wird.“ Bei einem Besuch in Augsburg stellte Söder zudem „etwa 15 Stellen“ in Aussicht. Diese neue Mannschaft sollte besagtes „Newseum“ vorantreiben. Gar ein Eröffnungstermin für die neue Institution war bereits avisiert – der 9. Oktober 2019.

 

Doch weniger als ein halbes Jahr vor diesem Datum ist von einem „Newseum“ in Augsburg keine Rede mehr. Mehr noch: Wie die Außenstelle der Landeszentrale konzeptioniert, finanziert und personell ausgestattet sein wird – auch das ist im Mai 2019 weiter völlig unklar.

Stadt und Landesregierung zogen zunächst an einem Strang

Harald Parigger, bis Anfang des Jahres Direktor der Landeszentrale, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Mir ist das unerklärlich. Ich dachte, alles sei in trockenen Tüchern.“ Das neue Bildungszentrum in Augsburg sei sein dringendstes Anliegen gewesen. Stadt und Landeszentrale hätten in seiner Amtszeit an einem Strang gezogen, um eine moderne, personell gut ausgestattete Bildungseinrichtung im Glaspalast zu schaffen. Für ihn sei auch klar gewesen, dass dort die besten Exponate der pressegeschichtlichen Sammlung der „Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum“ zu sehen sein sollten. Bislang lagert diese unzugänglich in Augsburg. Und Parigger betont, die Politik habe voll dahinter gestanden, neben Gribl und Söder auch der damalige Bildungsminister Bernd Sibler ( CSU). Eine Landtagswahl, einen Wechsel an der Spitze des Kultusministeriums sowie an der Spitze der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit später, steht das Projekt allerdings weiter ganz auf Anfang. Nun fragt man sich in Augsburg gar, ob die Absage der Auftaktveranstaltung des Schülermedientags womöglich auch das Ende der Augsburger Außenstelle der Landeszentrale bedeute. Harald Parigger jedenfalls spricht von einem „schlechten Omen“.

Günther Schuster, Sprecher des neuen bayerischen Kultusministers Michael Piazolo vom CSU-Koalitionspartner Freie Wähler, stellt das natürlich anders dar. Er betont, gerade erst sei doch eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, in der die Landeszentrale, das Kultusministerium und die Stadt Augsburg „gemeinsam und ergebnisoffen ein Konzept für die geplante Außenstelle entwickeln“.

Das verwundert aber. Denn es gibt doch bereits ein Konzept von Landeszentrale und Stadt, worauf nicht nur Parigger, sondern auch Richard Goerlich, persönlicher Referent von Oberbürgermeister Gribl, verweist. Stadt und Landeszentrale hatten im Mai 2018 eine „Denkwerkstatt Medien, Demokratie & Digitale Kompetenz“ mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen veranstaltet. Diese sollten eine Antwort darauf finden, wie politische Bildung in Zeiten von Fake News gelingen könne. Die beiden Partner vereinbarten schließlich nach Recherchen unserer Redaktion Ende Januar eine „Absichtserklärung zur Realisierung eines Konzeptes zur Entwicklung einer Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Augsburg“. Die Außenstelle, versicherte man sich damals gegenseitig, werde kommen – man wolle sie im Sinne der Ergebnisse der „Denkwerkstatt“ vorantreiben. Diese hatte im Mai 2018 als Aufgabe für die Außenstelle ein integriertes „Museumskonzept zum Anfassen“ vorgeschlagen, ein „Newseum Bayern“. Doch davon ist nun, hört man sich in Kultusministerium und Staatskanzlei um, keine Rede mehr. Zumindest auf höchster Regierungsebene ist zudem die Bereitschaft, sich übermäßig dafür zu engagieren, gering. Söder hat aus seiner Sicht geliefert, eine Außenstelle der Landeszentrale in Augsburg nämlich. Die mühsamere Umsetzung liege nach Darstellung seines Umfelds nun beim Kultusministerium und damit dem Koalitionspartner.

Es gab ein Krisengespräch zwischen Minister und Oberbürgermeister

Doch dort kommt sie aus Sicht der Stadt Augsburg nicht weiter. Im April 2019 gab es nach Informationen unserer Redaktion eine Art Krisengespräch zwischen Oberbürgermeister Gribl und Minister Piazolo. Das Resultat: Zwei städtische Mitarbeiter und zwei Mitarbeiter der Landeszentrale, deren Verwaltungsratsvorsitzender Piazolo ist, sollen binnen eines Jahres Ergebnisse für ein personelles, organisatorisches und finanzielles Konzept für die Außenstelle liefern. Ohne dieses Konzept, heißt es in Ministeriumskreisen, könne es nicht vorangehen.

Klar scheint zu sein, dass ein reines Museumskonzept nicht realistisch ist. Auch im Entwurf der Stadt ging es aber immer nicht bloß um eine Ausstellung, sondern ein umfassendes Bildungskonzept, etwa zum Thema Fake News.

Das Hick-Hack um die Außenstelle der Landeszentrale hat hinter den Kulissen Spekulationen ausgelöst. Etwa die, dass politische Gründe hinter der Entwicklung stecken könnten. Möglicherweise sei die Augsburger Position in München geschwächt: Oberbürgermeister Gribl hatte im März angekündigt, dass er sich bei der nächsten Kommunalwahl im Jahr 2020 nicht mehr um dieses Amt bewerben werde. Auch die berufliche Zukunft seines Referenten Goerlich, federführend bei der Konzeption des avisierten Bildungskonzepts, ist damit unsicher. Und noch eine andere politische Volte wird von Augsburger Politikern gerne vorgebracht: Im bayerischen Kultusministerium in München gebe es einflussreiche Vertreter, die keineswegs von der Idee angetan seien, dass Augsburg nach der Uniklinik und dem Staatstheater schon wieder eine größere Einrichtung bekommen solle.

Weder Kultusminister Michael Piazolo noch Ministerpräsident Markus Söder wollten sich auf Anfrage offiziell zu der Zukunft des „Newseum“ äußern. Damit hängt ausgerechnet über der Institution, die sich offenen Medien widmen sollte, erst einmal: eine Art Nachrichtensperre.

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