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26.03.2009

Das Schicksal lässt sich nur ungern lenken

Firnhaberau (alon) - "Ein Blick auf die Füße und es enthüllt sich mir der ganze Charakter!" Die Hausmeisterin Anni Wiesner (Christl Dietrich) weiß alles und kann alles.

Sie lenkt die Geschicke ihrer Familie, hat ihre älteste Tochter Helen (Bettina Perocco) mit einem amerikanischen Millionär verheiratet und sammelt bereits Instrumente und Patienten für ihren Medizin studierenden Sohn Herbert (Dirk Dietrich). Tochter Inge (Dorothea Minolts) hat sich geweigert, die von der Mutter gewünschte Ballettkarriere zu machen und arbeitet als kleine Kellnerin in einer Bar, wird dafür von Anni auch heftig verachtet. Ehemann Karl (Frank Deininger) ist Straßenbahnfahrer und hält seine Frau für seine "Oberleitung". Die Familie lebt ärmlich in einer Souterrainwohnung, die ein "Fenster zum Flur" hat, das täglich Hunderte Male geöffnet wird.

Mit der Rückkehr von Helen und ihrem kleinen Sohn Dan (ausgezeichnet englisch parlierend: Fabian Seebach) beginnt für Anni ein schmerzhafter Prozess, in dem sie lernen muss, dass sich das Schicksal nicht durch zu sehr liebende Mütter lenken lässt. Auch durch Klempner Erich (Rainer Seebach) und Musiker Adam (Thomas Hahnemann) muss Anni so einiges lernen.

Langsam emanzipiert sich der Muttersohn

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Regisseur Rainer Lechner hat seine Theaterleut' zu großer schauspielerischer Kunst gebracht. Die vielen lustspielhaften Gags spielt die Truppe mit viel Spaß am Spiel aus, Anni etwa versucht sich vergeblich am Gebrauch komplexer Fremdwörter und spricht etwa von der "deliziösen Suppe". Dirk Dietrich spielt den Herbert als einen sich langsam emanzipierenden Muttersohn und gibt ihm einen lausbübisch-komödiantischen Charakter.

Christl Dietrichs Talent und ihre vielseitige Präsenz überstrahlen das ganze Stück. Wie ein Wirbelwind fegt sie über die Bühne, spielt Fangen mit dem Enkelsohn, sie regiert, dirigiert, triumphiert und scheitert - glaubwürdig und bei aller Lächerlichkeit voller Würde. Frank Deininger als Karl ist ihr ein ebenbürtiger Partner, der seiner Figur Weisheit und Tiefe gibt. Sowohl die witzigen Momente als auch die traurigen Szenen seines versuchten Selbstmordes gelingen Deininger auf berührende Weise.

Beim Bühnenbau haben sich die Theaterleut' diesmal selbst übertroffen: Der Porzellanfilter, das Röhrenradio und die Kaffeemühle schaffen die Illusion der 60er-Jahre-Küche. Aus dem Wasserhahn läuft Wasser, auf dem Gasherd werden je nach Tageszeit Kaffeewasser oder Schildkrötensuppe gekocht oder sogar Schnitzel gebraten. Bei aller technischen Raffinesse hatten Zuschauer in den ersten Reihen die Handlung auch in der Nase.

Am Ende der Premiere gab es reichlich verdienten Applaus für das engagierte Ensemble, den Regisseur und alle Mitwirkenden hinter der Bühne. Nächste Aufführungen: Freitag, 20 Uhr, Samstag, 20 Uhr, und Sonntag, 18 Uhr.

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