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Kultur

06.02.2015

Das Theater auf dem Prüfstand

„Die meisten Abonnenten haben gemischte Abos, besuchen also alle Sparten. Die Abwechslung im Spielbetrieb ist dringend nötig.“Kulturreferent Thomas Weitzel

Weil die Sanierung so teuer wird, fragen sich viele, ob sie überhaupt notwendig ist. Reicht nicht ein kleineres Haus? Brauchen wir drei Sparten?

Warum muss das Theater saniert werden?

Das Große Haus stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts. Nach seiner weitgehenden Zerstörung im Februar 1944 wurde es wieder aufgebaut und 1956 eröffnet. Die Bausubstanz aus der Nachkriegszeit ließ von Anfang an zu wünschen übrig. Hinzu kommt, dass das Fundament des Hauses nicht für die Last ausgelegt ist, die es zu tragen hat. Auch Verwaltungstrakt und Freilichtbühne sind marode.

Wie errechnen sich die aktuellen Kosten fürs Große Haus?

Die 118 Millionen Euro für dessen Sanierung basieren auf Untersuchungen der Münchner Theaterplaner Achatz. Was die Maßnahme so teuer macht, ist unter anderem der Bühnenturm. Dabei handelt es sich um den über 30 Meter hohen Gebäudeteil, den man von außen gut sehen kann. Dieser Bühnenturm besteht aus einer Stahlkonstruktion aus der Nachkriegszeit. Teile der Stahlträger sind korrodiert und instabil. Der Bühnenturm ist um bis zu 70 Prozent überlastet. Seine Sanierung kostet alleine über 30 Millionen Euro. Offenbar hat die Stadt in die 118 Millionen Euro auch schon einen Anteil für etwaige Kostensteigerungen einkalkuliert. Sollten sich in der laufenden Sanierung Verteuerungen abzeichnen, wären diese finanziell abgesichert.

Warum braucht man 200 Millionen Euro für die Gesamtmaßnahme?

Es reicht nicht, nur das Große Haus zu sanieren, denn auch der Verwaltungstrakt an der Kasernstraße stammt aus den 50er Jahren. Dieser Bau ist marode, die darin befindlichen Werkstätten und Proberäume sind für ein Theater der Größe Augsburgs zu klein. Das Verwaltungsgebäude soll nach neuestem Stand abgerissen und neu gebaut werden. Eine Sanierung macht nach Ansicht von Architekten keinen Sinn: Sie käme genauso teuer wie ein Neubau, brächte aber nicht dessen räumliche Vorteile.

Warum ist die Sanierung nun teurer als 2009 vermutet? Handelt es sich um eine Fehlplanung?

Nein. Das Theatergutachten von 2009 war lediglich eine Grundlagenermittlung. Ein Hamburger Büro sollte untersuchen, wie der Theaterstandort Augsburg optimal aufgestellt wäre. Auslöser war die Schließung der Komödie und die Suche nach dem besten Standort für eine zweite Spielstätte. Die Sanierungskosten fürs Große Haus beliefen sich demnach auf 27 Millionen Euro. Dazu kamen rund 60 Millionen Euro für den Neubau eines Schauspielhauses und bis zu 15 Millionen für die Freilichtbühne. Insgesamt war die Rede von 100 Millionen. Das Große Haus wurde damals aber nur „grob“ begutachtet. Das Büro Achatz hat nun genaue Untersuchungsergebnisse vorgelegt, die Bausubstanz, Statik, Technik und viele andere Aspekte beinhalten. Dabei habe sich unter anderem herausgestellt, dass es um die Statik schlechter bestellt ist, als es den Anschein macht. Manche „tragende“ Säulen zum Beispiel sind innen hohl.

Was wurde in den vergangenen Jahren bereits saniert?

Anfang der 90er bekam das Theater eine neue Untermaschinerie. Sie kostete rund 40 Millionen Mark. Im Jahr 2000 begann eine Teilsanierung der Fassade am Großen Haus; 400000 Euro wurden investiert. Der zweite Teil der Maßnahme wurde aus Geldmangel verschoben. 2006 wurde die Steuerung der Untermaschinerie für eine Million Euro erneuert. Ansonsten wurde immer da geflickt, wo es nötig war: Die Decke des Magazingebäudes wurde für eine halbe Million statisch ertüchtigt, die Fassade mit Netzen gesichert, der Bühnenturm so abgedichtet, dass es nicht mehr hineinregnet, der Hoffmannkeller beim Brandschutz auf einen akzeptablen Stand gebracht...

Sind das nachhaltige Investitionen oder muss bei einer Generalsanierung auch an diesen Stellen nachgebessert werden?

Wie viel Geld die Stadt in diese Sicherungsmaßnahmen investiert hat, kann das Hochbauamt nicht sagen. Der Betrag war wohl siebenstellig. Die Fassadensanierung, in deren Rahmen auch Fenster erneuert wurden, hat wohl über die Generalsanierung hinaus Bestand. Bei anderen „Notmaßnahmen“ sieht es anders aus. Fraglich ist zum Beispiel, ob der Hoffmannkeller nach der Sanierung so überhaupt noch besteht – er liegt unter dem Verwaltungsgebäude, das abgerissen wird.

Käme ein Neubau des Theaters günstiger?

Offenbar wurde diese Variante geprüft. Man hat dazu auch die Situation in anderen Städten verglichen. Fazit laut Baureferent Gerd Merkle: Der Neubau einer vergleichbaren Bühne käme auf bis zu 180 Millionen Euro. Dazu kämen noch die Abrisskosten fürs derzeitige Große Haus. Die Krux ist außerdem, dass das Große Haus denkmalgeschützt ist. Die Denkmalschutzbehörde würde einem Abbruch wohl nicht zustimmen. Ein Neubau auf der grünen Wiese ist ebenfalls problematisch. Erstens gibt es kein so großes Grundstück in zentraler Lage und außerhalb der Stadt soll das Theater nicht angesiedelt werden. Zweitens gehört das Große Haus der Stadt. Sie müsste es auch ohne Nutzung durch das Theater sanieren und danach einen neuen Verwendungszweck finden.

Was geschieht im Rahmen der Sanierung mit der Brechtbühne?

Sie ist eine Übergangsspielstätte, ausgelegt auf 15 Jahre. Das Schauspielhaus wurde 2012 eröffnet, würde demnach also bis 2027 genutzt. Weil der 5,3-Millionen-Bau eine Interimslösung ist, ist die Ausstattung entsprechend minimalistisch. Die Brechtbühne hat zum Beispiel keine Unterbühne. Kommt die große Theatersanierung, beinhaltet sie auch den Neubau einer zweiten Spielstätte. Sie könnte nördlich des Theaters – vom Kennedyplatz aus gesehen also hinter dem Großen Haus – entstehen. Der Eingang könnte an der Kasernstraße liegen. Angeschlossen an diese Spielstätte würde wohl der Verwaltungstrakt samt Werkstätten und Probebühnen. Ein Vorteil wäre, dass viele funktionale Räume künftig auf einer Ebene mit den Bühnen lägen. Komplizierte Transporte von Bühnenbildern und Kostümwagen gehörten damit der Vergangenheit an.

Warum verzichtet man nicht einfach auf eine Sparte?

Das Theater Augsburg ist eines der größten städtischen Theater Deutschlands. Es ist ein Dreispartenhaus mit Musik-, Ballett- und Schauspielensemble. Hinzu kommt die Sparte Konzert. In den vergangenen Jahrzehnten wurde häufig auch der Verzicht auf eine Sparte diskutiert. Im Gespräch war stets das Ballett, Auslöser war immer mangelndes Geld. Derzeit hat die Compagnie 14 Tänzer, jeder verdient im Schnitt 2300 Euro monatlich. Würde man die Sparte streichen, brächte das nicht viel Geld. Man könnte dann aber viele Produktionen nicht mehr bestreiten. Auf der Freilichtbühne zum Beispiel sei die Compagnie laut Kulturreferent Thomas Weitzel unverzichtbar. Die Auflösung einer Sparte wäre wohl auch mit Einnahmeverlusten verbunden: „Die meisten unserer Abonnenten haben gemischte Abos, besuchen also alle Sparten“, sagt Weitzel. Davon abgesehen hätte die Streichung einer Sparte keinerlei Auswirkungen auf die Sanierung. Sie würde damit nicht billiger.

Und warum kommt das Theater nicht mit einer Spielstätte aus?

Selbst wenn man eine Sparte weniger hätte, könnte man nicht auf ein kleines Haus verzichten. Diese Spielstätte beherbergt Ballett und Schauspiel. Diese Sparten können nicht ohne Weiteres ins Große Haus verlegt werden, weil es zu groß ist für viele Produktionen. Außerdem könnte dann nicht so häufig gespielt werden. Die Freilichtbühne steht laut Kulturreferent Thomas Weitzel gar nicht zur Disposition: In guten Sommern bringt sie dem Theater die meisten Besucher und gute Einnahmen. Denkbar wäre aber, die künftige zweite Spielstätte nicht nur für Theater zu nutzen, sondern als Saal für mehrere Veranstalter.

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