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Augsburg

14.01.2014

Das Theater – ein Freudenhaus

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Musikdramaturgin Marlene Hahn hat das Bühnenprogramm zusammengestellt.

Der Augsburger Opernball naht:  Die Gäste feiern am Samstag die 80er Jahre. Das heißt: Neue Deutsche Welle, Tschernobyl, Modern Talking und mehr. Und dann wäre da ja noch das Rotlichtviertel

Die Frauenbeine, denen Wolfgang Buchners Aufmerksamkeit gilt, sind etwa vier Meter lang und die „Dame“, der sie gehören, besteht aus nichts anderem als diesen Beinen. Sie trägt rote Pumps und Netzstrumpfhosen. „Die haben wir aus Koffernetzen der Bahn gemacht“, sagt Buchner.

Seit Wochen tüfteln der Ausstattungschef des Theaters und sein Team an der Dekoration des Opernballs. Motto: 80er Jahre. Untertitel: Skandal im Sperrbezirk. Die Damenbeine werden am Ballabend das Eingangsportal der Probebühne bilden. Drinnen, sagt Buchner, werde er sich „subtil“ aus dem Motto „herausretten“. Nackte Haut, ja, die sei natürlich zu sehen. Aber eben „in symbolistischer, akademischer Maltradition“.

In dieser Woche ist das Große Haus vorstellungsfrei und geschlossen. So viel Zeit bleibt, um das Parkett zu überbauen, um Logen aufzubauen, um Wände und Decken zu dekorieren. Das Ensemble, das das Bühnenprogramm einstudiert, hat noch weniger Luft: „In vier Tagen muss das, was im Kopf entstand, zusammengefügt werden“, sagt Musikdramaturgin Marlene Hahn.

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Ein Budget gibt es dafür nicht und damit auch keine eigenen Kostüme. Da das Theater Augsburg im Gegensatz zu anderen Häusern aber noch über einen Fundus verfügt, können sich Schauspieler, Sänger und Tänzer daraus bedienen. „Wir haben beispielsweise Kostüme aus einer alten My Fair Lady zu Baumgardt-Zeiten ausgegraben“, sagt Marlene Hahn.

Ein Paillettenkleid und viel Musik

Lea Sophie Salfeld wird ein Paillettenkleid in Nachtblau tragen und unter anderem den Abba-Song „The Winner takes it all“ singen. „Der ist wirklich aus den 80ern“, versichert sie. Sie habe das im Internet nachgeschaut. Die Schauspielerin hat das Dauerwellen-Schulterpolster-Modern-Talking-Jahrzehnt nicht bewusst miterlebt; sie kam erst 1985 zur Welt. „Aber die Musik, also Neue Deutsche Welle, Michael Jackson und und und, das sagt einem natürlich was.“ Marlene Hahn ist genauso alt wie Lea Sophie Salfeld. Trotzdem seien ihr die 80er nahe: „Zu Hause lagen überall die Musik-Aufnahmen meiner Eltern, den Film Dirty Dancing haben wir auf Video rauf und runter geschaut.“ Wen wundert’s also, dass dieser Tanzfilm mit Patrick Swayze auch beim Opernball Thema sein wird. Und Patrick bleibt sogar Patrick: Swayzes Part übernimmt beim Opernball Balletttänzer Patrick Howell.

Die 80er, sagt der Amerikaner, habe er schon immer geliebt. Wahrscheinlich wegen der Musik: „Ich erinnere mich daran, wie wir vor dem Radio saßen, um die Songs aufzunehmen.“ Wenn er heute Duran Duran hört, fühle er die 80er sofort wieder. Beim Opernball wird er ein paar Dirty-Dancing-Tanzschritte und -figuren zeigen. Begleitet von Sängerin Kerstin Descher, die den Song „Time of my Life“ singt.

Descher hat die 80er „voll abbekommen“. Sie war damals eine Jugendliche und hat deshalb nicht nur positive Erinnerungen wie die Musik oder Blues tanzen im Kopf. Das Reaktorunglück in Tschernobyl löste einen Schock aus. „Wir waren ein paar Tage später beim Fest Rhein in Flammen. Als plötzlich Regen angesagt war, sind wir fluchtartig nach Hause gerannt, um nichts abzubekommen.“

Wenn sie sich an die Mode der 80er erinnern, kommen einige Ensemblemitglieder des Theaters ins Schaudern. „Ich habe erst vor Kurzem mit meiner Mutter im Kleiderschrank gestöbert. Wir mussten sehr lachen und haben uns gefragt, wie wir all die schrecklichen Sachen früher bloß tragen konnten“, sagt Kerstin Descher. Schulterpolster, weite Säcke, Neon, Popper und Punker, Föhnwelle... Toll sei das nicht gewesen.

Vielleicht hat es Ausstattungschef Wolfgang Buchner in dieser Hinsicht von allen Theaterleuten also am leichtesten: Im Sperrbezirk spielt das Outfit keine so große Rolle. Rote Pumps und Koffernetz-Strümpfe reichen vollkommen. Wer Buchner allerdings kennt, dürfte wissen, dass er noch einige Überraschungen für ein perfektes Erscheinungsbild des Balls in petto hat...

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