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02.05.2016

Das Theater – eine Bruchbude?

Sanierung Die Fenster undicht, die Wände schimmelig, der Platz zu wenig – die Liste von Mängeln ist schier unendlich. Ein Überblick

Wenn die Augsburger Philharmoniker proben, bedeutet das Stress: Bis zu 150 Personen spielen und singen dann in einem Raum mit rund 240 Quadratmetern. Die Trompeter blasen ihren Vordermännern in die Ohren, der Dirigent kann seine Musiker nicht richtig hören. Wie ein Stück wirklich klingt, bekommen die Philharmoniker meist erst bei den Endproben auf der Bühne mit.

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Für ein Orchester dieser Größe müsste der Probensaal knapp 390 Quadratmeter haben. Käme die Sanierung des Theaters, würden diese Anforderungen nach Jahrzehnten auch erfüllt. Eine Möglichkeit wäre, den Probensaal als Solitärbau auf den Grünstreifen zwischen Theater und Volkhartstraße zu stellen. Ob es so weit kommt, hängt unter anderem vom Ausgang des Bürgerbegehrens gegen die Sanierung ab.

Die bauliche Situation im Großen Haus ist schwierig. Das Theater wurde in den 50er Jahren hochgezogen, seitdem wurde es nicht mehr umfassend saniert. Ähnlich ist es um den Verwaltungsbau an der Heilig-Kreuz-Straße bestellt. Die Fenster sind undicht, die Wände schimmlig, überall bröckelt der Putz. Letzten Advent fiel eine Brandschutztüre aus den Angeln – das Theater musste sie in einer Art Notmaßnahme wieder einschweißen.

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Davon abgesehen ist der Platzmangel ein Problem: Garderoben und Werkstätten sind zu klein. In den Werkstätten haben sich so Arbeitsabläufe entwickelt, die wenig effektiv sind: Bühnenbilder müssen in Teilen gefertigt werden, weil sie erst auf der Bühne zusammengefügt werden können. Dies hat Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter. In keiner städtischen Einrichtung gibt es laut Stadtverwaltung so viele krankheitsbedingte Ausfälle wie im Theater.

In den schmalen Gängen, an denen die Garderoben liegen, stehen Kleiderständer mit Kostümen. Auch dies ist nicht erlaubt: Die Gänge müssten eigentlich als Fluchtwege genutzt werden können. Doch in den Garderoben ist für die Kostüme kein Platz mehr. „Einen solchen Zustand findet man heute vermutlich nicht einmal mehr in Jugendherbergen“, sagt Hendrik Euling-Stahl, der Baufachmann des Theaters Augsburg.

Die Hinterbühne, die in Augsburg sehr groß ist, steht für technisch aufwendige Inszenierungen nicht mehr zur Verfügung. Sie dient als Lagerfläche, um Kulissen bis zur nächsten Aufführung „aufzubewahren“. Ähnliches gilt für die Unterbühne, auch hier stehen Kulissen.

Sorgen macht der Theaterleitung aber vor allem der Brandschutz: Ende vergangenen Jahres mussten im Untergeschoss des Großen Hauses noch neue Brandschutzwände und -türen eingebaut werden. Die Brandmeldeanlage wurde in diesem Zug notdürftig gegen ein mögliches Feuer abgesichert. Die bisherige Abdeckung entsprach nicht mehr den Anforderungen. Die Mitarbeiter, die während Inszenierungen im Schnürboden tätig sind, müssen mit Funkmeldern ausgestattet sein, um rechtzeitig alarmiert werden zu können. Hintergrund: Die Fluchtwege überschreiten die vorgeschriebene Länge um ein Vielfaches.

Über Jahre hinweg hat das Theater diese Probleme notdürftig gelöst, zuletzt wurden 600000 Euro in die statische Sicherung des Magazingebäudes gesteckt. Diese Flickschusterei, hofft man, wird mit der Sanierung nun bald ein Ende haben.

Termine Das Theater macht regelmäßig Führungen hinter die Kulissen des Theaters. Infos beim Besucherservice unter Telefon 0821/324-4900.

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