Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Das ganze Leben in einem Koffer

26.07.2010

Das ganze Leben in einem Koffer

Seit einer Woche sind Noel Amirkhanyan und sein Sohn Sargis wieder in Armenien. Ihr Asylantrag war von den deutschen Behörden erst genehmigt, dann aber abgelehnt worden. Noel hatte bei seiner Herkunft geschwindelt, was nach zehn Jahren aufkam (wir berichteten).

Auch Einsatz und Fürspruch der Baptistengemeinde im Univiertel konnten nichts daran ändern, dass die beiden gut integrierten Armenier ihr Bleiberecht in Deutschland verwirkt hatten. "Erst gestern habe ich mit ihnen telefoniert", erklärte Baptistenpfarrer Thorsten Schacht, "sie versuchen jetzt halt, in ihrer alten Heimat wieder Fuß zu fassen."

Ganz leicht dürfte das nicht sein, denn als persisch-christliche Minderheit, zu der Noel und Sargis gehören, seien sie in Armenien nicht selten Repressalien ausgesetzt. "Aber lieber frei in Armenien, als gefangen in Deutschland", sagt Schacht, habe Noel noch kurz vor seiner Ausreise zu seinem Seelsorger gesagt. Für den ist die Angelegenheit auch noch nicht vorbei, denn die Armenier hatten keine Möglichkeit, ihre Wohnung aufzulösen und persönliche Sachen einzupacken.

Zum Schluss im Hochfeld hinter Gittern

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der letzte Eindruck, den Vater und Sohn von Augsburg hatten, war der eines deutschen Gefängnisses. Die letzten 14 Tage ihres zehnjährigen Aufenthaltes in Deutschland saßen die beiden Armenier in Abschiebehaft in der JVA im Hochfeld. Sie waren verhaftet worden, als sie sich ordnungsgemäß im vierwöchigen Turnus in der Ausländerbehörde an der Blauen Kappe gemeldet hatten. In ihre Wohnung in der Rauwolffstraße in der Jakobervorstadt kamen sie nicht mehr.

"Persönliche Sachen, Erinnerungsfotos und Kleidung", erzählt Schacht, "brachte ich ihnen ins Gefängnis. Zweimal 20 Kilogramm durften sie mitnehmen, das ganze Leben in einem Koffer."

Auch um die Auflösung der Wohnung will sich Schacht kümmern, "allerdings unter der Bedingung, dass die Amirkhanyans die Kaution wiederbekommen", so Schacht. Immerhin 900 Euro. "Davon kann man eine ganze Weile in Armenien leben." Den Betrag wird der Pfarrer ihnen schicken, zusammen mit einem kleinen Büchlein, in dem sich die ganze Baptistengemeinde von Noel und Sargis Amrikhanyan verabschiedet.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren