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Zoo-Speiseplan

29.12.2011

Das große Fressen fällt aus

Zoo
3 Bilder
Das schmeckt: Die Plumploris im Zoo haben Insekten zum Fressen gern. Die Primaten ziehen diese Nahrung einer Banane vor, auch wenn Früchte zu ihrer täglichen Nahrung gehören.
Bild: Anne Wall

Für Robben gibt es jetzt nur Tiefkühlfisch. Die Futterbeschaffung für 1500 Tiere aus aller Welt ist aufwendig und teuer.

Von wegen großes Fressen. Für die Robben und Pinguine im Augsburger Zoo fällt der Speiseplan zu Silvester bescheiden aus. Es gibt nur Fisch aus der Tiefkühltruhe. Frische Heringe aus der Ostsee mögen die Zootiere viel lieber. „Aber die sind gerade nicht zu haben“, sagt Direktorin Barbara Jantschke. Die Fangquoten für diese Fischart seien heuer schon ausgeschöpft.

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Einen ganzen Zoo voller Tiere satt zu kriegen, ist nicht nur teuer. Es macht auch viel Arbeit, die Verpflegung für rund 1500 Tiere aus aller Welt zu organisieren. Denn sie haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Fressgewohnheiten. „Bei uns läuft es ähnlich wie in einem großen Gastronomiebetrieb, nur vielfältiger“, sagt Jantschke.

Die größte Futtermenge machen Heu und Stroh aus. Alle zwei bis vier Wochen muss ein Traktor mit einer großen Ladung vorfahren, die aus der Region kommt. Insgesamt verbrauchen die Zootiere je 200 Tonnen Heu und Stroh im Jahr – eine gigantische Menge, die auch in der größten Lagerhalle nicht auf einmal unterzubringen wäre.

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Giraffen vertragen nur Heu aus Luzerne

Dabei ist Heu nicht gleich Heu. Die Giraffen beispielsweise bekommen nur Luzerne-Heu aus Frankreich. „Ein anderes vertragen sie nicht“, sagt Jantschke. In freier Wildbahn würden sich diese Tiere nicht von Gras, sondern vor allem von Blättern an Bäumen ernähren.

Auch Schilfheu aus Masuren hat der Zoo schon probeweise bestellt. In anderen Tiergärten schätzen Elefanten dieses Futter. Die Dickhäuter in Augsburg haben allerdings einen anderen Geschmack. Sie waren nicht begeistert.

Momentan machen der Zoodirektorin vor allem die Preise beim ganz normalen Heu Sorgen. Die Kosten seien heuer exorbitant gestiegen, sagt sie, teilweise um bis zu 100 Prozent. „Wenn das so weitergeht, müssen wir darüber nachdenken, Heu aus anderen Ländern der EU zu importieren.“ Das könne selbst mit dem langen Transport günstiger kommen.

Noch komplizierter ist die Versorgung der Fleischfresser im Zoo. Allein acht Tonnen Rindfleisch pro Jahr liefert ein Schlachtbetrieb aus dem Allgäu. Raubkatzen wie Löwen und Tiger mögen Rindfleisch mit Knochen gern. Geradezu Feinschmecker sind aber die Mähnenwölfe und Nasenbären. Sie schätzen besonders das Fleisch von frisch geschlachteten Kamerunschafen. Laut Jantschke wird ein Teil der Schafe im Zoo regelmäßig für Futterzwecke verwendet, allerdings nur junge und gesunde Tiere.

Auch Affen verspeisen gerne mal ein Insekt

Auch Futtermäuse werden im Zoo gezüchtet. „Es gibt Schlangen, die fressen nur frisch getötete Mäuse, denn sie brauchen den Wärmeimpuls der Beute“, erklärt die Direktorin. Das meiste Kleingetier zum Fressen wird aber ebenfalls eingekauft. Der tierische Speiseplan reicht von Küken und Ratten über Heuschrecken und Maden bis hin zu Fruchtfliegen. Für Menschen sind die kleinen schwarzen Fliegen eine wahre Plage. Aber Frösche oder Kolibris haben sie zum Fressen gern. Selbst Affen verspeisen gerne mal ein Insekt. „Meine Plumploris würden mit Sicherheit ein Insekt einer Banane vorziehen“, sagt Jantschke.

Unmengen von Futter braucht der Zoo für Vögel. 55 Tonnen Körnermischung sind es pro Jahr. Vor allem im Winter steigt der Verbrauch rapide an. Denn dann kommen scharenweise heimische Stockenten zum Mitfressen in die Zooteiche. „Ganz schlimm wird es, wenn es zufriert“, sagt Jantschke.

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