Film

12.02.2015

Das muss Liebe sein

Der Friedberger Maximilian Hillmer ist gerade dabei, seinen ersten eigenen Spielfilm zu realisieren – über das DDR-Heimsystem.
Bild: Yves Krier

Der Friedberger Maximilian Hillmer hat für seine Kamerakunst schon Preise erhalten. Nun versucht er gerade, seinen ersten eigenen Spielfilm zu stemmen. Eine Herkulesaufgabe, von der er sich nicht abschrecken lässt

Das Filmemachen muss man wollen. So jedenfalls hört sich der Friedberger Maximilian Hillmer an, wenn er davon erzählt. „Es gibt so viele, die Schlange stehen“, sagt er. Diejenigen, die beim Drehen schlechte Laune verbreiten, die nicht mitziehen, die sich nicht reinhängen, hätten keine Chance, sagt er trocken. Deshalb sei das Filmen, das Filmemachen auch so eine tolle Sache. Es mache Spaß. Die Leute, die er dort treffe, würden das mit ganzem Herzen machen.

Wahrscheinlich muss das so sein, ansonsten kämen Filme nie zustande. Die Budgets sind groß und schwer zu beschaffen. Allein schon die Kameras, mit denen Hillmer am liebsten arbeitet, kosten pro Drehtag 1500 Euro Miete. Und weil er zu denen gehört, deren Herz für das analoge Filmen schlägt, kommen hinterher Kosten für das Entwickeln des Filmmaterials hinzu, die ruckzuck im fünfstelligen Bereich liegen. Bei solchen Summen gibt es zum Trödeln keine Zeit. Wenn gefilmt wird, schaut niemand genau auf die Uhr, sagt Hillmer. Alle seien voll bei der Sache. Und wenn es länger dauert, dauert es eben länger. Alle zögen mit. Gerade das mache das Filmen zu so einer besonderen, zu so einer erfüllenden Angelegenheit.

Wer Hillmer so reden hört, hat das Gefühl, ein alter Hase spricht von seinen Erfahrungen. Und Erfahrungen bringt Hillmer auch mit, aber ein alter Hase ist er nicht. Mit seinen 23 Jahren steht er noch am Anfang seiner Karriere. Und ja: „Mein Alter ist für manche erst einmal ein Problem“, erzählt Hillmer.

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Gerade ist er nämlich dabei, seinen ersten abendfüllenden Spielfilm anzugehen, nicht nur als Kameramann, möglicherweise auch als Regisseur. Sein Thema: Torgau und das menschenverachtende System der DDR-Jugendheime. Am Drehbuch wird gerade gearbeitet, einen renommierten Filmkomponisten aus Los Angeles hat er bereits gewonnen. Das Filmteam stellt er gerade zusammen, einen Produzenten sucht er, mit der Filmförderung steht er in Kontakt. „Da muss man ein richtiges Förderpuzzle zusammenstellen“, sagt er. Einen Film zu planen, hört sich also ungefähr so kompliziert und komplex an, wie einen Feldzug zu planen. Rund 30 bis 40 Leute dürften es am Ende sein, die am Filmset mitarbeiten. Wenn dann gedreht wird, müssen alle ziemlich genau wissen, was wann wie und wo gedreht werden soll, damit es reibungslos funktioniert.

Hillmer ist in diese Rolle langsam hineingewachsen. „Mein Onkel war für mich immer ein Vorbild“, erzählt er. Als Kameramann hat er gearbeitet, und die Geschichten, die er von den Dreharbeiten, von fernen Orten erzählt hat, haben sich bei Maximilian Hillmer tief eingebrannt. Mit 16 Jahren hat er dann selbst angefangen. Als Kamera-Assistent. Kabelrollen tragen, die Kamera einrichten, das Handwerk von der Pike auf lernen. Es folgte ein Studium der Kameraführung, als Kameramann unter anderem für Werbefilme verdient Hillmer mittlerweile seinen Lebensunterhalt. Wenn er nicht irgendwo am Drehen ist, lebt er in München.

Und nun ist er drauf und dran, sein erstes Spielfilm-Projekt zu stemmen. Rückenwind dafür bekam er, als er vergangenes Jahr beim New Wave Filmfestival in Los Angeles als Kameramann für den Film „Sub Rosa“ ausgezeichnet worden ist. Dort lernte er bei einer Party den Filmmusik-Komponisten Justin Melland kennen, der nun bereit ist, an „Marmorhaut“ mitzuarbeiten. So kommt das eine zum anderen.

Als Inspirationsquellen und Vorbilder nennt Hillmer Autorenfilmer, Wim Wenders, Alejandro Jodorowsky und Andrei Tarkowski. Folgerichtig hat sich Hillmer nicht einfach ein Drehbuch gesucht; er arbeitet mit an der Entwicklung des Stoffs. „Ein guter Freund erlebte das DDR-Heimsystem selbst“, sagt er. Deshalb sei er überhaupt auf die Idee zu „Marmorhaut“ gekommen.

In der öffentlichen Diskussion und Wahrnehmung spielt dieses menschenverachtende System auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung eine untergeordnete Rolle. Diejenigen allerdings, die dort untergebracht waren, haben teilweise ein Leben lang mit psychischen Folgen zu kämpfen. „In der Vorbereitung habe ich Interviews mit Betroffenen geführt“, erzählt Hillmer.

Wenn alles so läuft, wie Hillmer es sich vorstellt, möchte er im November „Marmorhaut“ drehen. Dann passen die Jahreszeit und der Stoff zusammen. Und er möchte den Film nicht digital, sondern auf klassischen Filmrollen drehen. „Die Körnung ist dabei anders. Als Zuschauer spürt man das“, findet er. Nur weiß er noch nicht, ob er selbst Regie führt und auch hinter der Kamera steht oder ob er nur die Regie übernimmt. Das ist alles noch im Werden.

Parallel zu diesen Planungen arbeitet Hillmer als Kameramann an einer Dokumentation mit, die in Portugal gedreht wird. Außerdem steht er gerade in Kontakt mit dem Schweizer Filmemacher Urs Odermatt. Ob er bei dessen nächstem Projekt als Director of Photography, also als hauptverantwortlicher Kameramann, zum Zug kommt, ist noch nicht entschieden. Nach einer ersten Auswahlrunde mit fast 50 Bewerbern sind drei übrig geblieben. Maximilian Hillmer ist darunter. Es wird also ein zweites Treffen mit Odermatt geben. Aber das Reisen liegt Hillmer, auch die Nächte in Hotelzimmern. Gerade deshalb macht ihm der Film so viel Spaß.

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