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Augsburg

25.01.2019

Das sagen Augsburger zu gendergerechter Sprache

Augsburg setzt künftig auf "geschlechtersensible" Sprache.
Bild: Bernd Hohlen

Mit einem Handbuch will die Stadtverwaltung Augsburg in Zukunft auf "geschlechtersensible Sprache" setzen. Wir haben uns umgehört, wie Augsburger das finden.

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt Hannover erhielten kürzlich ein Handbuch zum Thema Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Ziel ist es, dass Frauen und Männer durch Sprache nicht mehr diskriminiert werden. So wird zum Beispiel aus der „Mannschaft“ ein „Team“ und die „Mütterberatung“ zur „Elternberatung“. Ein Thema, das nun auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt Augsburg interessiert. Denn dort soll das Handbuch im Februar ausgehändigt werden. Eine gute Idee, wie die befragten Passanten in der Innenstadt finden.

„Die Stadt hat viel Macht über die Gesellschaft. Aufgrund ihres Vorbildcharakters finde ich es wichtig, dass gerade sie diese Entwicklung vorantreibt“, sagt zum Beispiel der 25-jährige Vivian Ramsperger. Er selbst arbeitet als Kulturschaffender und achtet bei den Veranstaltungen auf eine genderneutrale Sprache.

Vivian Ramsperger.
Bild: Steinke/Günther

Der 23-jährige Jonas Graber kann ihm da nur beipflichten: „Ich finde Genderneutralität wichtig. Die Veränderung der Sprache kann auf jeden Fall zu mehr Gleichheit beitragen.“

"Männer sind oftmals blind gegenüber diesem Thema"

Eine Meinung, die auch Franca Seidel vertritt. Die 20-Jährige studiert BWL und fühlt sich gerade in diesem Kontext als Frau häufig nicht angesprochen: „In der Wirtschaft sind oft nur männliche Berufsbezeichnungen zu finden: der Betriebsleiter, der Manager“, gibt sie zu bedenken. Dass vonseiten der Männer wenig Verständnis kommt, wundert sie nicht: „Männer sind oftmals blind gegenüber diesem Thema, weil sie automatisch bei allen Formulierungen angesprochen werden.“

Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Bei der Firma Kuka setzt man schon seit Längerem auf Genderneutralität, wie der 58-jährige Mitarbeiter Arnold Neumann berichtet. Er selbst findet diese Entwicklung wichtig: „Wenn ich das Wort 'Team' statt 'Kollegen' benutze, spreche ich alle an und es fühlt sich keiner ausgeschlossen.“

Viele, die mit "geschlechtersensibler" Sprache nichts anfangen können, wollen sich nicht zitieren lassen

Gabi Palm.
Bild: Steinke/Günther

Ausgeschlossen zu sein – das ist ein Gefühl, das die 61-jährige Gabi Palm nicht kennt: „Wenn zum Beispiel von 'Mannschaft' die Rede ist, fühle ich mich trotzdem angesprochen.“ Sie selbst lege im Alltag keinen gesonderten Wert auf Genderneutralität, findet die Anpassung der Sprache jedoch zeitgemäß. Sie ist sich sicher, dass sich die Veränderungen schon bald einbürgern und damit alltäglich werden.

Liest man die verschiedenen Ansichten der Passanten, entsteht der Anschein, als sei die Haltung zur Genderneutralität durchweg positiv. Dieser Eindruck täuscht. Bei der Straßenumfrage waren auch viele gegnerische Stimmen zu vernehmen, die aber nicht an die Öffentlichkeit gehen wollten.

Auf unserer Internetseite sucht man diese Zurückhaltung vergeblich. Viele Leser ärgert es, dass gerade ein solches Thema zur Debatte wird: „Die Instandsetzung von kaputten Straßen wäre wichtiger“, entrüstet sich zum Beispiel Marcus Stadler. Anita Müller empfindet den „vorauseilenden Gehorsam“ als „typisch deutsch“. Genderneutralität ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Bleibt abzuwarten, wie die Forderungen aus dem Handbuch in Zukunft umgesetzt werden.

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