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14.07.2014

Das sparsamste Stadion der Welt

Bei einer Führung wurde das Energiekonzept der SGL-Arena im Süden der Stadt erläutert.
Bild: Ruth Plössel

Egal ob Rasenheizung oder Klimaanlage: In der SGL-Arena wird wenig Energie verbraucht. Möglich wird das, weil ein Ingenieur eine Idee hatte und ein unerschöpfliches Reservoir genutzt wird.

Eigentlich war das ja alles überhaupt nicht so geplant, erzählt der Ingenieur Rudolf-Otto Reisch. Seine Firma hatte die Bauplanung für die SGL-Arena übernommen und die Bauaufträge an die Handwerksfirmen vergeben. Ein ganz normales Stadion sollte es werden, mit gewöhnlichen Heizkörpern in den Räumen, gespeist von einer mit Gas betriebenen Anlage. Verhindert hat das ein Anruf seines Kollegen Arno Pöhlmann von den Lechwerken.

Anlass war ein Bericht über die Rasenheizung im Rosenaustadion: „Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass man damit für einen Spieltag im Winter bis zu 10000 Liter Heizöl verbraucht, habe ich zum Telefonhörer gegriffen und Herrn Reisch gesagt, dass wir das im neuen Stadion besser machen müssen“, so Pöhlmann. Mit dieser Menge an Heizöl kämen acht Einfamilienhäuser durch einen ganzen Winter.

Pöhlmanns Idee: Grundwasser nutzen, um den Rasen im Winter auf natürliche Weise aufzuheizen. „Grundwasser wird schließlich nie kälter als zehn Grad Celsius. Pumpt man es nach oben und leitet es dann einfach unter dem Rasen durch, haben Schnee und Eis keine Chance“, erklärt er. Obwohl schon alle Pläne fertig und Aufträge teils sogar schon vergeben waren, ließ man die Idee prüfen.

Das sparsamste Stadion der Welt

Einige Bohrungen und Tests später war klar: Es funktioniert. Das Grundwasser, das aus 40 Metern Tiefe unweit des Stadions gefördert wird, setzen die Ingenieure nun nicht nur im Winter für die Rasenheizung, sondern auch im Sommer für die Klimaanlage im Stadion ein. So lassen sich laut Lechwerken im Sommer bis zu 90 Prozent Energiekosten sparen. Nach der Nutzung pumpt man das Wasser zurück in den Untergrund.

Beheizt wird die Arena in den kalten Monaten mit zwei Wärmepumpen, denen ebenfalls indirekt Energie aus dem Grundwasser zugeführt wird. Dadurch spart die SGL-Arena jährlich 700 Tonnen Kohlendioxid im Vergleich zu einer konventionellen Heizungsanlage, sagt Pöhlmann. Weil man den ungewöhnlichen Geräten damals aber noch nicht vollends vertraute, hat man zur Sicherheit auch eine Biogas-Heizanlage verbaut, die aber nur bei Bedarf benutzt wird.

Zum Tag der Energie, bei dem zahlreiche Gebäude in Bayern ihre Energiekonzepte vorstellen, öffnete auch das Augsburger Stadion seine Türen, ließ Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen. Staatssekretär Franz Josef Pschierer bezeichnete das erste klimaneutrale Stadion als Ausrufezeichen für den Energiewandel.

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