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Brechtfestival

23.02.2019

Das war das Brechtfestival 2019 - die Highlights auf einen Blick

<p>Das Brechtfestival 2019 steht unter dem Motto "Für Städtebewohner*Innen". Im Martinipark startete es mit einem umjubelten Gastspiel des Berliner Ensembles. Für Festivalleiter Patrick Wengenroth ein wichtiger Beitrag zum diesjährigen Festival. Am ersten Wochenende war aber auch viel Lyrik geboten. Und im Provinoclub gab es ein wildes Live-Hörspiel zu erleben.</p>
Video: Richard Mayr

Theaterexperimente, umjubelte Gastspiele, eine harte Baal-Inszenierung, dazu jetzt eine Ausstellung. Das war das diesjährige Brechtfestival.

Zehn Tage Brechtfestival sind nun vorbei. Damit endet auch die Zeit von Patrick Wengenroth als künstlerischer Leiter. Am Abschlusswochenende gab es noch einmal viel zu sehen. Zum Abschluss das Gastspiel "Unendlicher Spaß", die Bühnenadaption eines riesigen Romans. Auf der Bühne des Martiniparks begeistert ein Star-Ensemble Augsburg. Aber war es wirklich eine gute Inszenierung? (Hier lesen Sie mehr zu "Unendlicher Spaß").

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Das Festivalmotto lautete in diesem Jahr "Für Städtebewohner*Innen". Wie passend das in Bezug auf Brecht ist, zeigen die beiden wissenschaftlichen Vorträge des Germanisten Helmuth Kiesel und des Brechtforschers Jürgen Hillesheim. Es geht zurück in die 1920er Jahre in eine Zeit, als die Städte unglaublich schnell in Deutschland wuchsen und Eingang in die Künste fanden (Hier lesen Sie mehr dazu).

Das Brechtfestival-Finale beginnt am Freitagabend mit der Langen Brechtnacht. Alle Konzerte finden im Textilviertel statt, die Besucher pendeln zwischen Martinipark, Textilmuseum und Provinoclub hin und her. Es gibt gleich zwei große Bühnen und keine Einlasssperren, vor allem aber tolle Musik (Hier lesen Sie mehr über die Lange Brechtnacht).

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Bei der Langen Brechtnacht gab es viel Musik. Hier die besten Bilder von der Veranstaltung im Augsburger Textilviertel.
60 Bilder
Geballte Ladung Musik: Lange Brechtnacht in Bildern
Bild: Michael Hochgemuth

Was bisher geschah

Wer Rainer Werner Fassbinder in Volker Schlöndorffs "Baal"-Verfilmung in der Titelrolle sieht, spürt sofort: Zwischen Brechts Antiheld und Fassbinder gab es energetische Parallelen. Diese Kraft steckt auch in den Texten, die Fassbinder selbst geschrieben hat. Dieser Logik folgt Festivalleiter Patrick Wengenroth und das Theter-Ensemble. Es bringt jetzt auf Wunsch des Festivalleiters Fassbinders Stück "Anarchie in Bayern" auf die Bühne. Gelungen, wie unser Kritiker findet (Mehr dazu lesen Sie hier).

Augsburg, die schwäbische Metropole, spielte bei der Ausrufung der bayerischen Räterepublik eine wichtige Rolle - als Scharfmacher. Dann allerdings kippte in der Stadt die Stimmung ziemlich schnell. Nach sieben Tagen änderte man die eigene Meinung. Das ist jetzt nachzulesen in einer Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek, die Brechts Verhältnis zu dieser Revolution im Rahmen des Brechtfestivals nachgeht. ( Hier lesen Sie mehr über die Ausstellung ).

Exponate der Ausstellung: Bertolt Brecht im Garten.
Bild: Staats- und Stadtbibliothek

In die unermesslichen Weiten der digitalen Welt und zu deren Hintergründe führt eine Perfomance, die im Kulturhaus Abraxas von andcompany&co gezeigt wird. Dort geht es um ein sozialistisch inspiriertes frühes Netzwerk und die Ethik von Big Data. Schwindelerregend, aber geistreich (Hier lesen Sie mehr über die Performance).

In den zurückliegenden Jahren hat sich rund um das Festival ja ziemlich viel geändert - das Design, der Festivaltermin weg von Brechts Geburtstag, das Große Haus als Hauptspielstätte ist weggefallen, die künstlerische Leitung des Festivals ist in neue Hände übergegangen. Eines aber ist feste Tradition geblieben: der Poetry Slam moderiert von Michel Abdollahi. Am Dienstagabend fand er wieder im Parktheater statt (Hier lesen Sie mehr über den Slam).

Und wenn Sie zu denen gehören, die sich für das Festival interessieren: Es gab da auch diese Baal-Inszenierung des Staatstheaters Augsburg. Am ersten Wochenende zwischen dem Gastspiel des Berliner Ensembles und den Theaterexperimenten von Raum+Zeit und Turbo Pascal. Besonders an der Augsburger Inszenierung ist, dass Natalie Hünig, also eine Frau, die Hauptrolle spielt. Hier kommen Sie zu einem Porträt der Schauspielerin.

Die Schauspielerin Natalie Hünig spielt in der Augsburger Baal-Inszenierung die Hauptrolle.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Das erste Wochenende des Brechtfestivals ist vorbei. Zeit, einmal durchzuschnaufen, Zeit, einmal kurz innehzuhalten. Mit einer geballten Ladung Theater beginnt das dritte und letzte Festival des künstlerischen Leiters Patrick Wengenroth. Das Staatstheater präsentiert seinen "Baal", bunt und vielfältig wird das Festival durch die Produktionen der freien Theaterszene: aus Augsburg, aber auch aus dem ganzen Land.

Das Theater- und Performancekollektiv Turbo Pascal nimmt am Publikum ein perfides Experiment vor. Alles beginnt kultiviert und harmlos im Textilmuseum. Was die Zuschauer dann aber im Verlauf zu hören bekommen, geht an die Grenzen. Es ist raffiniert, wie es die Gruppe schafft, das Publikum da bei Laune zu halten, ihm immer neue Ungeheuerlichkeiten aufzutischen (hier lesen Sie mehr über "Böse Häuser").

Zum Beispiel dieses Theaterexperiment der besonderen Art, mit dem das Ensemble Raum+Zeit im Kleinen Goldenen Saal erstmals am Sonntagabend ihr Publikum fordern. Mit 3-D-Brillen werden die Zuschauer in die Vergangenheit geschickt, zu Bertolt Brecht und Helene Weigel. Beide proben 1948 in Chur Antigone. Brecht als Regisseur, Weigel als Antigone. Ihr Konflikt schiebt sich zwischen den von Kreon und Antigone. Der Zuschauer in diesem Experiment erlebt das alles allein, doch plötzlich nimmt er die Brille ab und steht einer Helene Weigel in Fleisch und Blut gegenüber, die ihn in diesen Konflikt hineinzieht (hier lesen Sie mehr über "Antigone :: Comeback").

Anton Weil (von links), Laura Eichten und Fabian Raabe verwandeln Michel Decars Roman "Tausend deutsche Diskotheken" im Provinoclub in ein Live-Hörspiel.
Bild: Alicia Arias

Später gibt es dann ein Augsburg-Gastspiel des Dramatikers und Schriftsteller Michel Decar. Im Provinoclub inszeniert er einen Auszug seines Romans "Tauschend deutsche Diskotheken" als Live-Hörspiel. Drei Schauspieler lesen und trinken mindestens genauso viel Bacardi-Cola vorne vor dem Publikum, wie Frankie, die Hauptfigur, im Roman wegschluckt, während er nach diesem Club sucht, in dem an diesem Montagabend im Jahr 1988 Madonnas "White Heat" lief. Und wenn der Bacardi-Geschmack mal übertüncht werden muss, dann nehmen die vorne im Einklang mit Frankie einen guten Schluck aus der Maggi-Flasche. Ein Abend so überdreht wie der Roman, im Provinoclub auch genau am richtigen Ort. Applaus (hier lesen Sie mehr über "Tausend deutsche Diskotheken").

Das Staatstheater inszeniert "Baal"

Am Samstagabend beteiligt sich das Staatstheater Augsburg am diesjährigen Festival. In der Brechtbühne im Gaswerk wird Brechts Frühwerk "Baal" von Regisseurin Mareike Mikat inszeniert. Sie lässt den Baal von Schauspielerin Natalie Hünig spielen, dazu stellt sie ihm eine Band an die Seite. Einen harten, schmutzigen und dichten Abend hat unser Kritiker gesehen. (hier lesen Sie mehr über den "Baal").

Das Staatstheater Augsburg beteiligt sich mit einer "Baal"-Inszenierung am Brechtfestival.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Am Vormittag beginnt der zweite Tag des Brechtfestivals mit Lyrik. In die neue Stadtbücherei sind sechs renommierte Lyriker eingeladen. Überforderung ist auch in dieser Matinee Programm. Sechs unterschiedliche Positionen sind zu hören: Nancy Hünger, Ulrich Koch, Kathrin Schmidt, Daniela Seel, Ulf Stolterfoht und Raphael Urweider präsentieren aber nicht nur eigene Werke, jeder hat auch noch ein Gedicht Brechts mit Stadtbezug ausgesucht, das wiederum vorab von Schauspieler Klaus Müller rezitiert wird. Die Lyriker interpretieren, sie reiben sich aber auch an Brecht. Ein eigens für diesen Tag gedichtetes Werk verknüpft, Brecht, Helmut Haller und die Heilige Afra auf witzige Weise. Moderiert wird das alles von Michael Schreiner, Leiter der Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen ( hier lesen Sie mehr über die Lyrik-Matinee ).

Das freie Ensemble Bluespots Productions beginnt am Plärrer-Schwimmbad seinen zehnteiligen Zyklus „Shitty City“ – eine Reihe von zehn unterschiedlichen Abenden an zehn unterschiedlichen Orten über Brechts Gedichtzyklus „Lesebuch für Städtebewohner“, der Pate für Wengenroths Festivalmotto steht, am Samstag geht es dann zur Fuggerei. Allerdings erschließt sich nicht, wieso diese Orte ausgewählt worden sind. Überhaupt bleibt vieles unklar. (hier kommen Sie zur Besprechung).

Der erste Festivalabend

Ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema gleich zu Beginn des Festivals: Mit dem Gastspiel „Auf der Straße“ des Berliner Ensembles im Martinipark bekommt das Brechtfestival 2019 gleich eine brisante Note (hier kommen Sie zur Besprechung). In dem Stück geht es um die vielen Obdachlosen in Berlin. Zu sehen ist Dokumentartheater, das nachdenklich macht, ein Abend, der vom Publikum bejubelt wird und nachwirkt.

Intendant André Bücker, Festivalleiter Patrick Wengenroth und Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl (v.l.) bei der Eröffnung des Brechtfestivals 2019.
Bild: Michael Hochgemuth

Überforderung hat Patrick Wengenroth, der künstlerische Leiter des Brechtfestivals, auch an diesem Festivalauftakt zum Programm erhoben: Gleich vier Theaterproduktionen hat er annähernd parallel am ersten Festivalabend angesetzt. Sein Festivalpublikum muss sich also entscheiden. Kurz vor dem Gastspiel des Berliner Ensembles bringt das Junge Theater Augsburg sein Bürgerbühnenstück „Home is where the heart is“ im Kulturhaus Abraxas auf die Bühne. Darin wird das deutsch-amerikanische Verhältnis aufgerollt. Und das genau am richtigen Ort, nämlich der ehemaligen amerikanischen Kaserne (hier kommen Sie zur Besprechung).

Ein weiteres großes Motiv der "Baal"-Inszenierung: Eine Rockband tritt auf.
17 Bilder
Die ersten Eindrücke des Brechtfestivals 2019
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Und im Sensemble Theater geht es um das moderne Nomadentum: Wie lebt es sich, wenn man beruflich ständig um die Welt jettet? Falk Richters „Electronic City“ stammt aus dem Jahr 2004, ein Stück, das das Leben zweier moderner Weltnomaden nachzeichnet (hier kommen Sie zur Besprechung).

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