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Augsburg

07.03.2020

Debatte: Das Aus für die Privatschule bietet auch Chancen

Blick ins Innere des Peutinger-Gymnasiums: Die Schule muss dringend saniert werden. Sie könnte aber auch ins Gebäude der Hermann-Schmid-Akademie umziehen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Das Ende der Hermann-Schmid-Akademie in Augsburg ist für die Betroffenen eine schlechte Nachricht. Die Stadt hat nun die Chance, ein drängendes Problem zu lösen.

Das angekündigte Ende der Hermann-Schmid-Akademie (HSA) in Augsburg betrifft viele Eltern, Schüler und Lehrer. Doch für die Stadt besteht jetzt die Aussicht, ein Problem zu lösen.

Die Stadt Augsburg muss sich an rund 70 Schulen um den baulichen Unterhalt kümmern– der Großteil der Gebäude ist sanierungsbedürftig, wenn nicht sogar der Bedarf nach einer Generalsanierung besteht. Das führt zu einem für alle Seiten unbefriedigenden und dauerhaften Sanierungsstau, den Schüler und Lehrer ertragen müssen. So unangenehm das Aus der Hermann-Schmid-Akademie für Eltern, Schüler und Lehrer ist – die Stadt hat nun die Gelegenheit, sich mit einem Schlag etwas Luft zu verschaffen. Das Gebäude der HSA wird ihr auf dem Silbertablett zum Kauf angeboten.

CSU: Stadt soll Hermann-Schmid-Akademie kaufen

Die CSU will zugreifen, das verkündete die Stadtratsfraktion bereits am Freitag in einer Pressemitteilung. Das ist nachvollziehbar, denn für die Stadt wäre ein zusätzliches und so gut wie neues Schulgebäude eine enorme Erleichterung. Die Stadt sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Denn auf der einen Seite wissen Schulleiter nicht mehr ein noch aus, weil ihnen Räume fehlen. Es müssen Schulen bei laufendem Betrieb generalsaniert werden, was der Schulfamilie über Jahre hinweg viel abverlangt. Auf der anderen Seite handelt es sich bei der Akademie um ein Schulgebäude, das ab den Sommerferien leer stehen wird – und das gerade einmal rund fünf Jahre alt ist.

Die private Hermann-Schmid-Akademie in Augsburg stellt zum Ende des Schuljahrs den Betrieb ein.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wer eins und eins zusammenzählt, kann sich denken, welches drängende Problem mit dem Kauf gelöst werden könnte: das des Peutinger-Gymnasiums. Denn neben der zwingend notwendigen Brandschutzsanierung steht dort in der Folge auch eine Generalsanierung samt Erweiterung an, die mit rund 40 Millionen Euro veranschlagt wird. Eine Barrierefreiheit für körperlich eingeschränkte Schüler würde aufgrund der baulichen Gegebenheiten der Augsburger Traditionsschule dort dennoch nicht in allen Bereichen hergestellt werden können.

Deshalb brachte Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) schon im vergangenen Jahr eine weitere Alternative ins Spiel – die des Neubaus des Gymnasiums. Derzeit prüft die Verwaltung, ob solch ein Neubau auf dem Reese-Areal in Kriegshaberrealisiert werden könnte. Mit dem Kauf der Akademie wären diese Überlegungen wohl vom Tisch. Mit einem Umzug des Peutinger-Gymnasiums wären aber gleichzeitig nicht alle Probleme gelöst.

Die Räumlichkeiten der Akademie müssten an den Schulbetrieb eines Gymnasiums angepasst, eine Turnhalle gebaut werden. Ist das Peutinger-Gymnasium an der Blauen Kappe in der Innenstadt gut erreichbar, müsste der Schulweg an die Bürgermeister-Ackermann-Straße in Kriegshaber noch optimiert werden. Fußläufig ist dort aber die Straßenbahnlinie 2 erreichbar. Der nahe gelegene 32-er und 35-er Bus verkehren im 15-Minuten-Takt. Und immerhin gibt es dort eine Tiefgarage und einen großen Parkplatz im Außenbereich – ein Luxus im Vergleich zu vielen anderen Augsburger Schulen.

Letztlich muss die Schulfamilie hinter solch einem Umzug stehen. Die Gegebenheiten für die Seminarschule, die einst Bertolt Brecht besuchte, sollten im Falle eines Umzugs eng mit Vertretern der Schule abgestimmt werden.

HSA: Preis wäre um einiges günstiger als ein Neubau

Die Stadt steht unter Zugzwang. Nachdem über Jahrzehnte hinweg zu wenig in die Augsburger Schulen investiert wurde, muss nun an allen Ecken und Enden gehandelt werden. Zweifelsohne würde der Umzug des Peutinger-Gymnasiums in die Hermann-Schmid-Akademie viele weitere Problem der Stadt lösen. Der Kauf der Akademie würde um einiges günstiger sein als ein Neubau. Der Preis könnte sich an den einstigen Baukosten von rund 20 Millionen Euro orientieren, auch mit einem Zuschuss vom Land könnte die Stadt wohl rechnen.

Das Peutinger-Gymnasium benötigt eine Brandschutzsanierung.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Anmieten von Containern für die Brandschutzsanierung würde wegfallen, die rasche Sanierung des Mozartturms gar nicht erst nötig werden. Und – wie von Bildungsreferent Köhler bereits einmal erwähnt – könnte in der Folge das Schulgebäude an der Blauen Kappe als ein Ausweichstandort für andere Schulen dienen. Etwa für die nahe gelegene Grundschule St. Anna, die sonst bei laufendem Betrieb generalsaniert wird.

Kauf der Akademie wäre ein guter Schachzug

Der Kauf der Hermann-Schmid-Akademie wäre ein guter Schachzug, um sich bei einer Vielzahl von Anforderungen nicht zu verzetteln. Für das Peutinger-Gymnasium böte die Akademie eine unerwartet schnelle Lösung vieler Probleme. Die Stadt würde dadurch mehr Spielraum für andere Maßnahmen erhalten, darf aber andere Schulen, die ebenfalls schon lange auf eine rasche Lösung warten, nicht vergessen: das Holbein-Gymnasium etwa oder das Gebäude der FOS/BOS.

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.03.2020

Fünf Leserbriefe heute in der Zeitung zum Thema. Fünfmal Vorwürfe an die Stadt. Keinmal Kritik an der Leitung der HSA. Wahnsinn. Wie einfach es sich die Eltern machen. Davon zwei aus dem Landkreis. Ja, klar die Stadt Augsburg muss dafür Sorge tragen, dass die Schüler aus Neusäß (haben die nicht auch eine Realschule?) aus Bobingen (haben die nicht auch eine Realschule?) in ihrem schönen neuen Gebäude bleiben können. Solidarität ist für sie offenbar eine Einbahnstraße. Die Probleme der Peutinger interessieren sie kein bisschen (da wird nur auf Versäumnisse der Vergangenheit verwiesen als ob das zielführend wäre) , da sollen sich die Schüler mal nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Wo waren diese Eltern eigentlich beim Ausschluss zweier Schüler, weil deren Eltern der HSA-Leitung zu unbequem waren. WO? Da waren keine Leserbriefe zu vernehmen.

Warum fragt keiner, ob die Schließung überhaupt gerechtfertigt ist, warum versuchen die Eltern nicht die Leitung zu überzeugen, dass sie qualifizierte Lehrer finden könne - die fehlenden Lehrer, die als Hauptgrund für die Schließung vorgegeben werden, bräuchte man doch auch, wenn die Schule wie gefordert weiter geführt werden soll. Da stimmt doch was nicht, liebe Eltern. Ihr setzt nur einfach da an, wo es für euch am Bequemsten ist.

Das Schulwesen ist eine staatliche Aufgabe! Wie kommt ihr dazu die Stadt Augsburg in die Pflicht zu nehmen, wendet euch mal dahin, wo ihr zuständigkeitsmäßig richtig seid, wenn ihr die HSA offenbar schon aufgegeben habt (wisst ihr mehr?)

Leider ist ja bisher überhaupt nichts über den finanziellen Hintergrund des Neubaus der HSA berichtet worden. Wem gehört das Gebäude ? Wieviel ist evtl. noch finanziert? Gab es Zuschüsse, die ggf. zurückgezahlt werden müssen, wieviel Gewinn könnte die HSA durch die Wertsteigerung beim Verkauf erzielen? Wäre doch mal interessant. Frau Schmid zieht rechtzeitig die Reißleine und versilbert das Lebenswerk ihres Vaters. Von der Elternschaft hat sie jedenfalls keine Vorwürfe zu fürchten, die haben sich andere Sündenböcke auserkoren.


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11.03.2020

>> Ja, klar die Stadt Augsburg muss dafür Sorge tragen, dass die Schüler aus Neusäß (haben die nicht auch eine Realschule?) aus Bobingen (haben die nicht auch eine Realschule?) in ihrem schönen neuen Gebäude bleiben können. <<

So simpel ist es nicht; nach aktuellem Stand müssten bei Schließung der HSA-Realschule Schüler mit Wohnsitz Augsburg auch auf Schulen im Landkreis verteilt werden. Dieses Denken in Stadt/Landkreis ist da nicht zielführend.

Grundsätzlich tun sich da nun schon ein paar Leute hervor, deren Stil mir etwas zu hart, zu wenig emphatisch, zu wenig von Überblick geprägt ist. Aber wenn sich der OB Kandidat der SPD so begeistert dem Erhalt einer Privatschule annimmt, kann es nun auch nicht so verkehrt sein ;-)

>> Leider ist ja bisher überhaupt nichts über den finanziellen Hintergrund des Neubaus der HSA berichtet worden. <<

Doch, das war schon in der AZ dargestellt. Zuschüsse wurden bislang dafür lt. Frau Schmid (Elterninfo am Montag) noch nicht vom Staat ausbezahlt.

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Hermann-Schmid-Akademie-stellt-den-Schulbetrieb-ein-id56980191.html

>> Wo waren diese Eltern eigentlich beim Ausschluss zweier Schüler, weil deren Eltern der HSA-Leitung zu unbequem waren. <<

Da gibt es wenig Solidarität mit Streithanseln; warum da mancher wegen 10 Euro monatlicher Spende eine Buchprüfung durchführen wollte? Am Ende ging es vielleicht um Spenden von Realschuleltern die ggf. auch mal für Beschaffungen der Technikerschule eingesetzt wurden. Ja sorry, wir haben auch schon am Ende der KiGa Zeit was gespendet, womit unsere Jungs nicht mehr spielen konnten. Da über diesen Förderverein auch das Schulgebäude realisiert wurde (siehe AZ Artikel), kann ich erst mal kein begründetes Interesse von Kleinspendern erkennen, die gesamte Geldgeberstruktur für das Gebäude offen zu legen.

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10.03.2020

Der Artikel suggeriert tendenziös eine Lösung die einfach einen Teil des Problems negiert, nämlich, dass alleine rund 180 Realschüler einen neuen Platz benötigen. Es wird also der Fokus auf einen technokratischen Umstand der Raumknappheit gelegt.
Das Vorgehen der CSU ist schlicht und ergreifend ein Wahlkampfmanöver mit dem Zusatz der höchsten Ignoranzstufe gegenüber den Betroffenen.
Neue Chancen werden hier erst möglich, wenn auch für die aktuellen Schüler eine passable Lösung gefunden werden würde.

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10.03.2020

>> Es wird also der Fokus auf einen technokratischen Umstand der Raumknappheit gelegt. <<

Die erhebliche Raumknappheit in Augsburger Schulen ist Tatsache und kein technokratischer Umstand.

Dagegen hilft mal wieder bauen, bauen, bauen oder kaufen, wenn mal eine Schule auf den Markt kommt.

Dass sich Elternbeirat und der Direktor des PG taktisch unklug verhalten haben ist richtig, ändern aber nichts am Umstand, dass sich der Staat(Stadt) das Gebäude sichern sollte.

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07.03.2020

Jetzt ist die Sache im Wahlkampf angekommen:

https://spd-augsburg.de/news/statement-von-harald-gueller-zum-aus-der-hermann-schmid-akademie/

>> Aufgrund des sicher gegebenen Bedarfs an Schulplätzen ist auch zu überlegen, ob die bisherigen Privatschulen nicht staatlich weiterzuführen sind, gegebenenfalls auch als Zweigstellen von bestehenden anderen staatlichen Schulen." <<

Und die Lehrer beamen wir dann von einer Schule zur Zweigstelle?

Doppelte Fachsäle? Turnhallen/Sportlehrer?

Augsburg wartet auf ein Konzept der SPD dafür!

>> Vor überstürzten Angeboten, die Schulgebäude von Seiten der Stadt zu kaufen, warnt der Abgeordnete dagegen. <<

Am besten warten, bis sich noch ein Investor dazwischen schiebt, das Vorratsgrundstück herauslöst und dann die Schule an die Stadt mit Gewinn weiter verkauft? Was spricht gegen eine fairen Kaufpreis hier und jetzt?

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08.03.2020

Haben sie vielleicht auch mal an die rund 560 Schüler und die 70 Lehrer gedacht? Hier geht es um Menschen und nicht um Immobilien. Die Schüler der HSA können doch nichts dafür, wenn die Stadt jahrelang geschalfen hat. Hier werden die Schüler verschiedener Schulen gegeneinander ausgespielt. Liebe Peutinger, bitte zeigt euch solidarisch mit den Schülern der HSA! Es braucht ein Konzept, wie der Schulbetrieb weitergehen kann und keine Beamten-Politiker, die die Sache einfach abwickeln.

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10.03.2020

Die einen führen Wahlkampf, die anderen wollen ein Gebäude für die Augsburger Schullandschaft sichern.

Schalten Sie einfach mal den Wahlkampfmodus ab und lesen Sie was ich oben geschrieben habe.

>> Am besten warten, bis sich noch ein Investor dazwischen schiebt, das Vorratsgrundstück herauslöst und dann die Schule an die Stadt mit Gewinn weiter verkauft? Was spricht gegen eine fairen Kaufpreis hier und jetzt? <<

P.S. Lassen Sie ihr Solidaritätsgelaber sein - die Augsburger Schullandschaft braucht Räume, Räume und nochmals Räume. Das ist die gleiche politische Schiene die durch Sozialberatung Wohnungsnot lindern will (statt bauen, bauen, bauen). Ich habe selber ein Kind auf der HSA - am Ende habe ich halt auch das Gesamtsystem im Blick und spare mir Hetze wie "Beamten-Politker" und "abwickeln".

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11.03.2020

@Peter P.
"die Augsburger Schullandschaft braucht Räume, Räume und nochmals Räume."
Diese Koalition hatte jetzt 12 Jahre Zeit Räume zu schaffen. Räume schafft man, indem man baut oder Gebäude saniert bzw. erweitert und sicher nicht in dem man 560 Schüler auf die Straße setzt. Wenn sie wirklich das Gesamtsystem im Blick hätten, dann würden sie verstehen: Ein Problem beseitigt man nicht dadurch, dass man ein neues schafft.
Bitte lassen sie doch das Gelaber vom bösen Immobilienspekulanten, das ist doch nur eine billige Ausrede dafür, dass die Stadt sich selbst als Immobilienspekulant betätigt, anstelle erst mal über eine mögliche Lösung für den Erhalt der Schulen nachzudenken. Die verantwortlichen Politikbeamten haben sich redlich eine Nominierung beim "It's Not My Job Award" verdient. Von Leuten die Verantwortung für die Bildung in Augsburg tragen, kann man schon etwas mehr erwarten, z.B. einen gewissen Gestaltungswillen und nicht nur eine rein formelle Abwicklung der Sache.

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07.03.2020

Die eigentlichen Verlierer sind die Schüler. Eine elegantere Lösung wäre doch gewesen, die Schule interimsmäßig zu übernehmen, evtl. zu verstaatlichen. Die Schüler, zumindest die Realschüler, könnten nach wie vor in dieser Schule bleiben, man hätte dann auch Platz für andere Schulen schaffen können, um Gebäude zu sanieren, bzw. die Klassenstärken zu reduzieren. Es wäre zumindest eine schonendere Veränderung gewesen, als die kompletten Schulen zu "räumen". Wo sollen denn bitte schön die 180 Realschüler noch reingestopft werden? Hier zeigt sich doch das ganze Desaster. Man hat Jahrzehnte weggeschaut oder sogar "gepennt" und diese mittlerweile unzumutbaren Zustände, wie überfüllte Klassen, hoher Migrationanteil in den zwei staatlichen Realschulen, Wanderklassen, etc. alles stillschweigend hingenommen.
Also Eltern und Schüler der HSA wehrt Euch und lasst Euch nicht mit solchen Ausreden abspeisen!

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07.03.2020

Dieses Immobilien Monopoly bietet erst mal keine Chancen für die Bildungslandschaft, wenn am Ende die maroden Räumlichkeiten des PG keine Klassenzimmer mehr sind.

Vielleicht kann die AZ auch mal einen Bericht über die Situation der Realschulen in Augsburg machen?

Vielleicht mal ein Gespräch mit Herrn Buchhorn führen, bevor nur im Vorwahlkampf von Chancen schwadroniert wird?

Tatsächlich muss der Staat halt die im privaten Sektor entfallenen Bildungsangebote der 5 Schulen hinsichtlich Inhalt und Kapazität ersetzen. Nur auf Privatinitiative draufhauen ergibt sonst auch in diesem Bereich schnell das Gefühl von Staatsversagen.

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