15.07.2010

Dem Ideal ganz nahe

Ein harmonierendes Duo von Weltklasse: der britische Geiger Daniel Hope und Sebastian Knauer am Flügel im Gögginger Kurhaus. Foto: Michael Hochgemuth
Bild: Michael Hochgemuth

Am Anfang steht harte Arbeit. Ziel ist das Nachschöpfen im Sinne des Komponisten. Dem Weg folgt jeder Interpret soweit er kann. Der britische Geiger Daniel Hope und der Hamburger Pianist Sebastian Knauer haben das Ideal sicher erreicht. Hier ist jeder Ton durchdacht, bis zur Selbstverständlichkeit verinnerlicht, mit wunderbarer Natürlichkeit gespielt. Wer das einmalig harmonierende Duo erlebt, ist nicht Rezipient, sondern Zeuge einer einprägsamen Konzerterfahrung.

Das fühlte auch das Publikum bei dem Mozartiade-Gastspiel der beiden im leider nicht ausverkauften Kurhaustheater am Dienstagabend: So hört sich Weltklasse an. Das Niveau macht süchtig - und verwöhnt. Denn im Reich der Vollkommenheit fällt selbst eine homöopathische Unebenheit auf - aber nicht ins Gewicht: Das Zusammenspiel von Daniel Hope und Sebastian Knauer und dessen Ausgefeiltheit bis hin zur Abstimmung der Klangfärbung, der soghaften Diminuendi und sogar der Trillertempi waren nahezu perfekt.

Technische oder tonliche Anforderungen sind bei dieser überragenden Meisterschaft keine Frage mehr. Stattdessen dienen Können und Klangdelikatesse ebenso wie die sanfte Agogik, lebendige Dynamik und die mentale Durchdringung einer atemberaubenden Gestaltung.

Bezwingend differenziertes Spiel

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Beide einte ein nobel samtmatt strahlender Ton und Anschlag, der fern vom gängigen Obertongeglitzer mit betörender Wärme, Weichheit, Innigkeit glänzte. Daniel Hope, der in Schuberts "An die Musik" als sinnigen Beginn noch etwas zu viel Vibrato einsetzte, betörte im folgenden Lied "Auf dem Wasser zu singen" zu der wellenförmigen Begleitung vollends durch sein bezwingend differenziert kantables Spiel. Seine Palette an Klangfarben und Nuancen war enorm, die Intonation lupenrein, die Höhen licht und klar.

Sebastian Knauer war ihm ein kongenialer Partner. Trotz geöffnetem Flügel dosierte er goldrichtig, meisterte auch die rasantesten Partien bewundernswert unangestrengt souverän und perlend, gestaltend, offenbarte sich ebenfalls schon bei Schubert als Meister. Das fast unhörbare, doch nicht verschwindende Pianissimo, die gewichtenden Schattierungen allein in der linkshändigen Begleitung, die in Mahlers Rückert-Lied "Ich bin der Welt abhandengekommen" oder dem "Urlicht" aus dessen 2. Sinfonie zur orchestralen Vielfarbigkeit auswuchsen, waren makellos.

Einzig Cèsar Francks verklärt-frühlingshaftes Finale der Violinsonate A-Dur klang einen Hauch zu gesund. Doch geriet dieses gewaltige, dabei zärtliche Hochzeitsgeschenk - vor allem das faszinierende, liebevoll beredte Bekenntnis-Rezitativo - insgesamt grandios.

Sogar Jazz gelang sensibel

Beethovens Kreutzer-Sonate war noch besser. Vom romantisch-kontrapunktischen Manifest bis zur bauernmenuett-ähnlichen Zierlichkeit im Variationssatz, die Beethovens Lehrer Czerny durchscheinen ließ, war jeder Augenblick ein Erlebnis, das in den Bann zog. Sogar Gershwins "Summertime" oder "I got rhythm" gelangen sensibel und rührend, obwohl hörbar von Nicht-Jazzern interpretiert. Mit Mendelssohns idyllischem "Auf den Flügeln des Gesanges" als Encore wurde der Bezug zum Einstieg geknüpft - denkbar passender Abschluss eines denkwürdigen Abends.

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