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Augsburger Geschichte

09.06.2017

Dem Steg folgte die MAN-Brücke

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1956: Neben dem filigranen eisernen MAN-Steg von 1913 werden die Pfeiler für einen neuen massiven Steg im Lech gebaut.

Die Nordtangente machte eine Autobrücke nötig. Die Eröffnung erfolgte am 7. August 1968. Warum sich dort aktuell zu bestimmten Zeiten der Verkehr staut.

Die MAN-Brücke bildet zur Zeit ein Nadelöhr für Autofahrer: Nur je eine Fahrspur steht in jede Richtung zur Verfügung. Der Grund ist eine aufwändige Sanierung. Der 50 Jahre alte Lechübergang wird derzeit für weitere Jahrzehnte fit gemacht. Rund 3,5 Millionen D-Mark hatte der Neubau gekostet, auf rund 3,7 Millionen Euro ist die derzeitige Sanierung veranschlagt. Die Brücke löste 1968 einen Fußgängern und Radfahrern vorbehaltenen „Steg“ ab. Dessen Vorgeschichte begann 1890.

Die damalige Marktgemeinde Lechhausen verkaufte am 7. Juni 1890 für 100000 Mark 200 Tagwerk Grund beim Griesle auf der Lechhauser Seite des Lechs an die Maschinenfabrik Augsburg (MAN) zum Bau einer Arbeitersiedlung. Im Kaufvertrag verpflichtete sich die MAN, „binnen längstens fünf Jahren“ einen Steg über den Lech zu bauen. Es dauerte 23 Jahre, ehe die MAN ihre Zusage, „einen Fuss-Steg über den Lechfluss herzustellen, dem öffentlichen Verkehr zu überlassen und fortlaufend zu unterhalten“, einlöste.

Arbeiter befürchteten Verlust ihres Bürgerrechts

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Warum so viel Zeit verging, darüber geben Akten und Zeitungsberichte Auskunft. Daraus geht unter anderem hervor, dass anfangs die MAN-Arbeiter den Verlust ihres Augsburger Bürgerrechts befürchteten, wenn sie nach Lechhausen übersiedeln würden. Aus diesem Grund verschob die MAN den dort 1890 ins Auge gefassten Bau von genossenschaftlichen Wohnungen. Die MAN sah deshalb auch keinen Anlass zur Errichtung des zugesagten fußläufigen Steges über den Lech.

Ein Jahrzehnt lang stimmte Lechhausen Verschiebungen des Bautermins zu. Am 1. Januar 1900 wurde Lechhausen zur Stadt aufgestuft und der nunmehrige Stadtmagistrat lehnte eine weitere Verzögerung über den 31. Oktober 1901 hinaus ab. Dem konnte sich die MAN nicht verschließen. 1902 reichte sie Pläne bei der Regierung und der Stadt Augsburg ein. Diese knüpften kostspielige Bedingungen an die Baugenehmigung. Zu deren Erfüllung waren weder die MAN noch die Stadt Lechhausen bereit.

Die Angelegenheit ruhte

1906 bot der Lechhauser Magistrat der MAN an, sie gegen 40000 Mark aus der Bauverpflichtung zu entlassen. Die Kalkulation der Baukosten für den Steg lag jedoch bei nur 28000 Mark. So machte 1907 die MAN Lechhausen das Angebot, einen Vorzugspreis beim Bau eines eisernen Steges oder einer Fahrbrücke einzuräumen. Darüber konnte man sich nicht einigen. Dann kam die Eingemeindung Lechhausens ins Gespräch, und die Brücken-Angelegenheit ruhte ein paar Jahre.

1910 erläuterte die MAN dem Augsburger Bürgermeister das Brückenprojekt, außerdem zwang die Hochwasserkatastrophe vom Juni 1910 zur Überarbeitung der Pläne. Nun wurde statt eines Steges eine Fahrbrücke favorisiert. Inzwischen erstand die „Arbeiter-Kolonie“ der MAN auf Lechhauser Grund jenseits des Lechs. Deren Bewohner mussten zur Arbeitsstätte rund 2,5 Kilometer Umweg über die Lechbrücke in Kauf nehmen. Da ergriff 1912 die MAN die Initiative und fertigte einen Eisensteg. Mitte 1913 war er zur Montage bereit, Fundamente an den Lechufern und im Flussbett wurden betoniert.

Steg war 30 Jahre begehbar

Am 1. Januar 1913 war Lechhausen nach Augsburg eingemeindet worden und es gab massive Querschüsse. In einer Zeitungsmeldung vom 27. August 1913 heißt es: „Die Arbeiten sind einzustellen, nur ein Holzsteg ist zu errichten, da eine eiserne Fahrbrücke errichtet werden soll.“ Am 12. Dezember 1913 kam es zur Einigung zwischen der MAN und der Stadt Augsburg: Der bereits fertige Eisensteg darf montiert werden! Anfang 1914 war der 2,40 Meter breite Steg passierbar. 30 Jahre blieb er begehbar.

Ein Sprengkommando machte ihn im April 1944 unpassierbar. Über der Lechmitte klaffte eine Lücke in der Eisenkonstruktion. Es dauerte ein halbes Jahr, ehe sie wieder geschlossen war. Der Steg hielt noch über ein weiteres Jahrzehnt. 1955 wurde ein Neubau beschlossen: Massive Stahl-Fertigteile sollten eine 5,5 Meter breite Betonplatte für zwei Gehwege und ein Radweg tragen. Der über 42 Jahre alte Steg musste während der Bauarbeiten passierbar bleiben, deshalb wurde die neue Brücke daneben vorgefertigt. Am 21. August 1956 wurde der 87 Meter lange, 300 Tonnen schwere Übergang auf die neuen Betonpfeiler im Lech geschoben.

Der massive neue MAN-Steg schien für die Ewigkeit gebaut, hatte aber nur eine Lebenszeit von elf Jahren: Die 1967/68 erbaute Autobrücke ersetzte ihn. Sie ist mit 26,5 Meter Breite und einer Gesamtlänge von 152,5 Metern eine der größten Brücken in Augsburg. In drei ungleichen Bogen überquert sie den Lech, den Proviantbach, ein Localbahngleis und auf jeder Lechseite eine Straße.

60 Tonnen Tragkraft

Der Lechübergang entstand in zwei Phasen im Spannbeton-Freivorbau. Es sind zwei Brücken von je 13,25 Meter Breite nebeneinander. Darauf wurden die Fahrbahnen sowie die Fuß- und Radwege verlegt. Die Konstruktion ist von unten gut sichtbar. Unter den Fahrbahnen verlaufen die Versorgungsleitungen. 4400 Kubikmeter Beton und über 500 Tonnen Eisen waren für das Brückenbauwerk mit 60 Tonnen Tragkraft nötig. Eine Holzbrücke ersparte während der Bauzeit von 20 Monaten täglich Tausenden weite Umwege.

„Wir haben ein Lechhauser Tabu, das Griesle, verletzen müssen, um die Straße hier bauen zu können“, sprach der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Pepper bei der Einweihung am 7. August 1968 ein Problem bei der Linienführung dieser Schnellstraße an. Sie machte die neue Autobrücke nötig. Die Hans-Böckler-Straße - diesen Namen erhielt die „Stadtautobahn“ am 27. November 1968 - beschneidet das Griesle-Parkgelände erheblich.

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