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Augsburg

12.08.2020

Der AVV verzichtet auf die nächste Preiserhöhung im Nahverkehr

11,90 Euro kostet die Streifenkarte seit dem 1. Juli. Nachdem zum Jahreswechsel turnusgemäß die nächste Preiserhöhung angestanden hätte, soll diese nun wohl verschoben werden.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Plus Zum 1. Januar wird der AVV wegen der Mehrwertsteuersenkung und Zuschüssen von Stadt und Landkreisen auf die turnusgemäße Tariferhöhung verzichten.

Nahverkehrskunden in der Region müssen zum 1. Januar 2021 keine turnusgemäße Preiserhöhung befürchten: Man gebe zeitverzögert die coronabedingte Mehrwertsteuersenkung der Bundesregierung an die Fahrgäste weiter, kündigte Landrat und AVV-Aufsichtsratschef Martin Sailer ( CSU) am Mittwoch an.

Weil die Mehrwertsteuersenkung (fünf statt sieben Prozent für Nahverkehrstickets) das allein nicht hergebe, werden Stadt Augsburg und die AVV-Landkreise den Rest zuschießen. Mit der Beibehaltung der aktuellen Preise spart sich der AVV auch die Umprogrammierung von Fahrkartenautomaten und Auskunftssystemen. Eine schnellere Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung schon zum 1. Juli sei wegen des nötigen zeitlichen Vorlaufs nicht möglich gewesen, so Sailer.

Letzt Tariferhöhung des AVV trieb die Preise hoch

Die letzte Preiserhöhung zum 1. Juli (sie war um ein halbes Jahr nach hinten verschoben worden) hatte Ärger bei Fahrgästen hervorgerufen. Im Durchschnitt knapp fünf Prozent höhere Preise bei gleichzeitig reduziertem Angebot im Stadtverkehr aufgrund der Corona-Pandemie seien nicht hinnehmbar, klagten etliche Leserbriefschreiber. In Augsburg kam auch Kritik von der Rathausopposition auf.

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Die Stadtwerke, die im AVV den Großteil des Augsburger Stadtverkehrs abwickeln, klagen nach wie vor über deutlich weniger Fahrgäste und Einnahmeverluste aufgrund von Corona. Eine Rückkehr zum Fünf-Minuten-Takt (außerhalb der Ferien zuletzt 7,5 Minuten) scheint für den Moment nicht absehbar. Auch im Regionalbusverkehr sind die Zahlen noch deutlich unter Vor-Corona-Zeiten.

„Wir müssen abwarten, wie sich die Corona-Lage jetzt entwickelt und wie lange wir damit leben müssen“, so Linda Kisabaka, die am Mittwoch als neue AVV-Geschäftsführerin vorgestellt wurde. Dann werde man sehen, wie man verloren gegangene Fahrgäste wieder zurückgewinnen könne.

AVV-Tarifreform kommt auf dem Prüfstand

Parallel dazu steht im AVV die Bewertung der umstrittenen Tarifreform aus dem Jahr 2018 an. Sie hatte das Ziel, mehr Abonnenten, mehr Fahrgäste und mehr Einnahmen zu erzielen. Erste Zahlen weisen darauf hin, dass die Zahl der Abonnenten und Fahrgäste gestiegen ist, allerdings auch dadurch verursacht, dass Fahrten mit dem Einzelticket teils teurer wurden.

Eine Untersuchung, wie Ziele erreicht wurden, läuft aktuell auf Basis der Jahre 2018/19. Man rechne, so Sailer, zum Jahreswechsel mit Zwischenergebnissen für den AVV.

Nahverkehr in Augsburg: Vorschläge zur Verbesserung im Frühjahr

Endgültige Ergebnisse und Vorschläge, wie das Tarifsystem verbessert werden könnte bzw. der Unmut in einzelnen Fahrgastgruppen (z.B. Senioren) besänftigt werden könnte, soll es dann im Frühjahr geben. Den meisten Ärger scheint es in der Stadt zu geben, weil ein Teil der Gelegenheitsnutzer für Einzelfahrten nun das Doppelte zahlt. Allerdings wurden die Folgen für Fahrgäste mit dem Ziel Innenstadt durch die Einführung der „Cityzone“ (kostenloser Nahverkehr in der Kerninnenstadt) zu Beginn 2020 gemildert.

Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU), die in der Vergangenheit die Tarifreform voll unterstützt hatte, ließ bereits durchblicken, dass auch sie gewissen Änderungsbedarf sehe. Die Stadt hat eine eigene Evaluierung im Hinblick auf ihre Bedürfnisse in Auftrag gegeben. Auch hier ist kommendes Jahr mit Ergebnissen zu rechnen.

Nahverkehr mit Bus, Zug und Straßenbahn: Kommt ein 365-Euro-Ticket?

Die Wunschliste in der Stadt ist lang: Unter anderem steht ein 365-Euro-Jedermann-Ticket ohne Sperrzeit (bisher 9 Uhr) darauf, dessen Umsetzbarkeit CSU und Grüne untersucht haben wollen. Problem: Allein in der Stadt würde das Einnahmeausfälle von zwölf Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Weber führt aktuell Gespräche mit dem Freistaat, was eine dauerhaft bessere Finanzierung des Nahverkehrs betrifft. Ergebnisse gibt es noch nicht.

Die vielen Einzelwünsche, die aus Stadt und Land formuliert werden, wird AVV-Chefin Kisabaka in eine Form gießen müssen. Die 51-Jährige wird zum 1. Februar ihren Dienst antreten, nachdem sie sich gegen 27 Mitbewerber durchgesetzt hatte. In den Gremien von Stadt und Landkreisen fiel der Beschluss für Kisabaka einstimmig.

Linda Kisabaka wird zum 1. Februar den Chefsessel beim AVV übernehmen.
Bild: Annette Zoepf

Kisabaka, die nach ihrem Wirtschaftsstudium Profi-Leichathletin wurde und eine Olympia-Bronzemedaille im Staffellauf holte, bevor sie bei Eisenbahnunternehmen in leitender Position im Marketing tätig war (zuletzt bei Abellio Mitteldeutschland), kennt die Arbeit mit Verkehrsverbünden. „Ich habe gelernt, dass Kommunikation das Wesentliche ist“, so Kisabaka. Nötig sei, die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker zu nutzen und nicht mehr in einzelnen Verkehrsmitteln zu denken, sondern diese zu vernetzen. Anschlusssicherungen zwischen Bus und Bahn seien ein einfaches Beispiel.

Gibt's auf dem Land künftig weniger große Busse?

Während die Stadtwerke in Abstimmung mit dem AVV im Stadtverkehr ihre eigenen Projekte verfolgen (etwa die automatische Handyabrechnung für Nahverkehrsnutzer zum für sie besten Preis), ist der AVV im Regionalverkehr noch nicht ganz so weit. Sailer sagt, dass er sich auf dem Land flexiblere Angebote vorstellen könne als große Busse mit fixem Takt, die außerhalb der Stoßzeiten halb leer unterwegs sind. Man gebe viel Geld aus und müsse sich fragen, mit welchen Angeboten man mehr Fahrgäste gewinne könne. „Vielleicht wird es künftig so sein, dass statt eines großen Busses einmal pro Stunde drei kleine Busse je nach Bedarf in dichterer Reihenfolge fahren“, so Sailer. Zu diesen Fragen erhoffe man sich von Kisabaka Impulse. Das Bewältigen von Problemen im Nahverkehr, so Sailer, sei mit dem Mittelstreckenlauf vergleichbar. „Antworten im Minutentakt können wir nicht bieten.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Nahverkehr: Der AVV zieht die Notbremse

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12.08.2020

>> Allerdings wurden die Folgen für Fahrgäste mit dem Ziel Innenstadt durch die Einführung der „Cityzone“ (kostenloser Nahverkehr in der Kerninnenstadt) zu Beginn 2020 gemildert. <<

Die Folgen wurden nur für manche Gelegenheitsfahrgäste gemildert.

Die normalen Abo-Kunden sind am schlechtesten dran - volle Preiserhöhung und nun dauerhaft verschlechtertes Angebot auf den Tramlinien ohne Kündigungsmöglichkeit.

Man muss es künftig wohl wie bei Sky oder Mobilfunkverträgen machen - abschließen und kurz darauf sofort wieder zum Ablauf kündigen und dann die Situation neu bewerten.

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