05.11.2008

Der Anstreicher

Anstreicher nannte Bertolt Brecht den Verkleisterer der Wirklichkeit Adolf Hitler, warnte schon vor dessen Machtergreifung vor dem Nicht-Künstler und seinen Folgen. Wie unbeirrbar Brechts Gegnerschaft zu den Nazis war, ließ Brechtkenner Michael Friedrichs vom Wißner-Verlag mit Zitaten, Rezitationen und Liedern in teils historischen Aufnahmen während seines morgendlichen Begleitprogramms zur Ausstellung "Machtergreifung" deutlich werden.

Bereits 1930 habe Brecht im Lied von der Tünche den "Anstreicher" angedeutet, ohne ihn vorerst zu benennen, so Friedrichs. 1931 war "Das Lied vom SA Mann" gefolgt, 1932 "Der Führer hat gesagt", 1933 "Die Hitlerchoräle", 1934 "Die Moritat vom Reichstagsbrand", 1936 ein "Deutsches Lied", 1937 "Eine Voraussage", den Untergang des Dritten Reiches bereits vorwegnehmend. Dies ist nur eine kleine Auswahl hitlerkritischer Texte von Brecht.

"Da fragte ich mich: Was für eine Kälte/ Muß über die Leute gekommen sein!/ Wer schlägt da so auf sie ein/ Daß sie jetzt so durch und durch erkaltet?", rezitierte Franziska Arndt vom Theater Augsburg "Ein Pferd klagt an" aus dem Jahr 1932 in bedrückender Authentizität, während das auf dem Horst-Wessel-Lied aufbauende Lied "Der Kälbermarsch" in einer authentischen Aufnahme erklang.

Auch die Kritik an den Liedern durch Hannah Arendt präsentiert

Ständig habe Brecht, so Friedrichs weiter, seine Auffassungen überprüft und sich als äußerst lernfähig erwiesen: "Sie sprechen wieder von Siegen/ Anna, weine nicht/ Sie werden mich nicht kriegen" (Deutsches Lied, 1936). Friedrichs präsentierte nicht nur das Werk Brechts, sondern dazu auch die ihr entgegen gebrachte Kritik (insbesondere durch Hannah Arendt), was der Bedeutung des brillanten Dialektikers umso gerechter wurde. (eric)

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