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Geschichte

04.05.2013

Der Bankier, der lieber Naturwissenschaftler war

Paul Joseph von Cobres’ Sammlung und seine Bibliothek waren einst in ganz Deutschland berühmt

Er war Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Ritter des Heiligen Römischen Reiches und des Malteser Ordens und Angehöriger beinahe aller großen naturforschenden Gesellschaften sowie hoch angesehener Augsburger Bürger. Sein großes Vermögen legte er in naturkundlichen Sammlungen und einer naturwissenschaftlichen Bibliothek an. Weit über 10000 kostbare Bände und bestimmt 30000 Funde wertvoller und seltener Mineralien, Versteinerungen und Muscheln nannte er sein Eigen. Sein Name stand für den wohl bedeutendsten Schatz solcher Art in Deutschland der Zeit um 1800. Doch dies alles half Paul Joseph von Cobres nichts: Er musste bettelarm und einsam seine letzten Jahre in Göggingen fristen – in einem kleinen, dem Kloster Maria Stern zinspflichtigen Anwesen an der jetzigen Bürgermeister-Aurnhammer-Straße.

1737 in Venedig geboren, zog es den jungen und einer begüterten Familie entstammenden Kaufmann von Cobres bald nach Augsburg, zu dem die Lagunenstadt immer noch gute Verbindungen hatte. 1769 ehelichte er die ebenfalls gut betuchte Augsburger Kaufmannswitwe Maria Anna Tonella. Man bewohnte eines der schönsten Rokokoanwesen der Stadt, das heute noch zu bewundernde Palais Maximilianstraße 51.

Doch eine alte Bankierweisheit wurde von Cobres zum Verhängnis: Von Preziosen, oder gar vom wissenschaftlichen Ruhm alleine, kann man nicht leben. Zu unrentierlich war sein Portfolio bestückt. Als dann auch noch die Verwandtschaft ihn wegen der Begleichung alter Rechnungen traktierte, war es um ihn geschehen. Von Cobres, zwischenzeitlich in die Jahre gekommen, musste schließlich zum Notverkauf seiner Kostbarkeiten schreiten.

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Schließlich erbarmte sich der bayerische Kronprinz und spätere König Ludwig. Für 12000 Gulden – entnommen der privaten Schatulle des Wittelsbachers – wurde ein Teil der „Cobresischen Sammlung“ der Königlichen Akademie der Wissenschaften zugeführt. Das Verbleibende bot von Cobres dem Augsburger Magistrat an: für 8000 Gulden und einer Jahrespension von 600 Gulden. Doch die pfennigfuchserische königliche Kreisregierung verweigerte die hierzu notwendige Genehmigung. Mit der fadenscheinigen Begründung, es fehle „ein geeignetes Lokal zur Aufstellung des Cabinets“. Von Cobres war nun genötigt, die meisten Teile seines Lebenswerkes unter Wert zu verschleudern.

„Am 26. Dezember 1823 fanden dann“ – so ein Chronist – „Alter, Kummer und Mutlosigkeit im Tode des edlen Ritter Paul Joseph von Cobres ihr Ziel.“ Seine letzte Ruhestätte erhielt er im Kirchhof von St. Georg und Michael. Die Früchte seiner unermüdlichen Sammeltätigkeit wurden in alle Welt verstreut.

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