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01.04.2016

Der Friedensstifter Genscher

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Es war im Oktober 2005: Pfarrer Christian Führer trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein, dies tat auch Michail Gorbatschow (links). Der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher war der Laudator. Rechts der damalige Oberbürgermeister Paul Wengert. Zwischen ihm und Genscher steht die Übersetzerin.
Bild: Fred Schöllhorn

Welches Ereignis den früheren Außenminister ganz speziell mit der Stadt Augsburg verbindet

Von Michael Hörmann

Es war ein ganz besonderes Ereignis im Oktober 2005 im Goldenen Saal des Rathauses: Die Stadt Augsburg verlieh dem früheren Staatschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, und dem Leipziger Pfarrer Christian Führer in höchst feierlichem Rahmen den Augsburger Friedenspreis. Die Laudatio hielt der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Ihm war es damals überhaupt zu verdanken, dass es zu der Auszeichnung kommen konnte. Sein guter Draht zum früheren Verhandlungspartner Gorbatschow machte es möglich, dass die Zusage aus Moskau eintraf. Denn zuvor waren einige Bemühungen der Augsburger Verantwortlichen gescheitert, mit Gorbatschow Kontakt aufzunehmen. „Gorbi“ sagte Augsburg zu – dank Unterstützung von Genscher. Unter dem damaligen Augsburger Oberbürgermeister Paul Wengert war es eine feierliche Veranstaltung mit persönlicher Note.

Der Auftritt mit Gorbatschow

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„Eine Seite, zwei Unterschriften“, hieß es in der AZ-Berichterstattung. Es ging darum, warum Genscher den Eintrag ins Goldenen Buch „beaufsichtigte“, selbst aber nicht unterzeichnete. Ihre Unterschrift setzten Gorbatschow und Führer im Goldenen Saal. Eine Ausnahme: Üblicherweise unterzeichnen Persönlichkeiten, die sich ins Goldene Buch eintragen, bei einer Feier im Fürstenzimmer. Bemerkenswert war ferner, dass die Unterschriften untereinander auf eine Seite im Goldenen Buch gesetzt wurden. Es sollte signalisiert werden, dass es sich um einen gemeinsamen Auftritt der Unterzeichner in Augsburg handelte. Oben stand der Name von Christian Führer, darunter Michail Gorbatschow. „Es gilt die Reihenfolge des Alphabets“, klärte OB Paul Wengert auf. Dass alles mit rechten Dingen zuging, darauf passte der frühere Außenminister Genscher auf. „Genscher hatte die notarielle Aufsicht“, meinte Wengert schmunzelnd. „Und wann darf Genscher unterzeichnen?“, wollte Gorbatschow wissen. „Da gibt es einen eigenen Empfang“, so Wengert.

Ein gern gesehener Gast

Den gab es später doch nicht mehr. Der Festakt war vor elf Jahren. Gorbatschow ist heute 85. Führer ist Mitte 2014 gestorben. Genscher starb in der Nacht auf Freitag im Alter von 89 Jahren. In Augsburg war der FDP-Politiker immer ein gern gesehener Gast. Ein Auftritt, der ebenfalls im Jahr 2005 war, dürfte bei ihm wenig Begeisterung ausgelöst haben – Genscher war damals Zeuge im Pfahls-Prozess.

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