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Augsburg

06.12.2018

Der Herr der Weihnachtssterne

Der Gärtner und Ausbilder Michael Glöttner macht sich gut inmitten seiner Weihnachtssterne. In dem Gewächshaus in der Fritz-Wendel-Straße im Univiertel warten derzeit 1500 rote Weihnachtssterne auf ihre Käufer. Zu den Abnehmern zählen Privatpersonen, Kirchen und kirchliche Einrichtungen.

Im Förderwerk St. Elisabeth züchtet Michael Glöttner die beliebten Pflanzen. Während sie im Univiertel zur Weihnachtsdekoration heranwachsen, reifen die Auszubildenden zu Gärtnern.

Ein Mann sieht rot. Wenn Michael Glöttner derzeit seinen Arbeitsplatz betritt, hat er Ausblick auf ein rotes Blütenmeer. Im Gewächshaus von St. Elisabeth im Univiertel blühen Weihnachtssterne in einem knalligen Rotton, der sogar den Weihnachtsmann neidisch machen würde. Michael Glöttner ist nicht nur Gärtner, sondern auch Ausbilder für den Bereich Gartenbau im Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum St. Elisabeth der Katholischen Jugendfürsorge. Alle Jahre wieder kümmert sich der 62-Jährige gemeinsam mit den jugendlichen Auszubildenden um die Produktion der Pflanzen. Während die Sprösslinge der Weihnachtssterne wachsen und gedeihen, reifen die Azubis zu Gärtnern.

Dauerbrenner in weihnachtlichem Rot

Die Weihnachtssterne, die im Gewächshaus kultiviert werden, sind natürlich mehr als nur Lehrmittel. Die Pflanzen sind von Mitte November bis Weihnachten der Verkaufsschlager in St. Elisabeth. Der Erlös dient hauseigenen Investitionen, die den Azubis zugutekommen sollen. Neben dem Dauerbrenner in weihnachtlichem Rot gab es auch Züchtungsvarianten in reinem Weiß, Cremeweiß, Pink und Rosa, doch die sind quasi eine limitierte Edition und bereits ausverkauft. Was die Farbe der Saison ist, ist in den Augen von Michael Glöttner eine „Modeerscheinung“. Der zeitlose Klassiker ist und bleibt ein Weihnachtsstern in Rot.

Ein Drittel der Verkäufe geht an Kirchen und kirchliche Institutionen wie Kindergärten in der Region. Blumengeschäfte zählen ebenso zu den Kunden der Gärtnerei von St. Elisabeth. Aber auch bei privaten Käufern aus dem Umland sind die Weihnachtssterne als Adventsdekoration äußerst gefragt.

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Für den Laien sieht das Blütenmeer im Gewächshaus in der Fritz-Wendel-Straße imposant aus. 1500 Exemplare der rot strahlenden Pflanzen sind hier unter einem Dach versammelt. Von einer Massenproduktion ist man dennoch weit entfernt. Zum Vergleich: Beim Gartencenter Dehner werden rund 650000 Weihnachtssterne pro Jahr verkauft – in den Arten Mini, Büsche oder Stämme. Auch dort ist zunehmend das Qualitätsmerkmal „Bio“ gefragt. In St. Elisabeth ist das ausnahmslos der Fall. „Wir sind ein zertifizierter Biobetrieb“, berichtet Michael Glöttner stolz. Eine reine Bioproduktion bedeutet konkret: Kein Spritzmittel und keine chemischen Düngemittel kommen zum Einsatz.

Eigentlich erstaunlich, denn in gewisser Weise sind die Weihnachtssterne zur falschen Zeit am falschen Ort. Denn ihrem irreführenden deutschen Namen zum Trotz mögen es die Pflanzen gern warm. Das liegt daran, dass die Weihnachtssterne Einwanderer aus Mexiko sind.

Pflanzen brauchen viel Wärme und Licht

Dass die Weihnachtssterne dennoch in der kalten Jahreszeit blühen, ist lediglich der Schutzhülle aus Glas zu verdanken. Damit sie sich im kalten schwäbischen Winter so wohl fühlen wie in ihrer amerikanischen Heimat, brauchen sie viel Wärme und Licht. Damit die Pflanzen unter dem Glasdach der Gärtnerei im Univiertel den roten Teppich ausrollen, braucht es Temperaturen von 16 bis 20 Grad. Michael Glöttner und sein Team achten außerdem penibel darauf, Staunässe zu vermeiden.

Die Gartenbau-Ausbildung ist nur eines von vielen Angeboten im Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum St. Elisabeth. Auch Berufe in den Bereichen Metall- und Holzverarbeitung, Textilreinigung, Raumausstattung oder Fahrzeugpflege werden hier geschult. Die Jugendlichen können zudem Maler, Fachlagerist, Verkäufer, Beikoch oder Bürokaufmann werden. Vor 40 Jahren wurde St. Elisabeth als Berufsbildungswerk geschaffen. Heute ist es eines von 52 Berufsbildungswerken in Deutschland, die lernbehinderte und psychisch behinderte Menschen nach der Schule ausbilden und bei der Berufsvorbereitung unterstützen. Ein Großteil der Azubis kommt von Förder- und Mittelschulen, seltener sind Realschüler und Gymnasiasten vertreten. „Wir vermitteln in den ersten Arbeitsmarkt“, erzählt Andrea Geiß. Die 50-jährige Leiterin von St. Elisabeth beschreibt die Aussichten auf einen Job im direkten Anschluss an die Ausbildung als gut. Für diese Daten wird der Zeitpunkt sechs Monate nach dem Ausbildungsende beobachtet. „Wir vermitteln zu diesem Stichtag circa 65 bis 75 Prozent in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, sagt Geiß.

Bei guter Pflege halten Weihnachtssterne lang

In der Gärtnerei sind derzeit neun junge Menschen im Alter von 16 bis 23 Jahren in der Ausbildung. Während Michael Glöttners Azubis meist unmittelbar nach der Zeit in St. Elisabeth eine Arbeitsstelle finden, finden die Weihnachtssterne im Advent ein neues Zuhause. Fünf Euro kostet ein Exemplar. Bei guter Pflege eine nachhaltige Investition, denn bei guter Pflege übersteht der Weihnachtsstern nicht nur die Adventszeit. Michael Glöttner erinnert sich an Kunden, die sich darüber freuten, dass ihre Pflanze noch bis zum August die Augen erfreute. Etwa ein Drittel der Topfpflanzen wurde Ende November beim Weihnachtsmarkt von St. Elisabeth verkauft. „Ich glaube, der Weihnachtsstern ist so beliebt wegen dem tollen Rot und Grün, den klassischen Weihnachtsfarben“, glaubt Geiß.

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