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Augsburg

23.09.2019

Der Jakobsplatz - Ein versteckter Ort mit viel Charme

Ein entspannter Ort in der Innenstadt: Für Jürgen Schmid, früher Chef der Handwerkskammer, ist der Jakobsplatz der schönste Platz der Stadt.
Bild: Peter Fastl (Archiv)

Plus Der Jakobsplatz liegt in der Stadt etwas verborgen. Nicht nur Händler und Gastronomen schätzen hier die Idylle. Auch ein Bauträger ist darauf aufmerksam geworden.

Der Jakobsplatz mit dem plätschernden Brunnen in seiner Mitte ist ein etwas verstecktes Kleinod in der Jakobervorstadt. Wenn nicht gerade an Samstagen die Reisebusse parken, um die Touristen für eine Besichtigung der benachbarten Fuggerei auszuladen, geht es hier recht idyllisch zu. Ganz anders als ein wenig weiter in der Jakoberstraße, die zuletzt eher mit Ladenschließungen in den Schlagzeilen war. Am Jakobsplatz schätzen Geschäftsleute und Gastronomen die entspannte Lage. Sie wissen schon, wie sie auf sich aufmerksam machen. Auch ein Bauträger hat den Platz mit einem Projekt jetzt ins Visier genommen.

Beim ersten Mal fanden sie den Jakobsplatz in Augsburg nicht

Schon einmal hatten sie den Jakobsplatz gesucht, aber nicht gefunden. Jetzt klappte der zweite Anlauf. Jutta und Franz Mayr aus Schwabmünchen sitzen in dem Cupcake-Café „Blueberries“ und lassen sich die Süßigkeiten von Inhaberin Martina Leyh schmecken. Oft schon hatten sie von ihren kleinen Törtchen gehört und wollten sie testen.

Die 33-jährige Leyh freut sich, dass es dem Ehepaar schmeckt. Vor vier Jahren hat die gebürtige Augsburgerin das „Blueberries“ am Jakobsplatz eröffnet. Sie kennt den Platz noch aus ihrer Kindheit und liebt ihn nicht nur wegen seiner Idylle. „Hier herrscht eine besonders gute Nachbarschaft, wie man sie nicht überall findet.“ Davon profitierte die Bäckerin, die vor allem Aufträge von Firmen und für Familienfeiern entgegennimmt, erst neulich.

Martina Leyh bewirtet Jutta und Franz Mayr im Café Blueberries.
Bild: Leonie Küthmann

Als Martina Leyh mit ihrem Café innerhalb des Platzes umzog, standen plötzlich Nachbarn mit Akkuschraubern in der Tür, um zu helfen. Bis vor Kurzem noch betrieb Leyh am Jakobsplatz neben ihrer Backstube auf der gegenüberliegenden Straßenseite zusätzlich ihr Café. Letzteres gab sie auf und integrierte es in ihre Backstube. „Auch weil das Gerücht umgeht, dass das Haus abgerissen werden soll“, erzählt sie. Dass es mehr als ein Gerücht ist, darauf weist das an der Hausmauer angebrachte Transparent hin.

Elf neue Eigentumswohnungen am Jakobsplatz geplant

„Hier entsteht Neues. Wohnen am Jakobsplatz – lassen Sie sich jetzt vormerken!“, wird darauf verkündet. Hinter dem Abriss und dem geplanten Neubau steckt die TFM-Wohnbaugruppe aus Pfersee, die etwa im Reese- und Sheridan-Park Wohnprojekte realisiert hat.

Am Jakobsplatz sieht sie circa elf Eigentumswohnungen vor, wie einer der Geschäftsführer, Matthias Maresch, berichtet. „Wir sind gerade in der Planungsphase.“ Wenn alles klappt, werde im kommenden Frühjahr mit dem Bau begonnen.

Das alte Haus an einem Eck des Jakobsplatzes wird abgerissen. Hier sollen Neubauwohnungen entstehen.
Bild: Ina Marks

Der Neubau, so Maresch, werde sich mit Satteldach und kleineren Fenstern in den Baustil am Jakobsplatz einfügen. Nachdem der Jakobsplatz im Altstadt-Ensemble liegt, muss bei einer geplanten Bebauung hinsichtlich der äußeren Gestaltung auf Denkmalschutz-Belange Rücksicht genommen werden, heißt es aus dem Baureferat.

Zu den Quadratmeterpreisen will Maresch noch nichts sagen. Es hätten sich aber schon „massig Interessenten“ bei TFM gemeldet. „Das Haus mit den Wohnungen wird ein kleines Schmuckkästchen. Der Jakobsplatz hat eine super Lage neben der Fuggerei. Die Innenstadt ist nur fußläufig entfernt.“ Genau diese Tatsache hat Michaela Schnerr auf eine neue Geschäftsidee gebracht.

Hier gibt es nun den "Augsburger Hundesalon"

Neun Jahre hatte sie ihr Immobilienbüro am Jakobsplatz. Vor wenigen Wochen erst funktionierte die 53-Jährige das Büro in einen Hundesalon um. Statt Immobilien zu vermitteln, schneidet und frisiert die Maklerin, die selbst zwei Edelterrier besitzt, nun Vierbeiner in ihrem „Augsburger Hundesalon“. Schnerr erklärt, warum die Lage dafür perfekt ist. „Durch die nahe gelegene Parkanlage an der Vogelmauer und in der Jakoberwallstraße kommen hier einige Hundehalter vorbei.“ Außerdem freuten sich die Kunden, dass es endlich wieder einen Hundefriseur in der Altstadt gebe. Die Geschäftsfrau hat zudem einen Trick, um weitere Kunden an den Jakobsplatz zu locken.

Michaela Schnerr hatte einst ein Immobilienbüro – jetzt betreibt sie einen Hundesalon.
Bild: Leonie Küthmann

Wie sie verrät, parkt sie ihr Auto mit der großflächigen Werbung für den Hundesalon gerne im Spickel beim Siebentischpark oder an der Sportanlage Süd. Dort also, wo sich Hundehalter treffen, um mit ihren Vierbeinern Gassi zu gehen. Schnerr selbst fährt dann mit ihrem Klapprad weiter zum Jakobsplatz. Lisa Mucchi, Geschäftsführerin des „Il Gallo Nero“, hingegen lebt am Jakobsplatz vor allem von Stammkunden.

Italienisches Restaurant und ein Laden mit Kuriositäten

Das italienische Restaurant befindet sich dort im achten Jahr. Mucchis Gäste wissen das „Il Gallo Nero“ besonders im Sommer zu schätzen, wenn sie an den Tischen rund um den Brunnen mit der Neptunfigur speisen können. „Der Platz ist romantisch und hat ein tolles Flair“, schwärmt die Gastronomin. Vieles am Jakobsplatz klingt nach dem, was in der nördlichen Jakobervorstadt oft vermisst wird. Die Stadt hat eine Untersuchung gestartet, die Bürger gefragt und grundsätzlich den Startschuss gegeben, um das Viertel voranzubringen. Die stark befahrene Jakoberstraße soll umgestaltet, Grünanlagen aufgewertet und die Aufenthaltsqualität gesteigert werden. Am Jakobsplatz ist man schon heute gerne. Und auch die Geschäftswelt ist dort bunt und vielfältig. Kurios ist das Geschäft von Arthur Staudinger.

Arthur Staudinger hat seit 22 Jahren sein Geschäft am Jakobsplatz.
Bild: Ina Marks

Seit 22 Jahren verkauft der Augsburger in „Arthurs Warehouse“ alte und neue Sammlersachen, die man sonst vielleicht nur auf Flohmärkten findet: Vasen und Feuerzeuge aus den Siebzigern etwa oder auch Halloween-Produkte, für die der 49-Jährige ein Faible hat. Sein Geschäft, das der technische Einkäufer einer Kosmetikfirma, nur noch samstags geöffnet hat, ist ein buntes Sammelsurium. Manchmal kaufen hier Touristen auf dem Rückweg zu ihren Reisebussen Mitbringsel ein, berichtet Staudinger. Sein Laden erinnert Martina Leyh vom Café „Blueberries“ an ihre Kindheit. „Ich habe hier früher für Fasching Kunstblut gekauft.“ Der Jakobsplatz ist zwar versteckt, aber es gibt hier einiges zu entdecken.

Lesen Sie auch: Die andere Seite der Jakobervorstadt

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