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Komponist

29.09.2016

Der Klangmeister von Commissario Brunetti

Das Studio des Komponisten Stefan Schulzki sieht fast wie ein Maschinenraum aus.
Bild: Fred Schöllhorn

Wie der Augsburger Stefan Schulzki die Filmmusik für die Krimiserie schreibt. Jetzt auch als CD erhältlich

Sein Studio gleicht einem Maschinenraum. Überall hat Stefan Schulzki ausladende Reglerpulte verteilt, daraus sprießen Kabel wie Gras. Hunderte von Drehknöpfen wollen eingestellt werden. Hinter ihnen verbergen sich elektronische Sounds aller nur möglicher Klangwelten. Außerdem warten hier unter dem Dach seines Reihenhauses im Herrenbach mehrere Keyboards darauf, bespielt zu werden. Denn Schulzki ist Komponist – genauer gesagt: Filmkomponist. Auch für „Donna Leon“, die Venedig-Krimis mit Commissario Brunetti. Schulzkis Musik aus 14 Folgen ist eben auf CD (Alhambra Records) erschienen.

Zu seinem Arbeitsplatz gehört deshalb auch ein großer Bildschirm, auf dem zehntelsekundengenau die Rohfassung neuer Produktionen für Fernsehen und Kino abläuft. Ihr soll Schulzki, der feingliedrige Mann, die passende musikalische Untermalung verleihen. Sagt der Laie so. Der Komponist sieht seine Tätigkeit weit differenzierter. Für ihn sollte Filmmusik idealerweise auch ohne Bilder funktionieren und gerade in TV-Filmen Zusammenhänge herstellen, wo die flüchtigen Bilder nicht ausreichen. Ganz abgesehen davon, dass Stefan Schulzki, 1970 in Augsburg geboren, ebenso künstlerische Musik ohne Zweckbindung schreibt. Dafür hat er ab 1993 Klavier und Komposition in Heidelberg und Mannheim studiert und 2009 noch in Salzburg draufgesattelt bei Adriana Hölszky. „Nur Filmmusik wäre mir zu einseitig“, so Schulzki.

Bei aller Liebe zum Metier, das die Kreativität des Komponisten stets aufs Neue herausfordert, „weil sich die Ästhetik weiterentwickelt“. Was vor fünf oder zehn Jahren toll war, ist heute schon wieder abgenutzt. Der Zuschauer will immer überrascht werden. Ganz offen sagt Stefan Schulzki: „Es gibt Theoriebücher über Filmmusik. Aber ich habe sie nicht gelesen.“ In der Filmwelt seien Intuition und Erfahrung wichtiger als vorgefertigte Regeln – entsprechend habe er auch selbst schon am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität unterrichtet.

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Wenn er an einem Film dran sitzt, schafft er täglich meistens zehn Minuten. Eine Folge „Donna Leon“ – Nummer 23 ist an der Reihe – ist in zwei Wochen auskomponiert. Die Vor- und Nachbereitung kommt dann noch dazu. Sich vorzubereiten heißt, den Film immer wieder anzuschauen, ihn als Ganzes und in allen seinen Facetten zu erfassen. Schulzki lässt zunächst die Bilder auf sich wirken und macht sich noch keine Notizen. Allmählich kommen Ideen für Klänge, Töne und für einzusetzende Instrumente. Dann fertigt er einen Plan über die Abfolge der Musik und sich wiederholende Motive. Schließlich sitzt er an der Klaviatur, an Knöpfen und Reglern in seinem Studio. Für abendliche Szenen gern in Nachtstunden, für Morgenszenen am Beginn eines neuen Arbeitstages.

Nachbereiten heißt: Mit den Regisseuren zu sprechen, das eine oder andere zu präzisieren. Denn es kann sein, dass nach deren Gefühl etwas nicht traurig genug, nicht kraftvoll genug, nicht zärtlich genug ausfällt. Schulzki kann dann nur hoffen, dass er verstanden hat, was der Regisseur sich vorstellt. Der Filmkomponist mag es, wenn Regisseure zu ihm wie mit einem Schauspieler vor der Kamera reden. Er selbst betrachtet sich ebenfalls kritisch. Was ihm die „Lust am Klang“ eingegeben hat, muss ihn am Tag darauf nicht mehr unbedingt überzeugen.

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