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Forum live

20.12.2018

Der Mann der klaren Worte

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser stellte sich am Mittwochabend im „Augsburger Allgemeine Forum live“ den Fragen von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und Sarah Schierack im Goldenen Saal des Rathauses.
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Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser stellte sich am Mittwochabend im „Augsburger Allgemeine Forum live“ den Fragen von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und Sarah Schierack im Goldenen Saal des Rathauses.
Bild: Ulrich Wagner

Siemens-Chef Joe Kaeser zu Gast bei der Veranstaltungsreihe unserer Zeitung. Im Goldenen Saal erklärt er, womit er seine Presseabteilung in den Wahnsinn treibt – und übt deutliche Kritik an Markus Söder

Er ist einer der markantesten Wirtschaftslenker, den Deutschland derzeit zu bieten hat: Seit 2013 steht Joe Kaeser an der Spitze des Siemens-Konzerns. Doch das Land horcht nicht nur auf, wenn er seine Bilanzen und Unternehmensziele präsentiert, sondern auch, wenn der 61-Jährige sich in gesellschaftliche Debatten einmischt. So auch am Mittwochabend. Als Gast unserer Zeitung beantwortet er in der Veranstaltungsreihe Augsburger Allgemeine Forum live die Fragen von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und Wirtschaftsredakteurin Sarah Schierack. Als einen „Spitzenmanager der Superlative“ stellt Alexandra Holland, Herausgeberin der Augsburger Allgemeinen, ihn vor. Als einen, der keine Furcht vor deutlicher Aussprache habe.

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Dass das nicht immer bei allen gut ankommt, räumt der Niederbayer schmunzelnd im Goldenen Saal ein. Mit einem Tweet reagierte er kürzlich auf eine Rede von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel, die Deutschland vor „Kopftuchmädchen“ warnte. „Lieber ,Kopftuchmädel‘ als ,Bund Deutscher Mädel‘“, schrieb Kaeser. Weidel schade dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Ungewöhnlich für einen Spitzenmanager. „Die Kollegen in der Presseabteilung waren total fertig“, verrät Joe Kaeser. Doch zum Lachen war ihm nicht immer. Selbst seine Kinder seien schon bedroht worden, sagt der Siemens-Chef. Schweigen will er trotzdem nicht, denn wenn sich Geschichte nicht wiederholen solle, dann dürften gerade die Eliten sich nicht wegducken. Dass in dem Mann mit dem weichen bayerischen Zungenschlag aber auch ein knallharter Geschäftsmann steckt, hat er im Umgang mit den Siemens-Geschäften in Saudi-Arabien gezeigt. „Man muss immer zwischen Werten und Interessen abwägen“, sagt er auch in Augsburg. Um für Werte einzustehen, brauche ein Unternehmen wirtschaftliche Stärke. „Manche Dinge muss man einfach hinnehmen, wenn es dem Unternehmen dient“, bekennt Joe Kaeser. „Die Welt ist auch rau.“ Immerhin sei es im Deal mit den Saudis um tausende Arbeitsplätze gegangen, das habe er stets im Hinterkopf. Das saudische Königshaus in Riad wird mit dem Mord an dem Journalisten Dschamal Kaschoggi in Verbindung gebracht.

In Deutschland setzt der Spitzenmanager bisweilen härtere Maßstäbe an die Politik an. „Wir müssen der Welt ein Bild der Ordnung und der geordneten Regierungsstrukturen vermitteln“, sagt er bei der Veranstaltung im Augsburger Rathaus. Und das habe gerade in Bayern nicht immer funktioniert. Den Streit innerhalb der CSU kritisiert Kaeser mit deutlichen Worten. „Das war ein Beispiel dafür, wie man nicht miteinander umgeht. Diese Sticheleien, dieses Gezerre. Das wollen die Leute nicht“, sagt er.

Joe Kaeser Alexandra Holland Gregor Peter Schmitz Sarah Schierack Augsburg Augsburger Allgemeine Forum live
Bild: Urich Wagner

Auch Ministerpräsident Markus Söder habe er immer wieder gewarnt, im Ringen mit der AfD zu weit nach rechts zu rücken. „Wenn Sie eine Marke kopieren, stärken sie damit nur das Original“, betont er. Am Ende habe er Recht behalten und die CSU habe auf der rechten Seite nur wenige Stimmen dazugewonnen, dafür auf der linken Seite sehr viel verloren. „Ich kann nicht so viel damit anfangen, dass mir mir sind und alle anderen die zweite Garnitur“, sagt Kaeser. Zwar will er nicht - wie zuvor der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg - die Eignung Söders als bayerischer Ministerpräsidenten infrage stellen. Doch mit Mahnungen in Richtung Staatskanzlei spart er nicht. Söder lebe für seine Heimat. Aber: „Wenn die CSU einen bundespolitischen Anspruch hat, dann muss es ,Deutschland first’ heißen und nicht ,Bavaria first’“, sagt der Siemens-Chef. Guttenberg hatte die CSU gewarnt, unter Söder zu einer Regionalpartei zu schrumpfen.

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20.12.2018

Wen meint wohl Kaeser immer, wenn er von der SIEMENS-Familie spricht, der er sich verpflichtet fühlt? Die SIEMENS-Aktionäre oder die SIEMENS-Belegschaft?‬
Tatsache ist auch, dass deutsche Kornzernlenker dem amerikanischen Präsidenten Trump Anfang 2018 in Davos unterwürfig huldigten und, wie SIEMENS-Chef Kaeser, Investitionen in den USA ankündigten, während gleichzeitig in der gleichen Sparte in Deutschland ganze Werke geschlossen werden sollten. Letzteres hatte übrigens der damalige SPD-Kanzlerkandidat zu Recht kritisiert, worauf hin Kaeser sich nicht zu schade war, Schulz auf das Übelste - unterhalb der Gürtellinie - zu beschimpfen (die Beschimpfung ist übrigens auf Kaeser zurückgefallen, hat sich Siemens in seinem späteren Handeln doch der Kritik von Schulz gebeugt).
Und jetzt outet sich Trump-Versteher Kaeser auch noch als Merz-Versteher, woraus sich der Kreis zu meiner Eingangsfrage schließt.

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