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16.03.2016

Der Schatz in der Uckermark

Franz-Albrecht Erbprinz zu Oettingen-Spielberg bedankte sich mit einem Geschenk bei dem Referenten Domänendirektor i. R. Dr. Eberhard Lasson.
Bild: Wiedenmann

Geschichte Ein junger Adeliger, der Zweite Weltkrieg und eine Suche nach langer Zeit

Oettingen Über eine spannende Schatzsuche berichtete der pensionierte Domänendirektor des fürstlichen Hauses Oettingen-Spielberg, Eberhard Lasson, im Marstall des Oettinger Schlosses. In seinen Ausführungen entführte er die zahlreichen Zuhörer in die Mark Brandenburg. Dort, wo in der späteren DDR Erich Mielke mit seinen Generalen gejagt hat, in der Uckermark nahe Angermünde in Görlsdorf, ging es um einen vergrabenen Schatz, den es zu finden und zu heben galt.

Die Wälder gehörten bis 1945 zum Besitz der Fürstin Viktoria zu Lynar-Redern, der Großmutter von Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg. Sie war die Schwester des Alexander Graf zu Lynar-Redern, der als 16-Jähriger eine für sein Alter bemerkenswerte Weitsicht gezeigt hat.

Als 1945 bereits der Kanonendonner der anrückenden Russen von der Oder her zu hören war und sich die fürstliche Familie zur Flucht bereit machen musste, hatte der junge Graf die verwegene Idee, Familiensilber und Porzellan im Sandboden des nahegelegenen Waldes zu vergraben. In aller Eile packte man mit wenigen Vertrauten das Material in 13 Holzkisten, fuhr mit dem Pferdegespann hinaus in den Wald und vergrub es in einer langen Nacht bis zu zwei Meter tief im Sand. Graf zu Lynar-Redern fertigte zu dem vergrabenen Schatz eine Lageskizze, die über all die Jahre hinweg in seiner Brieftasche Platz gefunden hatte. Zurück blieb die Hoffnung, nach dem Kriege die kostbare Ware wieder bergen zu können.

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Doch es kam anders. Durch die stalinistische Enteignung und das Entstehen der DDR schien jede Möglichkeit auf eine Rückkehr verwehrt. Erst mit der Wende 1989 keimte wieder die Hoffnung auf, vielleicht doch noch den alten Besitz wieder zu erlangen. Aber auch diese Hoffnung wurde enttäuscht.

Gegen Ende 1994 fühlte Graf zu Lynar-Redern bei der damaligen Treuhand vor, ob er den vergrabenen Schatz in seinem ehemaligen Besitz heben dürfe. Im Juni 1995 versammelte sich nun eine kleine Gruppe von „Schatzsuchern“, unter anderem Graf zu Lynar-Redern, Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg, seine Mutter Elisabeth und der Referent, um mit Hilfe der damaligen kleinen exakten Karte die Lage im Wald zu erkunden. Orientierungspunkte für die bemerkenswert ausführliche Lageskizze waren die sogenannten Jagensteine, die die Grenzen der Waldabteilungen markierten. Mit Hilfe dieser Skizze und dem „Ultraschallgerät“ eines Spezialisten wurde das Unglaubliche Wirklichkeit. Der Schatz wurde gefunden. Doch bevor es soweit war, gab es Minuten ohne jede Hoffnung. Denn die vergrabenen Kisten lagen tiefer als vermutet. Als ein Spaten auf den ersten Porzellanteller stieß, löste sich bei dem knirschenden Geräusch die nahezu unerträgliche Spannung in Jubelrufe. Von dem wertvollen Porzellan war leider ein erheblicher Teil zerbrochen, das Silber hatte aber die Zeit im Boden gut überstanden. Für Graf zu Lynar-Redern und seine Schwester war es eine emotionale Genugtuung, wenigstens das mit einer Fülle an Erinnerungen verknüpfte persönliche Hab und Gut wieder erlangt zu haben. Auf diese Erinnerungen bezog sich Franz-Albrecht Erbprinz zu Oettingen-Spielberg, der die informative Veranstaltung einleitete und mit einem Dank an den Referenten abschloss.

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