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Augsburger Geschichte

10.07.2019

Der Schmetterlingsforscher Jacob Hübner

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2 Bilder
Baden bei der Holzbachschleuse an der Wertach anno 1808, überliefert durch eine kolorierte Umrissradierung von Jacob Hübner.
Bild: Sammlung Häußler

Der Naturexperte zeichnete 3598 Schmetterlingsarten. Förderer ermöglichten ihm seine Passion. Wo sich sein kostbarer Nachlass befindet.

Der Naturexperte Eberhard Pfeuffer brachte 2003 in seinem Buch „Von der Natur fasziniert“ den Augsburger Schmetterlingsforscher, Zeichner und Kupferstecher Jacob Hübner (1761-1826) mit einer Biografie in Erinnerung. In Augsburg ist eine Straße nach ihm benannt, ansonsten ist er in seiner Geburtsstadt weitgehend unbekannt. Weltweit berühmt ist er bei Entomologen (Insektenforschern). Bei ihren Forschungen wenden sie sich allerdings nicht nach Augsburg, sondern nach London. Jacob Hübners Nachlass befindet sich seit 1935 im Besitz der „Royal Entomological Society“ in London. Diese wissenschaftliche Gesellschaft widmet sich dem Studium von Insekten.

Augsburger Kunstsammlungen besitzen eine Kostbarkeit

In London sind tausende Originalzeichnungen und die Aufzeichnungen von Jacob Hübner archiviert. Sie stehen der Forschung zur Verfügung. Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg verwahrt zwar Drucke, aber keine Handzeichnungen des Naturforschers und Naturalienmalers (so nannte er sich ab 1814). Jacob Hübner war ungeheuer fleißig. Er schuf 1952 Kupfertafeln mit Abbildungen von 3598 Schmetterlingsarten. Die Augsburger Kunstsammlungen besitzen nur wenige Drucke, jedoch eine besondere Kostbarkeit: das Stammbüchlein von Jacob Hübner. Es bildet aufgrund der datierten und mit Zeichnungen versehenen Widmungen eine wichtige Quelle zu seiner Biografie.

Jacob Hübner war Direktvermarkter. In einem mit „15. November 1806“ datierten Verzeichnis lieferbarer Werke und Einzelblätter bot er eine „Sammlung auserlesener Vögel und Schmetterlinge“ (100 Blatt), „Auserlesene Blumen“ sowie acht „Ansichten aus der Gegend Augsburgs“, Album- und Stammbuchblätter sowie „Visitbillets“ an. Alles „zu finden bey Jacob Hübner, Naturforscher, in Augsburg Lit. H Nr. 342“.

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„Litera H 342“ war die Anschrift von Jacob Hübners Wohnhaus und Werkstatt in der Jakobervorstadt. Das Anwesen erhielt 1938 die Adresse Erstes Quergässchen 8. 1995 wurde Hübners Haus abgebrochen. Im Alter von 35 Jahren hatte er am 22. Februar 1796 das schmale Gebäude samt Garten und Sommerhaus für 1425 Gulden gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein anerkannter Schmetterlingsforscher. Eberhard Pfeuffer stellt Jacob Hübners künstlerisches Talent, den gewaltigen Wissensdurst, die ungeheure Schaffenskraft sowie seine enorme wissenschaftliche Leistung ins rechte Licht.

Aus dem Hobby wurde eine Berufung

Geboren am 20. Juni 1761, erhielt er mit 15 Jahren Zeichenunterricht am Gymnasium bei St. Anna, ehe er 1778 eine Lehre als Formenstecher und Radierer begann. Mit dieser Ausbildung bekam er in der Kattunfabrik Gignoux eine Anstellung als Musterzeichner und Modelschneider. Das heißt, er entwarf Stoffmuster und schnitt die hölzernen Druckstöcke (Modeln). Daneben widmete er sich bereits als Jugendlicher Schmetterlingen und zeichnete sie. Aus diesem Hobby wurde eine Berufung. 1785 erschien das erste Buch mit kolorierten Abbildungen von Schmetterlingen.

Jacob Hübner wurde von seinem Arbeitgeber, dem Kattunfabrikanten Anton Christoph Gignoux, und dem Naturaliensammler und Bankier Josef Paul von Cobres unterstützt. Sie hatten seine ungewöhnlichen Fähigkeiten erkannt. So konnte Jacob Hübner seiner großen Leidenschaft nachgehen: Schmetterlinge entdecken, einordnen, beschreiben und abbilden.

Im Oktober 1786 brach er in die Ukraine auf. Er verdiente seinen Lebensunterhalt in einer Kattunfabrik, um dort vorkommende Schmetterlinge sammeln und zeichnen zu können. Auf der Heimreise nach Augsburg traf er sich 1788 in Wien mit Entomologen und tauschte mit ihnen sein Wissen aus. Jacob Hübners ehrgeiziger Plan war es nämlich, ein Gesamtverzeichnis der europäischen Schmetterlinge zu erstellen. 1793 gab er die ersten Blätter der „Geschichte europäischer Schmetterlinge“ heraus. Das Gesamtwerk umfasste 1805 schließlich 789 Tafeln mit 2627 Arten.

Bei einigen Augsburg-Bildern gab es eine Kooperation

Jacob Hübner heiratete 1793, im Jahr 1800 wurde er Vater einer Tochter. Er hatte eine Familie zu versorgen. Das zwang ihn dazu, gut verkäufliche Gebrauchsware herstellen. Das geht aus seiner Verkaufsliste von 1806 hervor. Er führt darin acht Ansichten von Augsburg auf. Sie erreichten keine hohe Auflage und zählen zu den gesuchten Raritäten. Bei weiteren kolorierten Augsburg-Bildern ging Jacob Hübner zwischen 1808 und 1813 eine Kooperation mit dem Zeichner Joseph Ignaz Hörmann (1775-1820) ein. 24 Blätter sind bekannt, bei denen links unter dem Bild „Hörmann del.“, rechts „Hübner exc.“ zu lesen ist. Links steht der Zeichner, rechts der Druckplattenfertiger. Aus einem Hübner-Album in Privatbesitz stammen die Illustrationen des heutigen „Augsburg-Albums“.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie unter
www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

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